Bahnnutzung in Europa: Drei ITF-Länder vorne (Allgemeines Forum)

Alphorn (CH), Freitag, 05.10.2018, 01:32 (vor 2749 Tagen)

Der Lobbyverband der schweizerischen Bahnindustrie LITRA hat aufgrund von Eurostat-Zahlen von 2016 eine neue Statistik der Bahnnutzung pro Einwohner publiziert. Die früher verwendeten UIC-Zahlen waren nicht mehr sinnvoll, weil sie nach Unternehmen gruppierten und nicht berücksichtigten, in welchem Land die Verkehrsleistung erbracht wurde. Die neuen Zahlen sind also nur teilweise vergleichbar mit den älteren; nichteuropäische Länder fehlen. Hier also der zeitliche Vergleich der jährlichen Bahn-km pro Einwohner:
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Einige Beobachtungen:

Die Schweiz hat einen grossen Sprung nach vorn gemacht, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass diverse Privatbahnen (RhB, SOB, CJ, SZU, TPF, TRN...) nicht in der UIC-Statistik enthalten waren.

Österreich wächst stetig weiter. Das führe ich auf eine intelligente Verkehrspolitik zurück: Ähnlich wie in der Schweiz werden die Strecken passend zu einem vorgegebenen ITF-Fahrplan moderat beschleunigt. Das bringt mittlere Verbesserungen für Durchfahrer und grosse Verbesserungen für Umsteiger.

Frankreich hat ebenfalls einen ITF im Fernverkehr, der allerdings noch nicht sehr konsequent durchgezogen ist, denn fast alle Strecken wurden noch vor dem Bekenntnis zum ITF gebaut. Man löst das so, dass man die Knoten in der Peripherie anlegt und in Paris darauf verzichtet - anders sowieso fast nicht machbar, weil man sonst sehr viele Zufahrtsgleise nach Paris bräuchte.

Auf Platz vier taucht plötzlich Schweden auf. Haben die auch viele Bahnen ohne UIC-Mitgliedschaft? Passend jedenfalls: Schweden gibt pro Einwohner die dritthöchste Summe für Schieneninfrastruktur aus.

Deutschland einen grossen Sprung auf Platz 5. Auch hier gehe ich von vielen Bahnbetreibern aus, die nicht UIC-Mitglieder sind (oder ihren Heimatländern zugerechnet waren). Zudem wurde ja die Auslastung mit vielen Sparpreistickets erhöht, aber war das schon 2016?

Die Niederlande und Belgien publizieren keine Eurostat-Zahlen und fallen daher aus der Statistik.

Mein Fazit: Um ganz vorne mitzuspielen, braucht es a) Geld (die Schweiz und Österreich lassen sich die Bahn was kosten) und b) einen ITF mit passend gebauter Infrastruktur, damit nicht nur die Einwohner der Zentren gute Verbindungen haben.


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