Nein - wir müssen das System einreißen und entschlacken. (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Freitag, 21.04.2023, 21:03 (vor 1083 Tagen) @ Pfälzer
bearbeitet von Der Blaschke, Freitag, 21.04.2023, 21:05

Hey.

Noch mehr Studenten, die dann weltfremd sind, weil ohne je unten praktisch an der Front gearbeitet zu haben, brauchen wir dagegen nicht.


In manchen Bereichen mag das schon zutreffen.

Gerade bei unserem Kernthema Eisenbahn ist das aber nicht immer der Fall. Das Stichwort lautet hier: Aus- und Neubauvorhaben von Eisenbahninfrastruktur. Diese Projekte - und seien es auch nur ein paar Kilometer neuer Strippe überm Gleis - sind mit extremen bürokratischen Aufwänden verbunden. Es ist schon "beeindruckend" was alles an Gutachten zusammen getragen werden muss und wie lange Beteiligungsprozesse andauern können*, bevor der erste Bagger rollen darf.

*Damit gemeint ist die Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange (z. B. Behörden) und betroffener Bürger in Planfeststellungsverfahren und vorgelagerten Planungsschritten. Die NIMBY-Klagen kommen dazu noch on top.

So kann es aber nicht weitergehen - weil nichts mehr vorwärts geht. Es wird immer mehr verwaltet und geplant - das Rad der Demokratisierung und Ökologisierung ist längst viel zu weit gedreht.

Es wird aber nicht weniger. Denn dann würden die Bearbeiter arbeitslos. Problem ist, dass das Gegenteil der Fall sein wird: die ganzen nachdrückenden Ausstudierten wollen auch Pöstchen haben. Der ganze Aufwand für 3 Kilometer Gleis wird also noch irrer werden. Die Aktenberge werden weiter wachsen. Gebaut wird immer weniger immer langsamer.

Nun gibt es gegen den Irrsinn nur eine Lösung; unsere Vorfahren lebten damit: regelmäßig muss alles in Schutt und Asche gelegt werden. Der dann notwendige Neuaufbau geht dann ratzfatz. Da fragt niemand, ob das eine Irreführung des Spechtes ist, wenn da wer Löcher in die Wand hämmert.

Früher gab es für sowas Kriege, Feuersbrünste und hin und wieder mal markante Naturereignisse. Schleswig-Holsteins Nordseeinseln sah vor 900 Jahren anders aus. Diese Natur-'Katastrophen', um die heute so ein Geschiss veranstaltet wird, sind gar nichts besonderes.

Nur ist das alles natürlich ein Problem: wer will schon freiwillig zurück ins temporäre Elend? Da braucht es Leute wie Putin. Wie schnell reparierte die Ukraine zerstörte Infrastruktur. Jetzt will man ca binnen Jahresfrist alles russischnamige ausmerzen und umbenennen. Eine Umbenennung bekommen wir hier nach Jahrzehnten nicht mal beim Hindenburgdamm hin.

Kurzum: du hast in gewisser Weise natürlich Recht - die zunehmenden Aufgaben erfordern mehr Personal. Nur werden dadurch die Aufgabenstellungen immer weiter ins Uferlose erweitert. Bis irgendwann nichts mehr geht: hat man alle Aufgaben erfüllt, muss man von vorne anfangen, weil sich die Grundvoraussetzungen geändert haben: neue Verkehrsprognosen, ausgestorbene Tierarten, weiterentwickelte Technik. J-C wird für immer Arbeit haben - nur erschaffen werden wird nichts mehr.

Also: Wir brauchen dringend Handwerker, Pflege- und Reinigungskräfte, Lkw-, Bus- und Straßenbahnfahrer, Tf, Mechaniker, Techniker, Macher, Praktiker

Die sind heute schon nicht genug da - und werden es auch in Zukunft nicht. Wenig läßt sich so exakt vorhersagen wie die demographische Entwicklung. Wir werden weniger - und ab ca 2080 sinkt die Weltbevölkerung insgesamt.

Wo sollen all die o.g. Berufsgruppen herkommen - wenn der geringer werdende Nachwuchs immer mehr dem Studium frönt.

Einzige Hoffnung ist da sowas wie KI, Automatisierung und Co. Der Bahnkunde wird in gar nicht so ferner Zeit dankbar sein, dass der Zug keinen Lokführer mehr braucht - weil das die einzige Chance ist, dass überhaupt ein Zug verkehrt.


Schöne Grüße von jörg


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