Was kommt eigentlich nach dem ICE-T? (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Montag, 18.04.2022, 14:48 (vor 1445 Tagen) @ gnampf

Hoi,

Es gibt noch eine Strecke, wo aktive Neigetechnik im Fernverkehr eingesetzt wird: zwischen München und Lindau bzw. weiter nach Zürich. Aber dort fahren die angesprochenen Pendolinos - Bildern zufolge verirrt sich einstweilen sogar ein Pendolino der italienischen Bahn bis nach München.

Diese Bilder können keinen Zusammenhang mit den EC Zürich-München haben. Es ist schlicht nicht möglich, dass sich ein ETR 610 von Trenitalia auf diese Linie verirrt.

Zum einen sind die ETR 610 gar nicht für Österreich ausgerüstet und zugelassen, die Linie St. Margrethen - Lindau könnte also gar nicht im planmässigen Betrieb befahren werden, und zum anderen sind das völlig unabhängige Umläufe, die nicht kurzfristig in Zürich abgetauscht werden könnten, womit die Anbindung an den Unterhalt in Milano problematisch wäre (die SBB Astoro sind in Basel im Unterhalt).

Und von Seiten der DB wäre da wohl nichts in der Art gefahren. Die T waren den Schweizern ja auch wohl nicht fein genug.

Das war nicht der Grund. Es sind zwei andere Gründe:

1.) Es werden im Schweizer Teil der Linie mehr Fahrzeuge benötigt, weil hier wegen des höheren Fahrgastaufkommens teils auch Doppeltraktionen geführt werden müssen. Dieser Überhang an benötigten Fahrzeugen auf einer Hälfte der Linie lässt es logisch erscheinen, dass die Fahrzeuge für die gesamte Linie auch von dieser Seite aus gestellt werden, also von Schweizer Seite. Mit ICE-T wäre es von der betrieblichen Organisation viel umständlicher geworden.

2.) Für die Nachfrage in der ersten Klasse ist der ICE-T für diese Linie absolut ungeeignet. Es hat viel zu wenig Sitzplätze in der ersten Klasse (nur 53), ein Astoro hat ca. doppelt so viele pro Einheit (108). Die zweite Klasse beider Zugtypen ist fast identisch, 304 im ICE-T vs. 296 im Astoro.
Klar ist der Astoro dichter gepackt, aber es braucht diese Anzahl Sitzplätze und Doppeltraktionen lässt die limitierte Infrastruktur im Allgäu nicht zu. Während Spitzenzeiten zwischen Zürich und St. Gallen würde auch eine 411-Doppeltraktion nicht genügend Sitzplätze in der ersten Klasse bieten (nämlich dort, wo EC 197 Zürich-St. Gallen in Doppeltraktion 216 Sitzplätze in der ersten Klasse bietet und 592 in der zweiten Klasse; die zweite Einheit fährt dann St. Gallen-Bregenz leer weiter und wird dann in Bregenz abgehängt, da der Zug sonst zu lang für den deutschen Abschnitt wäre).

Die Frage kann wohl erst in Jahrzehnten qualifiziert beantwortet werden. Man sieht ja schon am ICE 1, dass es seeehr lange dauern wird, bis man sich final von einer ICE-Baureihe trennt.

Ich weiss nicht, wie hier geplant wird. Aber ein möglicher Verzicht auf Neigetechnik beim ICE-T-Ersatz müsste schon vorher feststehen, um Angebotskonzepte schon frühzeitig für ein mögliches Szenario ohne neigetechnikfähiges Rollmaterial zu entwickeln.

Für den EC (Genève-)Zürich-München zum Beispiel haben die SBB verschiedene Varianten bezüglich des Rollmaterialkonzept im Horizont des Angebotsschritts 2035 mit Durchbindung über Zürich hinaus in Entwicklung. Wegen der hohen Schweiz-Lastigkeit wird hier das Rollmaterial auch künftig durchgehend von den SBB gestellt werden, aber ab 2053 ff eher nicht mehr mit Astoro.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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