Man darf die Strecken nicht isoliert betrachten (Allgemeines Forum)

Axel252525, Samstag, 19.05.2018, 19:42 (vor 2888 Tagen) @ Ösi

Nehmen wir ein fiktives kleines Land, in dem es zwei Eisenbahnstrecken gibt: von A nach B und von C nach D.

A nach B ist eine profitable Strecke und wirft einen Gewinn von 100 Kujambel/Tag ab.

C nach D ist eine Verluststrecke und erzeugt einen Verlust von 100 Kujambel/Tag.

Jetzt gibt es eine Bahngesellschaft, die Öffentliche Bahn (ÖB). Diese befährt beide Strecken und bilanziert plus/minus null. Steuergelder müssen nicht aufgebracht werden.

Als nächstes kommt aber die PrivatBahn (PB) ins Spiel. Diese befährt natürlich nur die profitable Strecke von A nach B. Wir nehmen nun an, dass sich die Fahrgäste genau hälftig zwischen ÖB und PB aufteilen.

Ergebnis: Die ÖB hat plötzlich einen Zuschussbedarf von 50 Kujambel/Tag, während die Anteilseigner der PB dieselbe Summe als Gewinn einstreichen können.

Das heißt, es wurden wieder einmal erfolgreich Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert.

1. Das ist sehr stark vereinfacht dargestellt.
2. Du vergisst etwaige volkswirtschaftliche Vorteile, die durch niedrigere Preise entstehen. Exemplarisch: Die Leute haben mehr Geld für anderen Konsum, Bildung, sind mobiler, etc. Mit anderen Worten: eine Ungleichheit zwischen den Einkommensschichten kann ein Stück weit mitigiert werden).
3. Du betrachtest den Fall nicht, in dem die PB auf Basis des Konzessionsmodell den gesamten Verkehr übernimmt. In einem deinem Beispiel nur mehr Gewinn für die PB, in der komplexeren Realität bedeutet das bisher ausschließlich einen geringeren Zuschussbedarf zum Verkehr.

Für 3. findet sich mit der Schweiz ein Beispiel: dort werden die Linien im Rahmen der Fernverkehrskonzession u.A. so gebündelt, dass ertragsstarke Linien ertragsschwache Linien mitfinanzieren können. So wird versucht, den Zuschussbedarf auf das Minimum zu senken.

Übrigens ist dein Beispiel auch nur in Österreich gültig. In Deutschland würden sich durch den Wettbewerber keine Nachteile ergeben, da der Fernverkehr bereits eigenwirtschaftlich ist. Ärger gäbe es hier "nur" durch den Nahverkehr, wobei es hier Leidtragende in beide Richtungen gibt. [Nahverkehr, der fast so attraktiv wie der Fernverkehr ist und Fernverkehr, der dem Nahverkehr die Einnahmen abgräbt].

MfG
Alex


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