Fernverkehr: Halt in der Innenstadt, oder doch am Stadtrand? (Allgemeines Forum)

Hustensaft, Freitag, 08.03.2019, 17:15 (vor 2593 Tagen) @ Oscar (NL)

Die ganze Diskussion vergisst die Bedürfnisse des Fahrgastes:
Der will möglichst bequem und mit wenigen Umstiegen ans Ziel kommen - und wenn er umsteigen muss, soll das möglichst bequem sein.

Beispiel Frankfurt Süd:
Entgegen häufiger Behauptungen ist Frankfurt Süd ziemlich unpopulär. Nicht nur, dass die Bahnsteige eng, die Überdachung kurz und Treppenplatz knapp ist, auch Anbindung und Umstiege sind suboptimal. Die U-Bahn fährt nur in Richtung Norden, wer nicht entlang dieser Strecken wohnt, muss noch einmal umsteigen (das ist ohnehin ein großes Problem in Frankfurt). Die S-Bahn fährt, aber in einem großen Bogen und erfordert einen Bahnsteigwechsel, also Treppe runter, rüber und wieder rauf, was übrigens auch für fast alle Anschlüsse an den sonstigen Regionalverkehr gilt. Zusatz Regionalverkehr: In einer halben Stunde gibt es viele Anschlüsse, in der nächsten halben Stunde fast keine; je nachdem, wie (pünktlich) ein Zug ist, ist auch das nicht attraktiv.

Beispiel Kassel-Wilhelmshöhe:
Hier verkehren viele Bus- und Straßenbahnlinien, was schon mal ein Vorteil ist, aber auch hier geht es nicht in alle Richtungen. Die Anbindung des Hauptbahnhofes und der Innenstadt ist entweder von der Taktfrequenz oder der Fahrzeit her unattraktiv. Die Örtlichkeit selbst ist zu nahezu jeder Jahreszeit ungemütlich, der bereits zitierte "Ehrentitel" (Palast der Winde) ist mehr als zutreffend.

Merke: Bahnhöfe in Randlage sind wahrlich nicht das Gelbe vom Ei.

Aber auch Innenstadtbahnhöfe haben Tücken, wobei diese in der Regel aber daraus resultieren, dass das historisch gewachsen und nie wirklich angepasst wurde.

Beispiel Hamburg Hbf:
Hier kommt man wirklich in fast alle Richtungen weg, wobei die Anschlüsse insbesondere zur U-Bahn wahrlich weder übersichtlich noch barrierefrei sind und der ZOB ein gutes Stück entfernt ist. Nicht umsonst halten viele Züge auch in Harburg und am Dammtor. Was dem Hauptbahnhof fehlt sind effektive Abstellmöglichkeiten (Gleisvorfeld) und eine leistungsfähige Verbindungsbahn, von der Problematik Gleis 8 als einzige Möglichkeit aus Richtung Nordost in Richtung Süden zu kommen ganz abgesehen. Der Neubau zweier Gleise für die S-Bahn ist kapazitätsmäßig schon lange aufgebraucht und die beiden Stege vollkommen überlastet, was aber auch daran liegt, dass man sich von den lukrativen Mieteinnahmen für viele Geschäfte nicht trennen will.

Beispiel Frankfurt Hbf:
Hier kann man zumindest bahnintern barrierefrei umsteigen, nur der U-Bahn-Anschluss ist seit 1978 (Einstellung der Linien A3 und A4) nicht mehr optimal. Im Gleisvorfeld und bei den Zuläufen gibt es Engpässe, aber insgesamt ist die Situation gar nicht schlecht.

Dabei gibt es auch Innenstadtbahnhöfe, bei denen es richtig gut läuft, beispielsweise seien Bremen, Würzburg und Nürnberg genannt. Natürlich kann man sich auch dort einige Verbesserungen vorstellen und betrieblich ist manch Wunsch offen, aber hier wäre jegliche Verlagerung definitiv eine schlechte Idee.

Endergebnis:
Bahnhöfe in der Innenstadt haben regelmäßig massive Vorteile und sollten daher erhalten und wo möglich (auch betrieblich) optimiert werden. Frage am Rande: Warum bloß hat die DB für viel Geld Berlin Hbf gebaut? Mit Ost, Zoo etc. hätte es durchaus andere Möglichkeiten gegeben.


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