Von Tälesbahn und IC2-Probebetrieb - Fortsetzung 1 (Reiseberichte)

TD, Samstag, 10.06.2017, 18:31 (vor 3206 Tagen) @ TD

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Die Hohenzollernschen Lande rund um Sigmaringen waren früher ein preußischer Regierungsbezirk, der umgeben war von den Ländern Württemberg und Baden. Der Bau einer durchgehenden Bahnstecke über die Ländergrenzen hinweg war somit ein Politikum. Mit einem Staatsvertrag erkaufte sich Württemberg die Durchfahrtsrechte, Sigmaringen hatte in der Folge dann drei Bahnhöfe. Der heutige Bahnhof war der Hauptbahnhof der Königlich Württembergischen Staatsbahnen, nördlich davon hatte die Hohenzollerische Landesbahn einen eigenen Bahnhof und einen Teil der badischen Bahn gab es auch. Zur Weiterfahrt steht jetzt ein IRE auf unserem Reiseplan.

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Sehr schön – ein 612er im Landesdesign fehlte mir noch in meiner Sammlung. Der Zug kommt aus Aulendorf und fährt nach Stuttgart.

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Für ein kurzes Stück führt die Fahrt auf der Donautalbahn nach Westen, dann trennen sich die Strecken und die Zollernalbbahn verlässt das Donautal. Zwischen zwei Tunneln hier der Blick auf das Dorf Unterschmeien. Die eingleisige, nicht elektrifizierte Bahnstrecke ist für den Neigetechnikbetrieb ausgerüstet – und besonders hier auf dem kurvenreichen Abschnitt im Tal der Schmeie kann man die Neigetechnik auch deutlich erleben.

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Die Strecke führt nun hinauf auf die Schwäbische Alb, hier bei Lautlingen ist der Scheitelpunt bereits überschritten. Landschaftlich reizvoll führt die Strecke durch das Eyachtal nach Balingen.

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Ein letztes Bild der Strecke habe ich von der Burg Hohenzollern, die für längere Zeit im Blickfeld der Bahnreisenden ist. Der Stammsitz des preußischen Königshauses und der Fürsten von Hohenzollern liegt prominiert auf einem der Schwäbischen Alb vorgelagerten Bergkegel.

Der IRE wird in Tübingen mit einem zweiten Triebzug verstärkt und verkehrt von dort als Expresslinie mit nur einem Zwischenhalt in Reutlingen bis nach Stuttgart. Der IRE fährt zwar durch Nürtingen, hält dort aber nicht, so dass ein Umstieg erforderlich wird. Die Fahrplanauskunft schlägt Tübingen als Umsteigebahnhof vor, da wir mit dem letzten Reisebericht aber erst in Tübingen waren, entscheide ich mich für das Umsteigen in Reutlingen.

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Dann wollen wir also mal schauen, wie weit wir in 23 Minuten Übergangszeit in der kleinsten Großstadt Baden-Württembergs kommen. Die Altstadt wird überragt vom Turm der Marienkirche, die zu den Wahrzeichen der Stadt zählt.

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Der Spitalhof am Marktplatz wurde im 13. Jahrhundert errichtet, er war im Mittelalter Krankenanstalt, später Altersheim. Daneben die Spitalkirche.

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Reutlingen ist seit 1859 an das Bahnnetz angeschlossen, der Hauptbahnhof liegt an der Neckar-Alb-Bahn von Plochingen nach Tübingen. Weitere von Reutlingen ausgehende Bahnstrecken wie die Gönninger Bahn und die Echazbahn sind stillgelegt. Mit der nächsten Regionalbahn fahren wir gleich weiter nach Nürtingen.

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Auch hier verkehrt ein Regioshuttle der DB. Knapp zwanzig Minuten dauert die Fahrt auf der Neckar-Alb-Bahn durch das Vorland der mittleren Schwäbischen Alb.

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Ja, gut, dieser Reisebericht ist diesmal sehr Regioshuttle-lastig. Nach der Ankunft in Nürtingen geht es direkt weiter mit der Tälesbahn. Benannt ist die Bahnstrecke von Nürtingen nach Neuffen nach dem Neuffener Tal. Betrieben wird die Verbindung von der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) mit Regioshuttle-Triebzügen. Das hier ist „Mara“ – die WEG hat die vier Triebwagen mit weiblichen Vornamen bedacht.

