Durch kluge Geschäftspolitik (Aktueller Betrieb)

Blaschke, Mittwoch, 30.03.2011, 23:40 (vor 5537 Tagen) @ JumpUp

Moin!

Ich habe erst neulich von Grube gelesen, dass die Bahn eigentlich 10% Reserve bräuchte, die sie aber nicht hat.

Weil sie keiner bezahlen will.

Wie ist denn eigentlich dieser Fahrzeugmangel denn entstanden? Bis auf die Strecke nach Paris kam ja seit der letzten ICE Lieferung (2006) keine neuen Wege hinzu. Durch Unfälle sind auch nicht überdurchschnittlich viele Wagen unbrauchbar geworden.

Geht ja auch andersrum: Wenn ich die gleiche Zahl an Wagen für mehr Züge verwende, dann kommt's im Ergebnis auf's selbe raus.

wollte man (aus kostengründen?) den Wagenbestand absichtlich niedrig halten?

Natürlich. Wagen, die nur rumstehen, kosten schließlich nur Geld. Du kaufst schließlich auch kein zweites Auto, nur weil das erste ab und an mal kaputt geht.

Die Bahn müsste doch eigentlich wissen, wie viele Züge sie für einen stabilen Verkehr braucht

Weiß sie ja auch. Aber die Rechnung ist eine andere:

Fall 1: Wir haben genug Wagen.

zusätzliche Kosten für die Wagen = 5 Mio Euro
Fahrgeldeinnahmen minus Kosten für die Züge = 500 Mio Euro
Gewinn = 495 Mio Euro

Fall 2: Es fehlen Wagen

Zusätzliche Kosten für die Wagen fallen nicht an.
Kosten für Entschädigungszahlungen = 2 Mio Euro.
Verlust von Fahrgeldeinnahmen, weil Kunden mit alternativen Verkehrsmitteln fahren = 1 Mio Euro.
Der Gewinn würde in diesem Falle 497 Mio Euro betragen.


Es kann also sinnvoller und gewinnbringender sein, Reserven NICHT vorzuhalten und dafür Verluste bei den Einnahmen und/oder Entschädigungszahlungen in Kauf zu nehmen.

So denken zumindest die Hochstudierten in den Plüschetagen. Dass das Unternehmen dadurch einen miesen Ruf bekommt und dadurch vielleicht noch viel mehr Fahrgäste abspringen und somit die obige Rechnung mittel- und langfristig nicht aufgeht - ja mei, das paßt nicht in die tolle Grafik rein, außerdem sind das ja auch nur Hypothesen und Schätzwerte. Und im Fernverkehr meint man eh, man habe ein Monopol. Hat man auch - AUF DER SCHIENE. Aber wer braucht schon noch die Fernbahn? Über 4 Stunden nimmt man den Flieger, drunter tut's der Pkw (oder der Regionalzug). Außerdem sind Langfristplanungen sowieso out. Mit etwas Glück hat einen längst irgendein Skandal oder die Politik fortgespült auf einen anderen wohldotierten gemütlichen Chefsessel und so kann sich der Nachfolger mit dem "Problem" herumschlagen.

Und dass es mal einen Winter gibt und einen wärmeren Sommer und deswegen die obige Rechnung nicht aufgeht, weil viel mehr Entschädigungszahlungen notwendig wurden - nun, das sind Naturgewalten und dass es die selbst im Jahre 2010 noch gibt, das konnte in der Intelligenzabteilung ja nun niemand wissen oder ahnen.


Schöne Grüße aus der Friedensstadt Osnabrück von

jörg


Die Bahn ist diesbezüglich aber kein Einzelfall, sondern befindet sich in diesem Wirtschaftssystem in allerbester Gesellschaft.


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