Da gibt es auch andere Meinungen (Allgemeines Forum)

Jogi, Montag, 13.07.2009, 23:24 (vor 6163 Tagen) @ Tob
bearbeitet von Jogi, Montag, 13.07.2009, 23:27

Soweit ich weiß, hat sich der eigenwirtschaftliche Betrieb des IR für die DB nicht gelohnt

Ob das wirklich so wahr werden uns nur DB-interne Unterlagen sagen können. Auf jeden Fall stand er in ernster Konkurrenz zu (oftmals) paralellen IC- und ICE-Linien. Der Vorwurf, dass man die Linien, z.B. Karlsruhe-Salzburg auf KA-Ulm und München-SAL, kürzte um dem ICE eine bessere Auslastung zu bescheren ist naheliegend - und dürfte mindestens ein Fünkchen Wahrheit enthalten.

Auf jeden Fall ist subventionierter Regionalverkehr attraktiver: wenig finanzielles Risiko, für mindestens 10 Jahre garantierte Gewinne.

gezielt von der Bahn kaputtgemacht wurde.

Die Streichkonzerte um 2000 erwecken zumindest den Eindruck.
Man muss aber noch ein paar andere Gesichtspunkte erwähnen.

Das Wagenmaterial:
Die Wagen wurden Mitte der 80er aus alten Spenderwagen umgebaut (heute würden die Marketinggurus sagen, sie erhielten ein umfassendes Redesign), die damals zu großen Teilen schon 30, 40 Jahre auf dem Buckel hatten. Nach gut 15 Jahren, also insgesamt gut 50 Jahren, Einsatzzeit rückt das Ende der wirtschaftlichen Nutzung näher, so dass eine nun privatwirtschftlich organisierte DB selber das Geld für einen neuen IR-Zug aufbringen müsste.
Die Wagen selber wurden größtenteils im strukturschwachen Werk Weiden umgebaut; wenn ich mich richtig erinnere hat sich FJS da tief reingekniet (Subventionen...) um den Auftrag in die Oberpfalz zu bekommen.
Weiterhin entsprechen die Wagen hinsichtlich den technischen Standards zu weiten Teilen nicht mehr den heutigen Anforderungen, da ist die fehlende Klimatisierung noch das kleinste Problem, so bequem die Wagen auch sein mögen.

Warum heute noch einige IR-Wagen im Einsatz sind? Die DB hat sie ja quasi "geschenkt" bekommen, es fallen also nur Betriebskosten an - und die sind umso geringer, je mehr Wagen man abstellen kann und je weniger man in Betrieb hat.

Neue Situation durch die Bahnreform:
Wie geschrieben muss die DB selber das Geld für eine neue Fahrzeuggeneration aufbringen. Und Eisenbahnfahrzeuge kosten nun mal richtig viel Geld bei sehr geringer Gewinnmarge und langer Laufzeit, bis die Investitionen wieder raus sind. Da ist der Regionalverkehr aus ökonomischer Sicht für die DB attraktiver.

Ob sich der IR-Verkehr nun letztendlich selber getragen hat oder nicht maße ich mir nicht an zu beurteilen. Glaubt man Karl-Dieter Bodack (Buchtitel: InterRegio. Eine abenteuerliche geschichte eines deutschen Zugsystems. Daraus habe ich die meisten der hier geschriebenen Argumente bzgl. des IR), hat er es recht schnell. Allerdings hat er selber den IR mit aufgebaut, und wenn man sieht, wie das eigene Ziehkind zerstört wird dürfte Objektivität nicht ganz oben auf seiner Agenda stehen.

Aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich keinen ausreichenden Einblick habe, um mir zu dieser Thematik ein Urteil zu erlauben.

Das dürften die wenigsten haben um sich ein wahres, quellengestütztes Urteil erlauben zu können - mir geht's nicht anders... ;)

Schöne Grüße, Jogi


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