Ich glaube, da gehört mehr dazu (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Mittwoch, 13.04.2022, 11:59 (vor 1456 Tagen) @ GUM
bearbeitet von J-C, Mittwoch, 13.04.2022, 12:04

Und wenn ich hier und jetzt sage, ich glaube, dann weiß ich es und wenn ich sage, ich weiß es, kann ich mal eben ein paar Belege dazuliefern.

Denn was macht so ein Abgeordneter wirklich? Im Bundestag rumsitzen und hin und wieder nette Sprüche klopfen?

Oder steckt da mehr hinter?

Finden wir es heraus!
Exhibit A

Abgeordnete sind ihre eigenen Chefs, nur ihrem Gewissen verpflichtet. Wirklich frei können sie aber nicht über ihre Termine entscheiden: Mindestens 20 Wochen im Jahr müssen sie in Berlin sein. Dort hasten sie zu Ausschuss-, Fraktions-, Arbeitsgruppen- und Plenarsitzungen, besuchen Fachkonferenzen, reden mit Journalistinnen oder betreuen Besuchergruppen. Die Wochenenden und sitzungsfreien Wochen verbringen sie meist in ihrem Wahlkreis: Besuche auf dem Schützenfest, Kirchweih, Reden an Feiertagen oder auf Parteitagen. Wer wiedergewählt werden will, muss sichtbar sein.
[…]

Im Gespräch mit dem SPIEGEL geben alle Parlamentarier an, mindestens 60 bis 80 Stunden in der Woche gearbeitet zu haben. »Ich finde es schon physisch grenzwertig, von morgens ab sieben Uhr bis nachts um zwei Uhr an Sitzungen teilzunehmen«, sagt CDU-Politikerin Michaela Noll, die seit 2002 im Bundestag saß. Der ehemalige AfD-Abgeordnete Roman Reusch erzählt, für Sport habe er schlichtweg keine Zeit mehr gehabt.
[…]

Andererseits: Von den Diäten der Abgeordneten können viele Arbeitnehmer nur träumen. Auch im Gespräch betonen viele, sie wollten sich auf keinen Fall beschweren. Zusätzlich werden die Parlamentarier mit einer BahnCard 100 für die 1. Klasse ausgestattet, sie verfügen über einen Fahrdienst und einen Stab an Mitarbeitenden. Darf man für diese finanziellen Bonbons nicht auch mehr von Abgeordneten erwarten? Politikerin Noll sieht das anders: »Ohne diese Hilfsmittel, ohne den Fahrdienst und meine drei Mitarbeiter in Berlin und im Wahlkreis hätte ich dieses Pensum doch gar nicht schaffen können.«

Schon mehrfach hat der Bundestag versucht, die Tagesordnungen zu entzerren – allerdings nicht immer erfolgreich: In der Vergangenheit sollte beispielsweise der lange Donnerstag gekürzt werden, an dem die Parlamentssitzungen meist bis tief in die Nacht dauern. Stattdessen sollte es am Mittwoch länger gehen, vom Nachmittag bis in den Abend. Die Konsequenz: Beide Tage wurden lang.

Es scheint Volkssport sein, sich über Politiker lustig zu machen, aber ich bin der Meinung, dass das eben keine faulen Säcke sind, wie am Stammtisch vielleicht postuliert sind, sondern diese sich darum kümmern, dass das Land handlungsfähig bleibt und die Maschinerie der Demokratie vernünftig läuft. Ansonsten, wenn du es für so einfach hältst, kannst du doch selbst es versuchen. Trete einer Partei bei, kandidiere für die Wahl. Es ist doch alles so easy, wär doch ein super Ding für dich, später hast du ja was tolles im Lebenslauf stehen.

Vielleicht willst du aber keinen Burnout erleiden

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum