Wer sollte das leisten? (Allgemeines Forum)

musicus, Dienstag, 10.01.2017, 12:16 (vor 3409 Tagen) @ GUM

Handy, Schnurloskopfhörer und Alukoffer (oder auch Autos) sind wunderbare Beispiele für Güter, bei denen eine Preisbereitschaft langfristig aufgebaut worden ist.

Die DB hat diese Preisbereitschaft kurzfristig eliminiert: Weniger als 15€ für München-Hamburg oder Stuttgart-Berlin im HGV, bzw. das all-inclusive-first-class-Paket ab 22€ sind nicht ansatzweise Grundlagen für "Preisbereitschaft", sondern die Botschaft, dass Zugfahren billig zu sein hat und eine Langstreckenreise in der 1. Klasse des HGV auch nicht mehr wert ist, als eine neue CD, zwei Kinokarten oder ein Wochenticket im innerstädtischen ÖPNV. Man sucht ganz bewusst die Konkurrenz zu Fernbusanbietern, von denen man genau weiß dass sie nicht profitabel sind. Man führt in allen Klassen keinen Qualitäts- sondern einen Verdrängungswettbewerb nach dem Motto: Hauptsache die Leute zahlen bei uns, was wir am Ende des Tages bieten (können), ist erstmal zweitrangig.
Du schreibst es ja selbst:

Dies setzt aber natürlich eine Art Mindestpreis voraus, der eben nicht bei 29 Euro im IC/ICE liegen darf.

Wobei ich mir den 29€-Preis (2. Klasse) als "Sparpreis Aktion" durchaus vorstellen kann. Mein Preiskonzept für die 1. Klasse steht ja bereits in Thread: Billigster SP 1. Klasse ≥ 50% Flexpreis 2. Klasse.

Eine Bemerkung möchte ich dazu ergänzen: In vielen Märkten wird bei gleichem Grundnutzen sogar eine Preisspreizung irgendwo bei einem Faktor 8-10 von den Kunden akzeptiert.

Bei der Bahn lassen sich noch größere Preisspreizungen ablesen. Ob das schon für kundenseitige Akzeptanz spricht, lasse ich mal offen...

Der Bahn am ehesten vergleichbar dürfte der interkontinentale Flugverkehr sein.

Aus verschiedenen Gründen nicht!

Dazu kann man ja noch einige Image-Träger (aka Sprinter neu) verkehren lassen.

Zuverlässige, ergonomische und komfortable Reiseerlebnisse wären bereits heute in Produktkategorie A möglich. Es würde schon reichen vorhandene Potentiale voll auszuschöpfen, bevor man sich auf den Aktionismus neuer "Leuchttürme" einlässt.
(Ich halte diesen Thread überdies für den falschen Ort für Sprinter-Debatten. Bei Bedarf bitte neuen Baum öffnen. Danke.)

Der Sprinter neu sieht dann so aus:
A+A, A, A, A, WRk, B, B

Das ist jezt schon sehr OT. Was bedeutet A+A? Aus welcher Erwägung sollte in einem Zug ein Vielfaches von A gegenüber B verkehren?

Im ICE/IC-Netz bleibt es vorerst bei 2 Reiseklassen
Ein Premium-Angebot á la Railjet Steuerwagen wird sich wohl nur auf einigen Metropolverbindungen und zu Seehäfen lohnen.

Es braucht kein "premium"-Angebot, wenn der Unterschied zwischen den beiden Klassen deutlich genug ist.

Im B-Bereich könnte darüber nachgedacht werden die extrem niedrigen Sparpreisstufen immer an das Zugende zu buchen und diese Waggons leicht von 80 auf 88 Plätze (IC) aufzustocken.

Also eine 4. Klasse? Ich bleibe dabei: Zwei Klassen würden reichen, wenn die qualitativen Klassendifferenzen wahrnehmbarer und die klasseninternen Preisspreizungen geringer würden.

Ja! Auf einigen Strecken sehe ich das als 1. Klasse Plus mit Zuschlag. Dem dann zu schaffenden Statuslevel bahn.bonus comfort gold kann man ja 20 oder 30 Upgrade-Gutscheine pro Jahr zur Verfpgung stellen.

Was ich von der 1+. Klasse halte steht ja bereits geschrieben. Ähnliches gilt für die von dir postulierte Zerfaserung der bahn.bonus comfort-Kundensegmente.

Bei der durchschnittlichen Reisezeit drücken ja Fernpendler-Strecken enorm den Schnitt. Man denke nur an München-Augsburg, München-Ingolstadt oder ähnliches.

"Fernpendler" sehe ich so und so nicht als Zielgruppe der 1. oder noch höherer Klassen.

Deshalb darf eine nicht kostendeckende 1. Klasse Plus (oder wie immer das heißen mag) kein Hinderungsgrund sein.

Ob die bestehende 1. Klasse kostendeckend ist, ist ja auch ein Betriebsgeheimnis der DB.

Die Begeisterung ist nicht sofort meßbar wird aber langfristig in die gleichen Dimensionen wie bei den früheren TEE Rheingold etc. steigen. Auf jedem Modelleisenbahn-Markt siehst Du mehr TEE-Züge als alles andere.

Klasse Beweis *scnr*! Es geht halt nicht nur um Begeisterung der 1. Klasse gegenüber, sondern hinsichtlich eines ganzen Verkehrsträgers, ganz besonders auch hinsichtlich niederschwelliger Zugangsangebote: Der Bahn. Wen du schon in die 2. Klasse nicht reinkriegst, sieht auch die 1. nicht und wird sich kaum mit zuschlagspflichtigen Inselverkehren à la GUM-Rheingoldglitzer-1. Klasse.premiumPLUS für Inhaber einer bahn.bonus comfort Gold-Karte locken lassen.

Ähnlich ist es bei (unbezahlten) Bloggern: Da gibt es Hunderte Berichte über 1. Klasse Flüge und riesige Lounge-Komplexe. Über den Economy Flug schreibt fast niemand, außer welcher Sitz gut und welcher Schrott ist (z. B. letzte Reihe im LH A320 NEO).

Über die 1. Klasse-Fahrt in der Bahn bloggt auch kaum jemand...

So gesehen müsste die 1. Klasse "normal" leicht aufgewertet werden mit guten Sitzen und 48 Plätzen pro Waggon. Klassenfaktor bei allen Angeboten auf 1,40-1,50. Schließlich ist das die entscheidende Kundenschnittstelle für mehrere Stunden.

Ein fester Klassenfaktor killt aber erforderliche günstige SP-Stufen in Klasse 2 bzw. verramscht das Premiumprodukt weiterhin. In meinen Augen sollte es preislich eine spürbare Einstiegsschwelle (s. Preismodell oben) in die 1. Klasse geben, während über eine steiler verlaufende Preisdegression, Langstrecken in der 1. Klasse zu mehr Attraktivität zu verhelfen. Preissensible Kundschaft und Kurzstreckenfahrer bzw. "Fernpendler" würden somit in die 2. Klasse gelenkt, während für komfortbewusste und besonders Langstreckenreisende mit einer attraktiven 1. Klasse höheres Identifikationspotential mit dem Verkehrsträger Bahn geschaffen werden könnte.

Das Premium-Angebot würde auf einem kleinen Netz angeboten.

Bitte keine Insellösungen! Bitte nicht! Die eine Inkonsistenz durch eine andere zu ersetzen, löst kein einziges Problem.


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