Anno 1977... (Allgemeines Forum)

moonglum, Hagen, Montag, 24.03.2014, 19:49 (vor 4406 Tagen) @ Johannes85
bearbeitet von moonglum, Montag, 24.03.2014, 19:50

Ich wurde Augenzeuge des großen Crashs in Opladen am Abend des 28.3.77, als der D 840 auf eine auf dem Haupt-Gleis in Richtung Köln stehende 110 krachte.

Wir standen wenige Minuten nach dem Big Bang mit dem D 510 nach Hagen vor dem Ausfahrsignal von Schlebusch vor HP0.
Nach 40 Minuten kam eine 212, nahm uns an den Haken, zog uns nach Opladen, wo uns allen fast das Herz stehen blieb.

Es war ein unglaubliches Chaos auf der Empfangsgebäudeseite des Bhf.:
Hochgewuchtete, zerfetzte erste Wagen, die gesamten Scheiben des Opladener Bahnhofsgebäudes waren durch fliegenden Schotter zersplittert. Bis auf "unseren Bahnsteig" lag der Schotter. Der erste Wagen, der BDms sah unbeschreiblich aus, wie von Titanenhand krumm gehauen, aufgerichtet und über die 112 geworfen, die führende 112 war irgendwie seltsam klein geworden, auf maximal 2/3 der Länge geschrumpft :-( Abgerissene Oberleitung, irgendwelche Masten umgekippt....

Aber was mir wichtig ist:
Eine ganze Reihe DB-Mitarbeiter stand auf Gleis 1 (zwischen Sargwagen und zahllosen Krankenwagen). Sie halfen emsig mit, Menschen zu betreuen, luden Gepäck aus etc.

Auf unserem Bahnsteig nahmen DB-Mitarbeiter dringende Telefonatsmeldungen entgegen von Reisenden. Sie eilten am langen Zug entlang, der nur teilweise auf den Bahnsteig passte.

Nur eine Stunde später nach dem Unfall wurde bereits emsig an der Oberleitung gearbeitet, ein Turmwagen stand dort. Es waren bereits zahlreiche Lampen aufgestellt und erleuchteten den Ort unwirklich.
Es waren bereits Busse da. Unverletzte Reisende stiegen dort, wo der Parkplatz an den bahnsteig reichte, ein.

Da war anscheinend eine straffe Organisation hinter gewesen, auch wenn gerade den Herren in Opladen der Schrecken ins Gesicht geschrieben stand. Sie agierten schnell, höflich, kompetent, Sicherheit ausstrahlend alte Schule....

Dann ging es mit der 212 weiter nach Solingen Ohligs. Wir wurden auch dort schon von mindestens 4 DB Mitarbeitern erwartet, die wiederum mit Stift und Zetteln bereitstanden und Telefonnummern notierten und versprachen, sofort dort anzurufen und unser Später-Kommen anzukündigen.

Es ging alles vergleichsweise flüssig. Ersatzdiesellok bis Solingen. Mitarbeiter, die den Nachrichtenservice übernahmen, es gab nur 90 Minuten Verspätung bei Ankunft im Endbahnhof Hagen Hbf, und dort warteten wieder DB-Mitarbeiter mit Kursbuch und Zetteln und hatten teilweise schon wieder Nachrichten von den Angehörigen, die von den Solingern angerufen wurden und versuchten diese an die Reisenden weiter zu geben.

Aus Solingen waren in jeder Beziehung unglückliche Meldungen herausgegeben worden:
Es habe ein Zugunglück gegeben, wir kämen später an, alles sei in Ordnung!
Natürlich glaubten die abends spät Angerufenen, wir wären im Unfallzug gewesen, und so standen zig Angehörige mit bleichen Gesichtern auf Gleis 5/6 und warteten besorgt auf uns Reisende :-)

Aber unterm Strich: Wie schnell und kompetent das alles ablief.
Würde das heute auch noch so laufen können, 37 Jahre später, wo alles moderner geworden ist?

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Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

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