Wieder mal Halbwissen... (Aktueller Betrieb)

patwet, Hagen + Südwest, Mittwoch, 06.08.2014, 19:28 (vor 4407 Tagen) @ ICE-T-Fan

Vielleicht hat er an eine Fahrzeugstörung geglaubt.

Stell dir mal vor, du fährst stundenlang gemächlich deine Runde und plötzlich hält dein Tfz an. Die meisten Menschen fragen sich eben nicht: Was habe ich falsch gemacht? Vor allem nicht mit langer Berufserfahrung. (Ich kenne kein EVU was mit 60 noch einen Tf frisch ausbilden tut.) Du denkst: Scheiß Technik! Schon wieder was kaputt! Also schnell die Befehlstaste gedrückt, sich keine weiteren Gedanken machen und weiter geht es. Diese Taste zu betätigen ist eine so alltäglich Bedienhandlung, dass sich nach jahrelanger Fahrt auf dem Führerstand keines Nachdenkens bedarf. Man überlegt nicht mehr: Was muss ich jetzt nun? Man tut es einfach, weil das Unterbewusstsein dieses Vorgang schon automatisiert hat. Man nennt soetwas auch schlicht und ergreifend Gewohnheit. ;)

Sorry, ICE-T-Fan, ich weiß, dass Du kein Betriebseisenbahner bist, aber halte Dich doch bitte mit Mutmaßungen und Halbwissen zurück. Die Befehlstaste wird zur erlaubten Vorbeifährt an Halt zeigenden Signalen verwendet, beispielsweise auf Befehl (daher der Name) oder Ersatzauftrag (kurz zusammengefasst). Ebenfalss eingesetzt wird sie bei der rangiermäßigen Vorbeifährt am Hp0. Das dies alltäglich während einer Zugfahrt stattfindet wäre mir neu. Ich mache es nicht täglich. Was Du meinst ist die Bedienung der Frei-Taste, eine Zwangsbremsung aufzuheben. Auch dies ist kein Automatismus. Wenn's hoch kommt, kommt ein guter Tf auf 1-2 ZB im Monat, danach kannst Du auch gerne beim Gruppenleiter mal vorsprechen, was Du da vorne genau die ganze Zeit treibst. Des weiteren ist eine ZB der Zugbeeinflussungssysteme schon relativ deutlich von einer normalen Störung zu unterscheiden, da sie auf den modernen Loks als Solche im Diagnosedisplay angezeigt wird. Ist dies nicht der Fall habe ich als Tf dies als ZB unbekannter Ursache aufzufassen und vom schlimmsten Fall (Zugtrennung mit Gefahr für das Nachbargleis auszugehen) und muss gerade deswegen anhalten und ggf. einen Notruf mit Nothaltauftrag absetzen.

Eben hier muss dieser Automatismus gebrochen werden, indem man eine Zeitspanne einbaut, sodass die Wirksamkeit der Befehlstaste / Störschalter eben nicht sofort greift sondern erst nach Minuten. Wertvolle Minuten in denen ein Mensch Zeit hat zu überleb,en, was da jetzt gerade schief läuft und warum es nicht im normalen Rhythmus vorwärts geht.

Das Füllen der HL eines Güterzuges reicht als Gedenkminute. Zum Vokabular s.oben.


Das ist meine Meinung dazu ohne den exakten Unfallhergang zu kennen. Einfach aus eigener Erfahrung im Umgang mit Technik.


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