ZM: Brandbrief des Vorstandschefs — Chaostage bei der Bahn (Allgemeines Forum)

HBSA, Hamburg, Montag, 10.09.2018, 11:03 (vor 2798 Tagen) @ RenateMD

Folgende Gedanken von mir:

Synergieeffekte
Jahrelang war es von der Politik und den Bahnvorständen gewünscht, dass jeder "Unternehmensbereich" seine Synergien mit anderen Teilen der DBAG nicht nutzt, weil man davon ausging, dass das Ganze irgendwann aufgeteilt wird. Es wurde alles aufgeteilt, in Portionen. Rollmaterial, Infrastruktur. Nun stellt man fest, dass diese Strategie bei einem "Integrierten Konzern" extrem kostenintensiv ist. Ein erster Schritt wurde ja schon getan, die DB ML AG aufzulösen und FV + Regio wieder direkt in den DB Konzern zu integrieren.

Fernbusse
Erst hat man vernachlässigt, wie gefährlich die Fernbusse werden könnten, nun stellt man fest, dass diese eine Gefahr darstellen, vor allem bei preisbewussten Privatkunden, denen die Modalität nur Zweitrangig ist. Was man machen kann, weiß ich leider auch nicht, aber es wurde wirklich viel verschlafen, obwohl das Ganze mit Ankündigung kam.

Rollmaterial
Wer ein Netz mit SFS besitzt, die mit 280 bis 300 KM/H befahrbar sind, aber Rollmaterial kauft welches nur 250 KM/H fahren kann, stellt schnell fest, dass dieses Rollmaterial nicht die Kapazität voll ausnutzen kann. Ja, es mag billiger sein, aber wenn man dann mal Zeit wieder "rausholen" will, zum Beispiel auf der SFS Hannover-Würzburg, kann dann halt kaum noch was rausholen-

Dividende statt Ausbau
Der Zwang, eine Dividende auszuschütten, führt dazu, dass alle Produktionsfaktoren bis zum Anschlag ausgenutzt werden, während Investitionen in diese minimal gehalten werden. Man versucht, aus allem den letzten Groschen zu drücken, was ein paar Jahre gut geht, bis dann ein Investitionsstau sich bemerkbar macht. Der Zwang, durch die Politik, dass die DB AG eine Dividende an den alleinigen Aktionär Bund ausschütten muss, ist falsch. Das Geld sollte direkt im Konzern reinvestiert werden, sodass am Ende "nur" eine schwarze Null überbleibt.

Die Bahn kommt
Statt den 1001. Rundtisch "Baumschnitt" oder "Wetterfestigkeit" zu haben, sollte die Bahn ein Maßnahmenpaket vorstellen, um das (Kern-)Netz Winterfest zu machen. Es sollten Maßnahmen durchgeführt werden, dass das Kernnetz 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche betriebsfähig ist. Denn nur so kann die Bahn sich gegen andere Verkehrsträger dauerhaft durchsetzen.

McKinsey
Nein. Um Gottes Willen. Nein. Kein McKinsey.

Kriegskassen füllen
Die Bahn sollte Beteiligungen an Unternehmen verkaufen, die nicht der Erfüllung des Bahnbetriebs in Deutschland oder der sinnvollen Bereitstellung von Dienstleistungen (vor allem im Güterverkehr) nutzen. Dieser "internationale" Konzern ist ein Relikt der Zeit Grube/Mehdorn, als der ganze Laden als Fluggesellschaft umgebaut werden sollte, oder zumindest das gleiche Image haben soll.

Politik
Wenn Infrastrukturmaßnahmen (NBS/ABS) durchgeführt werden sollen, müssen Baustopps und Bürgerinitiativen endlich mal ein Ende finden. Es kann nicht sein, dass in einem unglaublichen Tempo Amazon an jede Autobahnausfahrt ein Warenzentrum baut wo dann LKWs geradezu "hinpilgern", während jede noch so kleine Infrastrukturmaßnahme eine Vielzahl an Bürgerinitiative mit sich zieht. Genau so kann es nicht sein, dass ein angefangenes Infrastrukturprojekt (VDE 8) sich auf einmal 20 Jahre in die Länge zieht. Infrastruktur ist notwendig und die Durchführung muss durchexorziert werden.

Systemverbund Bahn
Es ist nur ein Systemverbund, wenn der Laden als Ganzes sich auch so verhält. Ich kann es nicht genug betonen. Die Politik muss begreifen, dass Netz und Betrieb bis zu einem gewissen Grad leider doch Hand in Hand gehen. Die Deutsche Bahn hat das Potenzial, sich als Vorzeigestaatsunternehmen für (digitalisierten) Schienenverkehr in Europa zu entwickeln. Dies erfordert aber Zusammenarbeit von allen Teilen des Unternehmens.

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Fahrdienstleiter & Genießer guter Bahnerlebnisse


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