[DE][CH] Aktuelle Erfahrungen (m. B.) (Reiseberichte)

MC_Hans, 8001376, Donnerstag, 04.08.2022, 22:33 (vor 14 Tagen) @ ktmb
bearbeitet von MC_Hans, Donnerstag, 04.08.2022, 22:36

Ein sehr netter Artikel, danke für den Link, Jörg!

Der Zauber des TGV
Es grenzt an Zauberei, aber Bahnfahren geht noch einfacher, denn es gibt einen Trick, das Fahrrad zum Handgepäck werden zu lassen. Dann ist es kein Fahrrad mehr und kann überallhin mitgenommen werden. Im In- und Ausland. Für mich ist es die Königsdisziplin des Radreisens.

Mit einer solchen Tasche, wie im Artikel beschrieben, bin ich zwar noch nicht verreist, dafür in diesem Jahr zum ersten Mal mit einem Hartschalenkoffer, der die gleiche Aufgabe erfüllt, und das einigermaßen robust. Das ganze Zubehör wie Helm, Flaschen, Schuhe, Werkzeug etc. passt locker mit rein und ist sehr gut geschützt (muss nicht im Rucksack verstaut und getragen werden). Dazu einen Satz Spanngurte und die Reise gen Süden kann losgehen.

Gut: Viele Nahverkehrszüge haben mittlerweile Mehrzweckbereiche mit ausreichend Anschlagpunkten für Fahrräder und die Spanngurte.
Nicht so gut: Auch die Mitreisenden rüsten kräftig auf und nehmen ihre 35kg-Pedelecs mit auf Reisen. Und dabei mindestens genauso risikofreudig wie unerfahren, steigen sie nach mir zu und haben keine Spanngurte dabei...
Die Abhilfe: Ein mitleidiger Blick und den einen letzten ungenutzten Spanngurt großzügig an den Meistbietenden ausleihen.

Gut: Umstiege lassen sich mit mindestens 15 Minuten planen und man kann vorab prüfen, dass der Umsteigebahnhof einen Fahrstuhl aufweist.
Nicht so gut: Ausgerechnet am Reisetag ist dieser hier wegen Reparatur außer Betrieb.
Die Abhilfe: Der Mitreisende, dem man vorhin den Spanngurt für das E-Monster geliehen hat, kann mit anpacken und den Koffer mit mir über die Treppenstufen wuchten.

Gut: Auch ohne gebuchten Stellplatz im ICE sollte man sich überlegen wo man einsteigt. Also eine Reservierung im Endwagen 2. Klasse sichern (alternative Empfehlung: Wagen 9!!!) und den Koffer-Parkplatz im Fahrradabteil an der Wand neben den Klappsitzen klarmachen - wer braucht heute schon eine Stellplatzreservierung?
Nicht so gut: Das mit der Reservierung dachte sich auch der Mitreisende mit dem Klapprad. Das kann man sehr klein zusammenfalten und im Gepäckregal verstauen ODER ABER in zusammengeklapptem Zustand(!) am letzten freien Stellplatz mit einem Schloss anschließen. Die Dame, die wegen Zugausfall auf meinen ICE ausweichen muss und mit Fahrrad zusteigt, fasst sich an den Kopf.
Die Abhilfe: Irgendwann ist das Zugpersonal da und macht den zuständigen Klappskalli ausfindig - Situation gelöst.

Gut: Das Fahrrad als Transportmittel wie auch als Gepäckstück ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Nicht so gut: Die jung gebliebene Mittfünfzigerin mit Funktionskleidung und den schweren Ortliebtaschen ist im Fahrradabteil "zugeparkt" worden - den nötigen Sicherheitsradius von 2 m ringsum hat kein anderer, noch so unwichtiger Mitreisende eingehalten und auf engem Raum rangieren hätte doch mehr Übung vorab erfordert.
Die Abhilfe: Ruhe bewahren, die kommt schon zurecht. Wer ernsthaft Hilfe braucht, wird sich melden.

