Fieser Vinter beim verrückten Finnen-Volk – 2/2 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Mittwoch, 15.03.2023, 21:16 (vor 441 Tagen) @ Krümelmonster

Rückzu verpasste ich den Bus der Gesellschaft, mit der ich hierhin gefahren war, knapp – gut dass ich nur ein Einzelticket hatte. :D Deshalb wählte ich den Linienbus des ÖPNV. Dort saßen Italiener, die natürlich Rabatz machten. :D Der Linienbus hielt zwar nicht am Santa Park, das war aber das einzige an ihm, was man als direkt bezeichnen könnte. In der Dunkelheit gurkte er ewig durch die nördlichen Bezirke, dann umrundete er das Stadtzentrum, um danach noch elendig lange durch die südlichen Bezirke zu gurken. Statt der 20 min (Hinfahrt ab Stadtzentrum, ab Bhf. wohl 25) brauchte er 50 min. Das Ticket war mit 3,60 € statt 4 € kaum günstiger.^^ Am Ende wurde ich tatsächlich etwas nervös, aber der Bahnhof wurde 20 min vor Abfahrt meines Zuges erreicht.^^
Ich dachte, alleine in Finnland brauchte ich nicht nach einer großen Silvester-Party zu suchen.^^ Deshalb verbrachte ich Silvester im Zug. Ursprünglich hatte ich gedacht, das würde niemand tun (außer vielleicht ein paar Ferro-Freaks), der Zug würde leer und günstig sein.^^ Das erwies sich als Trugschluss. Bereits als ich den Flug buchte, warnte VR, dass im Nachtzug nur noch wenige Kabinen buchbar seien. :-O Unabhängig von der Personenanzahl konnten grundsätzlich nur 2er-Kabinen gebucht werden, womöglich wegen Der Seuche. Die günstige Kabine unten kostete 139 €, eigene Dusche & WC in der Kabine oben gab’s für 20 € Aufpreis. Normalerweise hätte ich unten gebucht, doch da in Oulu eine andere Unterkunft mit eigenem Bad nur für deutlich mehr als 20 € Aufpreis zu haben gewesen wäre, schlug ich eben hier zu (hätte ja nicht gedacht, dass ich dann in Oulu alleine war^^). Da aufgrund der hohen Belegung der Nachtzug eine der ersten Sachen war, die ich reservierte, wählte ich den erstattbaren Tarif für weitere 19 € Aufpreis. Für die Fahrt 890 km weit in den Süden zahlte ich also 178 €… :-/ Aber: Der Nachtzug war wirklich unfassbar bequem! Ich denke, es war das bequemste Nachtzug-Abteil, das ich bisher überhaupt irgendwo erlebt hatte. Hauptgrund ist natürlich das große finnische Lichtraumprofil. Das hat man zwar auch im postsowjetischen Raum, aber da trifft man selten so modernes Wagenmaterial. ;-)
Abfahrt sollte 17:45 Uhr sein. Als ich 17:25 ankam und noch keine Lok am Zug war, war ich schon etwas skeptisch. Vor dem Zug warteten tatsächlich haufenweise Leute, die Auslastung war nicht schlecht. Fast alle waren Finnen, viele Familien. Kurz vor der Abfahrtszeit stieg eine Zubine aus dem Zug und erzählte den Wartenden etwas auf Finnisch, bevor sie wegging. Ich fragte nach. Wegen technischen Problemen verzögerte sich die Abfahrt, eine Prognose gab es nicht. Das wurde daraufhin auch von der Anzeige verkündet. Ein Tross an Menschen setzte in Bewegung zum beheizten Bahnhofsgebäude, da gingen plötzlich zur Überraschung aller Beteiligten inkl. Zubine die Türen auf.^^ Der Zug müsste dieselbe Garnitur gewesen sein, mit der ich heute Morgen hierhergekommen war: fünf Sitzwagen, ein Restaurant (der einzige Wagen, der nicht Dosto war :D), ein Schlafwagen nach Helsinki (in die Hauptstadt gibt es ja noch einen späteren Nachtzug sowie den Hauptsaison-Zusatzzug), drei Schlafwagen nach Turku und dann stolze sechs oder acht Wagen (bzw. drei/vier sehr lange :-s) für bekehrte Stinktiere. :-O Wenn ich das richtig mitbekommen habe, war die Zubine verantwortlich für alle 10 Wagen inkl. Schlafwagen und APS. :-O In ihrer Ansage nannte sie ab Oulu (ab dort könnten wir wieder pünktlich sein^^) tatsächlich alle 19 (!) Zwischenhalte nach Helsinki und die weiteren 5 für den Teil nach Turku inkl. Ankunfts- und Abfahrtszeiten – der absolute Overkill an Ansagen (die Orte kannte ich ja, die Zahlen bis fünf kann ich auch, darüber weiß ich nur, dass es ein Zahlwort ist, aber nicht welches :D). Immerhin hat sie das ganze Gesums nicht auf Schwedisch und Englisch wiederholt. :D Und zum Glück ist Finnisch so eine schöne Sprache – auf Polnisch wäre ich nicht so begeistert gewesen. :D Das Klischee, dass die Finnen erst dann sprechen, wenn sie unbedingt müssen, hat sich nirgends bewahrheitet.