Man darf die Strecken nicht isoliert betrachten (Allgemeines Forum)

Ösi, Samstag, 19.05.2018, 21:35 (vor 2879 Tagen) @ Axel252525

Die Praxis sah und sieht leider durchgehend anders aus: jede Staatsbahn hatte enorme Produktionskosten, die vor Allem durch einen Personalüberhang und ganz massiven Verwaltungsüberhang entstanden sind.

Das fällt in die Kategorie "politischer Wille". Fakt ist, dass staatliche Unternehmen oft dazu missbraucht wurden, die Arbeitslosigkeit durch Schaffung von unnötigen Arbeitsplätzen kleinzurechnen, anstatt nach betriebswirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten geführt zu werden. Dadurch wurden sie ineffizient und schwerfällig. Das ist allerdings keine Notwendigkeit, auch Staatsunternehmen können effizient, gewinnbringend und am Gemeinwohl orientiert betrieben werden.

Die größten Einsparpotenziale entstehen durch geschickte Fahrzeugwahl, eine schlanke Organisation und Effizienz im Betriebsablauf (also eine hohe Fahrzeugauslastung).

Gerade dabei sind möglichst große Bahnunternehmen im Vorteil.

Große Unternehmen können Großserien einheitlicher Fahrzeuge bestellen und erhalten nicht nur niedrigere Preise pro Sitzplatz, sondern können auch Wartung, Instandhaltung und die Lagerhaltung dafür vereinfachen.

Auch können sie Reserven bei gleicher Betriebsqualität klein halten (oder bei gleichen Reserven eine höhere Betriebsqualität bieten), da ein großer Fahrzeugpool und eine weite regionale Verbreitung "Spitzen" und "Dellen" problemlos abfangen können.

Dass es nicht ständig Ausschreibungen gibt, führt dazu, dass Fahrzeuge lange genutzt werden können und modernisiert oder in Zügen mit neuen Fahrzeugen eingesetzt werden können, um modernen Komfort bei niedrigen Preisen zu bieten.

Im RV in Deutschland sieht man die Probleme der Zersplitterung sehr stark (Zugausfälle wegen fehlender Reserven bei Unternehmen, die nur wenige Linien betreiben; Fahrzeuge sind teilweise nur 10-15 Jahre im Einsatz und werden dann verschrottet, weil der Besteller es so will; Linien werden meistens komplett von alten auf neue Fahrzeuge umgestellt, es gilt "alles oder nichts"). Umgekehrt kann der FV auf große Flotten ICE 4 setzen und die alten IC-Wagen sind noch immer im Einsatz.

Auch im Rechnungswesen lässt sich über automatisierte Auswertungen (+ Visualisierungen) sehr viel Verwaltung einsparen, ebenso im Einkauf über automatisierte Bestellvorgänge).

Das sind im Vergleich zu den Kosten, die auf jeden Fall anfallen - Trassenkosten, Haltkosten, Personalkosten für notwendiges Personal, Fahrzeugkosten - Peanuts.

Auch das müsste nicht sein: die DB (vermutlich müsste auch das Kartellamt zustimmen) könnte einfach die Tarife B und A für Mitbewerber öffnen.

Aber warum sollte sie es tun, wenn sie mit ihnen in einem Konkurrenzverhältnis steht? Und warum sollten die Mitbewerber darauf eingehen? In einer Konkurrenzsituation macht das wenig sind.


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