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Die Tälesbahn ist eine knapp neun Kilometer lange Stichbahn, die von Nürtingen durch das Neuffener Tal hinauf führt nach Neuffen, während der 12-minütigen Fahrt überwindet der Zug eine Höhendifferenz von rund 110 Metern.

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Und hier sind wir auch schon in Neuffen angekommen. In Neuffen befindet sich auch die Hauptwerkstätte der WEG, die heute zur Transdev-Gruppe gehört. Die Tälesbahn verkehrt tagsüber im Stundentakt, zur Hauptverkehrszeit halbstündlich. Wir fahren nicht gleich zurück, sondern erst in eineinhalb Stunden.

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Und so bleibt zunächst Zeit für eine Runde durch Neuffen. Die Kleinstadt mir rund 6.000 Einwohnern liegt am Nordrand der Schwäbischen Alb, sehenswert sind das Rathaus und die Kirche. Das Rathaus wurde ab 1657 als stattlicher Fachwerkbau mit Arkaden errichtet, nachdem der Vorgängerbau einer Brandschatzung zum Opfer fiel. Auch die gotische Martinskirche wurde bei dem Brand schwer beschädigt und später wiederaufgebaut.

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Bekannteste Sehenswürdigkeit ist jedoch die Burg Hohenneuffen. Schon vom Zug aus war die Ruine der adligen Höhenburg auf dem Felsmassiv des Hohenneuffen zu sehen. Auch auf die Gefahr hin, dass der Reisebericht jetzt auch noch burgen- und schlösserlastig wird: da wollen wir hinauf!

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Die erste Etappe führt durch die sonnigen Weinberge – übrigens eine der höchstgelegenen Weinlagen in Deutschland. Der zweite Abschnitt verläuft dann steil den Berg hinauf, aber immerhin angenehm im Schatten des Waldes.

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Auf der Burg Hohenneuffen wurde 1948 ein erster Grundstein für die Gründung des Bundeslands Baden-Württemberg gelegt. Vertreter der Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern trafen damals zu einem Dreiländertreffen auf der Burg zusammen zu Verhandlungen über eine Vereinigung. Das mittelalterliche Gemäuer ist jedoch wesentlich älter, die Burg wurde zwischen 1100 und 1120 erbaut. Aber nun genug Geschichte, lassen wir den Blick schweifen...

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...über den Steilabfall der Schwäbischen Alb (Albtrauf genannt) und die Voralb-Landschaft.

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Und der Blick hinunter nach Neuffen...

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...sowie ins Neuffener Tal.

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Schließglich geht es wieder hinab Richtung Bahnhof. Ich muss allerdings eine Warnung aussprechen, falls jemand diese Tour nachahmen möchte: wenn man sich am Bahnhof und im Ort umsehen, beim örtlichen Bäcker einen Kaffee holen, den Weg zur Burg finden, in brütender Hitze auf den Berg laufen, oben bei einem erfrischenden Getränk den Ausblick genießen, den Abstieg meistern und den Rückweg zum Bahnhof finden will, sind die 90 Minuten Aufenthalt zwischen zwei Zügen eine sportliche Herausforderung.

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Die Tälesbahn war die erste Bahn der Württembergischen Eisenbahngesellschaft, sie wurde im Jahr 1900 eröffnet. Aus jener Zeit stammt auch das schmucke Bahnhofsgebäude im Jugendstil.

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An ausgewählten Betriebstagen gibt es mit dem „Sofazügle“ auch Dampfzugfahrten auf der Tälesbahn, auf uns wartet jedoch wieder „Mara“ zur Fahrt hinunter nach Nürtingen.

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Die Strecke durch das Tal der Steinach ist landschaftlich nicht herausragend, Felder und Wiesen wechseln sich ab mit Siedlungen, auf dem letzten Abschnitt durch das Stadtgebiet von Nürtingen prägen Gewerbeflächen die Strecke – Heimwerkern ist vielleicht die Marke Metabo ein Begriff, deren Stammsitz neben den Gleisen der Tälesbahn liegt.

Es geht gleich weiter...

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