@Arctocebus: Einige Bilder zur Einflottung des ICE 1 (Allgemeines Forum)

GUM, Samstag, 18.06.2022, 10:55 (vor 8 Tagen) @ Arctocebus
bearbeitet von GUM, Samstag, 18.06.2022, 10:58

Hallo Arctocebus,
hallo Community,

herzlichen Dank für Deine Frage. PDF-Datei gibt es leider keine, denn wir befinden uns Anfang der 90 er-Jahre. Deshalb einige Bilder der Broschüre mit Anmerkungen von mir.

Die DDR und die ehemalige Bundesrepublik Deutschland waren gerade nach der ersten von zwei friedlichen Revolutionen verschmolzen, die Aufbruchstimmung erfasste das Land. Der ICE1 war ja schon vorher geplant gewesen, um die Wirtschaftszentren Hamburg, Hannover, Fulda, Nürnberg und München über eine NBS miteinander zu verbinden.

Visualisieren wir doch anhand einiger Bilder einmal, wie ein Zeitzeuge die damalige Umstellung auf das neue Flaggschiff erleben knnte. Auch wenn man damals sicherlich nicht von "Einflottung" gesprochen hat könnten Broschüren, Vorgehensweisen und Ideen nahezu eine perfekte Blaupause sein.

Starten wir also durch in das neue "Raumschiffzeitalter" der Bahn.

Der Claim der Broschüre:
"13.000 PS, 0,2 cw, 0,00 CO" ist schon eine sehr frühe Inkarnation des später gewählten Mottos "Die Bahn ist grün".

Manche Dinge werden enger, wenn sie schneller werden.... wurde von den Machern der Bahn unter einem Foto getextet. Bei dem man gar nicht glauben konnte, dass dies die 2. Klasse sein sollte.

Spielt in humoristischer Weise auf die Zuffenhauserner Sportwagen mit 2 Sitzen plus 2 Notsitzen an. Oder ein Überschallflugzeug, dessen Sitzabstand und -breite heute wohl eher als World Traveller Plus/Premium Economy durchgehen würden.

Doch nun ein paar Bilder aus der Broschüre, sozusagen als wertvolle Nahrung für das Nachdenken.
[image]
B-Wagen des ICE 1 zum Zeitpunkt der Einflottung

Aus der Erinnerung kann ich ergänzen, dass dies ein unglaublicher Meilenstein neuen Komfort war. Sehr gute Polsterung, dicke Rückenlehne und ein neigbarer Sitz stellten damals eine Innovation dar, so dass man fast schon von "Sesseln" oder "Fauteils" sprechen könnte. Dieser Waggon in eher rot und dunkel gehaltenen Tönen befand sich meiner Erinnerung nach in Richtung Zuganfang, niedrigere Waggon Nummern. Denn dessen Design näherte sich schon sehr den beiden Raucherwggons an. Einheller Innenraum erinnerte an Flugzeugen, die Gepäckablagen verstärkten diesen Eindruck.

Jeder Waggon hatte einen Großraum einige Abteil und die in der Schweiz so beliebten vis-a-vis Sitzgelegenheiten - hier mit Tisch.

Die Broschüre war vom Text und den Boldern her liebevoll gestaltet. Die ganze Wucht des Komfortts, der auf die Passagiere wartete, zeigt sich auch in einer Abbildung des "blauen" B-Waggons. Die damalige Fototechnik nutzte wohl zudem ein 24mm-Weitwinkelobjektiv und eine lange Belichtungszeit, um diese Darstellung zu erreichen.

Der "blaue" B-Waggon war ein sehr schönes Fahrzeug. Werft selber einen Blick darauf:

Abbildung des blauen B-Waggons, bitte auch den Text beachten

Ein weiteres Highlight war der Speisewagen, der innerhalb der Raumbegrenzungen die Gestaltungsmerkmale von hochwertigem Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie übernahm. Das "Gefühl von Raum" wird hier unter anderem durch die Raumhöhe erreicht, aber auch die Holzelemente zwischen den Sitzgruppen.

Neben einem Bild des ganzen raumgefühls zeigt die Broschüre auch ein reichhaltiges Frühstück und - ein Kännchen Kaffee. Natürlich verstehe ich, dass dieses zusammen mit einer Tasse "4" Plätze in einem Geschirrspüler einnimmt, der "Kaffeepott" nur einen. Ob es aber darauf ankommt?

Sehen wir uns das damalige Frühstück, was wirklich so serviert wurde, einmal an:

Frühstück bei Tempo 280 - WOW


Der ICE 1 feierte auf seine Art die auch im InterRegio genutzten Farben und Designelemente in einer ganz anderen, neuen Art.

Alle Passagier und Mitarbeiter merkten, dass das neue Jahrtausend fast unmittelbar bevorstand und das "Unternehmen Zukunft" erstmals nach Einführung von Tempo 200 zur internationalen Verkehrsausstellung und mit dem in Kleinserie produzierten 403er zu einem Quantensprung ansetzte.

Und es war auch ein Fahrzeug mit bahnbrechender Konnektivität. Mit Fax und Telefon an Bord war es eine Inkarnation der Moderne.

Die (geringe) Anzahl der Sitzplätze sorgte dafürm dass jeder Fahrgast dieses Raumgefühl auch erleben konnte.

Der Quantensprung war auch deshalb gefühlt sehr groß, weil es in der 2, Klasse Flotte des "IC 79" meinem subjektiven Empfinden nach noch sehr viele nicht komfortgesteigerte B-Waggons gab und das was später der B-Service wagen werden sollte noch nicht so verbreitet war.

Ich hoffe der Beitrag gibt einen kleinen Beitrag in das Gefühl des damaligen "Quantum Leaps" bei der Inbetriebnahme des ICE 1.

Liebe Grüße

GUM

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