Fernverkehr: Halt in der Innenstadt, oder doch am Stadtrand? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 08.03.2019, 12:03 (vor 2587 Tagen)

Hallo ICE-Fans,

vor einigen Jahren fuhr der Berlin-Amsterdam-IC nicht nach Amsterdam Centraal, sondern nach Amsterdam Zuid und weiter nach Schiphol (s.i.w. einiger Zeit sogar weiter nach Den Haag).
Das wurde aber ziemlich rasch rückgängig gemacht, weil die Reisenden lieber in der Innenstadt von Amsterdam sein möchten, statt am Stadtrand.

Das war aber in einer Zeit, als es die Nord-Süd-Stadtbahn / Metro 52 noch nicht gab. Jetzt wenn diese vorhanden ist, gibt es bei uns die Diskussion, sämtliche Fernzüge (Thalys, e320, Berlin-IC, ICE International, ggf. nightjet?) nach Amsterdam Zuid zu schicken.

Argumente dafür:

1. Reiseziel ist Innenstadt, nicht irgendwelcher Bahnhof (das ist eher etwas für Bahnfans). Auch wenn man nach Amsterdam Centraal reist, dauert es ein bisschen bevor man die Innenstadt erreicht hat. Manchmal ist es schneller, nach Amsterdam Zuid zu reisen und dort auf die Metro 52 umzusteigen.
2. Amsterdam Zuid und Schiphol bieten Umsteigeverbindungen die Amsterdam Centraal nicht anbietet, z.B. "IC" nach Zwolle/Groningen/Leeuwarden (weniger ein Thema wenn man von Berlin kommt, eher von Brüssel kommend).
3. Amsterdam Zuid ist ein mehr überschaubarer Bahnhof als Amsterdam Centraal.
4. Nicht-haltende Züge können am Stadtrand schneller vorbeifahren als durch einen Hauptbahnhof in der Stadtmitte. OK, betrifft Amsterdam weniger, dafür aber deutsche Städte.

Argumente dagegen:

1. Bahnhofsfeeling. In Amsterdam Centraal wird man als Fahrgast empfangen, in Amsterdam Zuid als Beförderungsfall abgeliefert. Allerdings sieht man die schöne Fassade erst wenn man den Bahnhof verlassen hat.
2. Amsterdam Centraal bietet Umsteigeverbindungen die Amsterdam Zuid nicht bietet, z.B. nach Haarlem, Alkmaar und Den Helder.
3. unbekanntes Zugziel: Schiphol kennt keiner, Amsterdam aber schon. Kann man aber leicht lösen = umbenennen nach "Amsterdam Airport (Schiphol)".

Jetzt stelle ich mich die Frage: ist es, in einer Zeit in der man gerne schneller fahren möchte, nicht besser, am Stadtrand zu halten statt in der Innenstadt?
Konkret: nicht Mannheim Hbf oder Heidelberg Hbf, sondern "Mannheim/Heidelberg ICE"?

1. die Korrespondenz Frankflug/Frankfurt - Karlsruhe/Stuttgart kann in "Mannheim/Heidelberg ICE" stattfinden. Meinetwegen halbstündlich. Entlastet damit MA Hbf.
2. MA Hbf und HD Hbf kann man nach wie vor mit IC-Zügen anbinden.
3. MA Hbf und HD Hbf sind ab "Mannheim/Heidelberg ICE" mit RE/S oder meinetwegen Trambahn erreichbar; man kommt dank feiner verteilter Haltestellen ggf. näher zum Ort wo man wirklich sein möchte.
4. nicht-haltende Züge können mit Streckengeschwindigkeit vorbeifahren und brauchen nicht durch MA Hbf oder HD Hbf zu schleichen.
5. "Mannheim/Heidelberg ICE" durfte näher an den Autobahnen liegen; man kann also von der Gegend den Bahnhof leichter erreichen, das Auto am Ortsrand stehen lassen und die Innenstädte von Autofahrten befreien.
6. durchgehende Neubaustrecken ausserhalb der Städte ermöglicht Verbannung von schallreichen Güterzügen und Gefahrgüterzügen aus den Innenstädten. Kommt also Ruhe und Sicherheit zugute. Im Strassenverkehr funktioniert das ja auch; es fahren hier keine Gefahrgut-LKWs kreuz durch Eindhoven.
7. "Mannheim/Heidelberg ICE" durfte bahntechnisch einfacher sein = weniger Weichen. Man kann also mit dem haltenden ICE schnell rein und schnell wieder raus.
8. "Mannheim/Heidelberg ICE" durfte überschaubarer sein = man findet sein/ihr Gleis einfacher, Fahrgastwechsel kosten vermutlich auch weniger Zeit. Zwei Bahnsteige sollten dem Fernverkehr reichen, einer pro Richtung.
9. Umstiege von "Mannheim/Heidelberg ICE" Richtung Umfeld kann man dadurch verbessern, dass Regios, die in Mannheim (Heidelberg) enden, nach Heidelberg (Mannheim) weiterfahren.
10. wenn man doch ohne Widerrede halten muss ("Rhein/Neckar zu wichtig"), geht das immer noch. Aber wenn man irgendwann doch der eine oder andere Zug ohne Halt vorbeifahren lassen möchte (meinetwegen ein Cargo-ICE), ist die benötigte Infra schon da.

Gegenargumente:

1. es gibt auch Ost-West Fernverkehr in Mannheim, nämlich der ICE/TGV nach Paris. Dieser muss man irgendwie vernünftig an die Rennbahn anbinden, und ich sehe zur Zeit nicht wie man dass am besten macht.
2. ein Fernzug Saarbrücken-Stuttgart-München würde nicht an "Mannheim/Heidelberg ICE" vorbeikommen (weil ja via Pfingstbergtunnel geleitet) und kann somit nur in MA Hbf Umstiege erstellen. Alternative wäre Streckenführung via Heidelberg, aber das dauert länger als die Direktverbindung, weil man erst bei Bruchsal auf die Rennbahn kommt.
3. zwar kann man "Mannheim/Heidelberg ICE" als Turmbahnhof bauen, aber dann sind Umstiege zwischen MA-HD Fernverkehr und die Nord-Süd-Strecke garantiert nicht ebenerdig.

Dennoch denke ich, dass diese Nachteile eher im Korb "man kann es nicht allen Recht tun" gehören und summa summarum die Vorteile von "Mannheim/Heidelberg ICE" ausschlaggebend sind.

Wie seht Ihr das?


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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