Gut: Der ICE schafft es pünktlich bis Basel Bad
Nicht so gut: Polizeiliche Ermittlungen verzögern die Weiterfahrt in Basel Bad um fast 30 Minuten.
Auch nicht so gut: Statt bis Zürich fährt der Hobel heute nur bis Basel SBB und der Umstieg ist in Gefahr (https://www.ice-treff.de/index.php?mode=entry&id=660514).
Die Illusion, dass der SBB-Ersatzzug doch erreicht werden kann, platz wie eine Seifenblase.
Gar nicht gut: In Basel SBB von Gleis 3 auf Gleis 10 innerhalb von 8 Minuten mit 300 anderen Umsteigewilligen und Großgepäck über die Rolltreppen umsteigen.
Die Abhilfe: In letzter Sekunde vor Abfahrt einfach an irgendeiner Tür des IC2000 nach Zürich einsteigen. Koffer parken und sichern. In der ersten Klasse ist noch viel Platz und heute wird nicht kontrolliert.

Gut: Auch der Giruno von Zürich nach Lugano verfügt über ein Mehrzweckabteil. Der Zug wird leer in Zürich bereitgestellt. Einsteigen, einparken und Koffer mit Spanngurten sichern, Abfahrt. Nie war Reisen einfacher.
https://www.ice-treff.de/index.php?mode=entry&id=656302
Nicht so gut: Das WC im Wagen ist direkt im Sichtfeld, Taubenschlag-Feeling ist vorprogrammiert. Dazu ist es defekt. HALLO?! SBB?! einself
Die Abhilfe: Getränk im benachbarten WR holen und dem Schauspiel genüsslich zusehen. Dann: Anfangen Wetten abzuschließen, wie lang der jeweilige Bedürftige braucht, auf das "Defekt"-Schild zu stoßen und wie oft er bis dahin auf den Türöffner gehämmert hat. Wetteinsatz: Aperol Spritz (viel).

Gut: Am Bahnhof Lugano umsteigen. Das muss der Himmel des barrierefrei Reisenden sein.
Nicht so gut: Dieser Minikasten nennt sich Schließfach? Wo stellt man in der Wartezeit sein großes Möbel unter?
https://www.ice-treff.de/index.php?mode=entry&id=657476
Die Abhilfe: Im waghalsigen Feierabendverkehr die Straße queren. Gegenüber vom Bahnhof im AnaCapri einkehren und dort die gewonnene Wette einlösen. So lässt es sich die nächsten 80 Minuten aushalten.

Gut: Nur noch eine Verbindung muss heute gutgehen, dann ist man am Ziel im Hotel.
Nicht so gut: Die Verbindung ist ein Bus - hochflurig. Gepäckmitnahmemöglichkeiten höchst fragwürdig. Vorab lässt sich online herausfinden, dass keine Fahrräder mitgenommen werden.
Die Abhilfe: Kein Gewinn ohne Risiko - doch wer zuerst kommt, hat die besseren Chancen. An der Starthaltestelle einsteigen und so tun, als wäre man der normalste Reisende auf der Welt. Es geht erstaunlich viel hinein und Hochstapelei ist manchmal doch eine Tugend. Die Fahr- und Hupkünste des italienischen Fahrers genießen und - sehr wichtig: erst dann aussteigen, wenn das eigene Gepäck von den Mitreisenden vorab wieder freigelegt wurde. Wo ist mein Spanngurt?

Gut: Italienurlaub zwischen Comer See und Luganersee mit dem Lieblingssportgerät
Nicht so gut: Auch auf 1300 m Höhe hat es dieser Tage noch 29 °C im Schatten. Puh!
Die Abhilfe: Aufsitzen und die Abfahrt genießen!


Mein Reisegepäck:
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Freier Parkplatz für meinen Koffer im ICE 4, rechts vor den Klappsitzen:
https://www.vagonweb.cz/fotogalerie/foto/201902/IMG_20190503_194755.jpg

Dolce Vita im AnaCapri, Lugano:
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Ausblick vom Balcone d'Italia in 1314 m Höhe:
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Und damit wünsche ich allen Radlern und sonstigen Reisenden viel Erfolg und allzeit gute Reise, danke für's Lesen :)


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