Reisedistanz in der Schweiz höher als in Deutschland (Allgemeines Forum)

RenateMD, Freitag, 05.10.2018, 12:10 (vor 2748 Tagen) @ Alphorn (CH)

Mir graut es vor dem ITF in Deutschland. Dort denkt mal wieder die Politik das Verhalten der Bürger antizipieren zu können.
Es ist doch jetzt schon klar: der Bedarf wird erhoben und anschließend vermischt mit Lokal- und Bundesländerinteressen.
Was dabei herauskommt und wie nah es am tatsächlichen Bedarf ist steht in den Sternen. Vitamin B und Einfluss werden leider auch mitspielen.


Inwiefern unterscheidet sich das von der Situation heute?

Ich habe zumindest noch regelmäßig das Gefühl, das wirtschaftliche Gründe bei der Anbindung von Regionen und auch Abfahrtszeiten eine Rolle spielen und die Bahn ein gewaltiges Wörtchen mitzureden hat. Das tritt ja bei einem ITF tendenziell eher in den Hintergrund, da der TF vorgegeben wird.
Ergibt es Sinn, Strecken auszubauen, nur damit bspw. von Hannover aus (unabhängig davon, ob das der Fall ist oder nicht) alle Verbindungen nach Norden um xx:35 bedient werden können?

Worauf ich mich mal freuen würde: die Studie, die den Effekt des ITFs in der Schweiz von Faktoren wie Investitionen in das Bahnnetz pro Bürger und geographische Gegebenheiten (in diesem Fall: Entfernungen) separiert. Ob dann noch der ITF als das Allheilmittel dastehen würde, wäre sehr interessant.


So verschieden sind die Schweiz und Deutschland nicht. Laut Litra legt der deutsche Reisende pro Fahrt 34 km zurück - der schweizerische aber 34.2 km. Ja, in Deutschland sind sehr lange Fahrten möglich, aber diese bestimmen nicht die durchschnittliche Reisequalität.

Das ist tatsächlich interessant.

Ich empfinde generell die Vergleiche zwischen Bahnländern einfach als unangebracht. Dort gibt es viel zu viele Diskrepanzen, als dass man ernsthaft Deutschland mit Österreich oder der Schweiz vergleichen könnte.


Ich finde Deutschland und die Schweiz relativ gut vergleichbar. Beide sind multizentrisch, dicht besiedelt und haben relativ dichtes und vor allem eng verknüpftes Bahnnetz. Frankreich und Spanien sind da ganz anders.

Hm, ich bleibe dabei. Die Entfernung zwischen Großstädten ist größer und wenn man aktuell Verbindungen und Fahrzeiten betrachtet, ist das Flugzeug häufig attraktiver. Das ist in der Schweiz ja eher nicht der Fall und erschwert die Vergleichbarkeit immens, da bei kleineren Distanzen das Flugzeug nicht als Option existiert.

Und ein ITF ist relativ einfach auf grosse Länder anpassbar. Das Schöne ist ja: Ein Zug muss nur zur Knotenzeit am Bahnhof sein, dann muss man sich keine Gedanken um weitere Abhängigkeiten machen. Schwierig für einen vollständigen ITF sind dicht verknüpfte Netze, das ist aber unabhängig von der Ausdehnung. Schon heute gibt es einen Fernverkehrs-ITF von Lausanne bis Wien, bald bis Bratislava.

Wo ich aber zustimme: Mit der aktuellen Pünktlichkeit in Deutschland wäre ein ITF kontraproduktiv. Man würde viel zu viele der engen Anschlüsse verpassen.

Mal gucken, was bei der Vorstellung im Herbst rauskommt.
Bis zur Umsetzung (falls es dazu überhaupt kommt) wird es ja sicherlich noch dauern.


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