determinierte Umläufe führen zu determinierten Ausfällen (Aktueller Betrieb)

Eingleisigkeit, Dienstag, 12.11.2019, 17:27 (vor 2548 Tagen) @ Crusuader9999
bearbeitet von Eingleisigkeit, Dienstag, 12.11.2019, 17:30

Hallo Crusuader9999,

also grundsätzlich hat RhBDirk schon die richtige Antwort gegeben: Die Anzahl der verfügbaren Fahrzeuge deckt leider schon seit Wochen nicht die Anzahl der benötigten Fahrzeuge ab.

In einem solchen Fall gibt es eigentlich nur 2 Möglichkeiten:
1) neue Fahrzeugumläufe mit weniger Standzeiten planen
2) Fahrzeugumläufe ausfallen lassen

Beides machen die Kollegen in der Fahrzeugdisposition. Durch weitere Beschränkungen (z.B. Auslandsfähigkeit, ETCS-Fähigkeit oder Ausbildung des eingesetzten Personals) lässt sich aber nicht für jeden Ausfall dieselbe Methode anwenden.

Ein Beispiel für Variante 1) ist die außerplanmäige Wende von ICE 78 auf ICE 79 in Hamburg. Normalerweise sollten hier zwei verschiedene ICE 1-Züge zum Einsatz kommen. Bei Fahrzeugmangel fährt der schweiztaugliche ICE aus Zürich aber direkt in Hamburg-Altona wieder zurück nach Zürich. So spart man sich das zweite Fahrzeug für den Einsatz auf einer anderen Linie.

Wenn man die Umlaufpläne nicht mehr enger stricken kann oder will, muss man ganze Züge ausfallen lassen. Dafür nehmen die Disponenten am liebsten einen kompletten Umlauftag, also alle Züge, die ein Fahrzeug an diesem Tag fahren sollte.
Dann können alle anderen Umläufe unverändert weiterfahren.

Die Züge, die ein Fahrzeug an einem Tag fahren soll, nennt man Leistungskette. Damit der restliche Plan möglichst stabil weiterläuft, lässt der Disponent am liebsten solche Leistungsketten ausfallen, die am wenigsten Fahrgäste befördern und abends dort enden, wo sie morgens losgefahren sind. Ansonsten stimmt der Umlauf ja auch am Folgetag nicht mehr.

Durch diese Prämissen trifft es leider immer dieselben Leistungsketten:
711 -> 710
817 -> 814
925 -> 776 -> 928 (Folgetag)

Man könnte die Züge mittlerweile schon als "optional" in der Reiseauskunft markieren. Dafür gibt es allerdings andere Züge, die (umlaufbedingt) sehr stabil verkehren. Zum Beispiel der ICE 523 morgens in Doppeltraktion oder der ICE 816 nachmittags retour.

Objektiv muss man also sagen, dass unter den gegebenen Umständen die Disposition schon so gut wie möglich ist. Offen bleibt die Frage, warum die Flotte inkl. Reserve im Fernverkehr grudsätzlich nicht ausreicht, das versprochene Leistungsvolumen zu fahren. Dafür fehlt mir leider auch die generelle Antwort, ich verstehe es einfach nicht.

Beste Grüße
Eingleisigkeit


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