Und der Verkehr Zürich-Bregenz(-Lindau)? (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Dienstag, 18.11.2014, 02:27 (vor 4164 Tagen) @ Holger2

Hoi,

die Fernbusse machen der Bahn ja wohl eher Konkurrenz, weil sie deutlich schneller sind, als die Bahn, bei gleichzeitig niedrigem Preis - und nicht so sehr wegen der hohen Frequenz.

Die sind nur schneller, weil sie nirgends halten. Würden die auch die EC-Halte bedienen, wären die Züge auch ohne Ausbau noch schneller als die Busse.

Wenn ich mir die Fahrzeiten anschaue: Zwischen Zürich und Bregenz sind es 123 Auto- und Eisenbahn - km,

Ungefähr 126.5 Eisenbahn-Kilometer. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 78.2 km/h.

der Zug fährt das heute mit sagenhaften 76km/h. Zwischen Lindau und München sind es 180/196 Auto/Eisenbahn - km, der Zug fährt das mit 79 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, gemessen an der Autobahn.

Die Topografie ist da zwischen Lindau-Memmingen-München auch wesentlich flacher. Dadurch sind dort viel geradere Streckenabschnitte möglich gewesen. In der Schweiz sind ohne sehr teure Neutrassierungen ausser der konsequenten Nutzung von Wankkompensation oder Neigetechnik keine weiteren fahrzeitverkürzenden Massnahmen umsetzbar, da sich die Strecke so wie ist schon auf einem sehr hohen Ausbaulevel befindet.

Der nationale Fernverkehr Zürich-St.Gallen ist mit den beschlossenen Massnahmen auch künftig in Sachen Reisezeit dem Auto überlegen, benötigt daher ausser den beschlossenen Massnahmen keine weiteren Fahrzeitverkürzungen. Und nur allein für sechs bis sieben EC-Paare am Tag sind so hohe Investitionen nicht zu rechtfertigen.

Als nächster sehr grosser Ausbaubrocken steht der Brüttenertunnel zwischen Winterthur Töss und Bassersdorf/Dietlikon Im Korridor Zürich-Winterthur an, welcher für 2.8 Mia CHF die Kapazität in diesem Korridor verdoppelt und die Fahrzeit um zwei Minuten reduziert. Man versucht, das Geld für eine Fertigstellung bis 2030 zusammenzukratzen. Aber hier reden wir von Anfang über mindestens zehn bis zwölf Züge pro Stunde und Richtung allein im Personenverkehr in diesem Tunnel, wofür sich die grosse Investition dann auch rechtfertigt.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist, dass in der Schweiz ein Halt mehr eingelegt wird, was die Fahrzeit erhöht und die durchschnittliche Geschwindigkeit senkt. St. Margrethen, St. Gallen, Winterthur und Zürich Flughafen sind dabei auch von deutscher Seite unbestritten, letzterer wurde gar sehr gewünscht von deutscher Seite.

Auch wichtig zu erwähnen wäre, dass die eingerechneteten Fahrzeitreserven in der Schweiz üblicher höher sind als in Deutschland. Höhere Fahrzeitreserven senken die Durchschnittsgeschwindigkeit.

Die Strecke zwischen Zürich und Bregenz soll lediglich um 7 Minuten beschleunigt werden, die nur 50% längere Strecke von Lindau nach München um 25 Minuten.

Die Fahrzeit Zürich-Bregenz wird um elf Minuten reduziert. Und zwischen Lindau und München liegt ja eben noch sehr viel Potenzial brach, da ohne Linienverbesserung die Geschwindigkeit streckenweise von 80 auf 160 km/h angeboben werden kann. Solche Potenziale sind auf Schweizer Seite eben schon längst ausgeschöpft worden (mit Ausnahme dessen, dass der EC noch nicht bogenschnell fährt, da noch als Wagenzug unterwegs).

Die SBB und die DB sind da wohl ähnlich verantwortlich dafür, dass der Fernbus der Bahn überlegen ist. Das Fernzugnetz in der Schweiz mag zwar eine hohe Verfügbarkeit haben, besonders schnell ist es jedoch nicht - die regelmäßige Verbindung nach Bregenz ist noch deutlich langsamer.

Bummeln beim Ausbau tut die DB, das ist ja wohl unbestritten.

Das Schweizer Fernzugnetz ist auch in Sachen Reisezeit gegenüber den restlichen Verkehrsmitteln konkurrenzfähig. Ich habe beispielsweise von St. Gallen nach Basel mit zusätzlicher Tramstrecke einen vor mir abgefahrenen Autofahrer eingeholt, der seiner Aussage nach relativ normal durch den Verkehr kam. Und ich habe auch keine Spezialverbindung genommen, sondern normale Taktzüge. Und dabei habe ich zwischen Zürich und Basel im Zugsrestaurant noch schön entspannt ein ausgiebiges Menü essen können. Der Autofahrer meinte dann bei zeitgleicher Ankunft mit mir am Zielort in Basel, er müsse sich jetzt noch irgendwo einen Burger holen gehen. Tja, so gehts. Und wieder jemanden vom Zug fahren überzeugt, zumindest ab und zu.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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