Wie sich die Bahn den Bahnbetrieb vorstellt... (Allgemeines Forum)

bigbug21 ⌂ @, Stuttgart, Donnerstag, 22.05.2008, 14:26 (vor 4336 Tagen)

Hallo ICE-Fans,

es gibt Tage, an denen frage ich mich schon, wie sich so manche Mitarbeiter bei der DB AG den Eisenbahnbetrieb eigentlich vorstellen. Kürzlich war es wieder soweit.

Am 14. Mai hatte ich in Kassel-Wilhelmshöhe eine unzeitige Abfahrt eines Fernverkehrszuges erlebt. Bereits rund 75 Sekunden vor der im Aushangfahrplan angegebenen Abfahrtszeit gingen die Türen zu, rund 15 Sekunden vor der Zeit setzte sich der Zug in Bewegung.

Mehrere Reisende, die in dieser Minute noch einstiegen wollten, hatten Pech, denn auf Höhe der Treppe in KWH, wo die meisten Reisenden zum Bahnsteig gehen, stand kein Zugbegleiter. Entsprechend erbost waren die Reisenden, als sich der Zug in Bewegung setzte und sie nicht mitfahren konnten. Ich bin dann mit zum ServicePoint gegangen, um zu unterstreichen, dass hier tatsächlich -- was ja sehr selten vorkommt -- ein Fernzug unzeitig abgefahren ist. Dort konnten oder wollten die Mitarbeiter aber nicht weiterhelfen und verwiesen nur auf den nächsten Zug, in diesem Fall zwei Stunden später (Richtung Bebra).

Ich habe mir dann auf der Weiterfahrt die Zeit genommen, um den bahn.comfort-Service den Sachverhalt zu schildern. Was ich erlebt habe, war zwar kein Drama und ich war auch nicht selbst betroffen, aber ich fand schon, dass man die Zugchefin auf ihren Fehler aufmerksam machen und bei Wiederholungen Maßnahmen ergreifen sollte, um derartige Vorfälle zu unterbinden.

Zurück kamen dann ein paar allgemeine Zeilen vom bahn.comfort-Service, aus denen allerdings nicht hervorging, dass man mein Schreiben an den zuständigen Gruppenleiter weitergeleitet hätte. Ich schrieb darauf hin also nochmals eine Antwort und bat um Weiterleitung. Was ich tags darauf als Antwort vom bahn.comfort-Service bekam, hat mich ziemlich umgehauen:

Sehr geehrter Herr ...,

für Ihre E-Mail vom 14.05.2008 bedanken wir uns.

Ein Zug erhält den Abfahrauftrag dann, wenn die Abfahrtszeit erreicht
ist und keine Fahrgäste mehr ein- oder aussteigen. Ab diesem Zeitpunkt
darf aus Gründen der Sicherheit niemand mehr in den Zug einsteigen.
Auch dann nicht, wenn zwischen Abfahrauftrag und der tatsächlichen
Abfahrt noch eine Verzögerung eintritt und der Zugführer für sich
selbst eine Tür offen hält.
Der Zug kann sich jederzeit in Bewegung setzen.

Gestatten Sie uns in diesem Zusammenhang auch den Hinweis, dass
für den Triebfahrzeugführer die Uhr im Fahrzeug gilt.
In sehr seltenen Fällen kommt es vor, dass die Uhr des
Fahrzeugs und die Uhr des Bahnhofs minimal voneinander abweichen.

Ein Fehlverhalten seitens unseres Zugbegleitpersonals können
wir in dem von Ihnen geschilderten Fall nicht erkennen.

Wir danken Ihnen für Ihr Engagement und freuen uns,
Sie wieder als Gast in unseren Zügen begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen
....

Soso.

Neuerdings
- ist der Triebfahrzeugführer bei Personenzügen für die Abfahrtszeit verantwortlich
- gehen die (in der Regel ja sogar mehreren) Uhren auf Triebfahrzeugen sehr exakt, nur in sehr seltenen Einzelfällen gehen sie mal falsch
- gelten für Einleitung des Schließvorgangs keinerlei zeitliche Vorgaben mehr

Ganz davon abgesehen scheint man auch im zweiten Anlauf nicht verstanden zu haben, worauf ich eigentlich rauswollte.

Es ist schon interessant, wie man als Kunde immer wieder dem Laden das eigene Geschäft erklären muss...

Kopfschüttelnde Grüße aus Dresden
Peter

--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten


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