^^ Großes Gepäck (offenbar alles, was größer ist als ein Rucksack) wird in den finnischen Nachtzügen gegen eine kleine Gebühr in einem Gepäckwagen transportiert. Klein ist halt relativ, gerade in Skandinavien. ;-) Die kleine Gebühr beträgt immerhin 5 €. :-O (Jaa, gut, im Vergleich zu den sonstigen Preisen in Finnland ist das dann auch egal. :D) Meinen Koffer hatte ich eh in Helsinki gelassen, die letzte Nacht war ich nochmal im selben Hotel.^^
Ich hörte bereits, dass sich die Zubine für die Fahrkartenkontrollen an den benachbarten Kabinen klopfte, als sie bei mir klopfte, setzte ich mein Maultäschle auf, bevor ich öffnete – ich glaube, sie hat mich dafür ausgelacht. -.- Da der APS lt. ihrer Aussage wohl eine Stunde dauern würde, ging ich dann zum ersten Mal in meinem Leben in einem Zug duschen.^^ Anschließend schaute ich, ob Nordlichter zu sehen sein würden, aber da tat sich natürlich nix, wahrscheinlich war es schon wieder bedeckt (wie halt meistens im Dezember, die beste Zeit ist Mitte September – Mitte Oktober & Anfang/Mitte Februar – spätestens Mitte April, sonst ist der Himmel einfach zu selten wolkenfrei bzw. im Sommer natürlich zu hell). Nach der technischen Störung war die Fahrt mit + 21 gestartet, bei Ankunft in Oulu waren davon noch + 14 übrig, aber das reichte immer noch für 21 min Standzeit in Oulu bis zur pünktlichen Weiterfahrt. Ein wenig geböllert wurde in Oulu, aber nicht viel.
Nicht zuletzt aufgrund der (subjektiven) Müdigkeit (wegen des wenigen Tageslichts) schlief ich sehr gut durch. Vom Jahreswechsel bekam ich überhaupt nichts mit. :D
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390 In der Dunkelheit im Bus zurück über den Ounasjoki
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391 Wieder im Zentrum
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392 Polarbus
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393 – 394 Die Finnen haben vergessen, dass man für einen Zug auch eine Lok braucht -.-
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395 Grrr!
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396 Zugvogel
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397 – 398 Auch die Außenanzeigen sind natürlich zweisprachig
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399 Der Gang
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400 Große Koje
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401 Ich hab den Rentieren wieder einiges an Geld zum Fraß vorgeworfen. Die Wand mit Spiegel und Waschbecken wird zur Seite geschoben, dahinter kommt dann die Dusche zum Vorschein.
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402 – 403 Abfahrt
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404 Es lebe die Faulheit: Hier kann man sich das Essen von der Zubine in die Kabine bringen lassen. Ich hab da mal wieder was vernichtet!

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405 Frohes neues Jahr!
Nacht um drei erreichte der Zug Tampere. Für die drei Schlafwagen sowie den einen großen (oder zwei kleine :-s) Wagen für bekehrte Stinktiere ging es um 5:50 Uhr mit dem ersten IC nach Turku (drei Dosto-Sitzwagen) weiter. Kurz nach halb acht war Ankunft am Stadtbahnhof von Turku. Hier waren nochmal 12 min Aufenthalt. Ich nutzte die seltene Gelegenheit (nur wenige Zugpaare am Tag) für die Befahrung der kompletten Strecke bis zum Hafenbahnhof von Turku (7 min, 2,8 km^^). So konnte ich auch 19 min später aussteigen. Als ich dann vor dem Hafenbahnhof nach unten zur Tür ging, grüßte die Zubine nicht etwa mit „Frohes Neues Jahr!“, sondern nur trocken mit „Morgen“ (das „Guten“ lassen die Finnen eigentlich immer weg). :D Kurz vor acht wurde dann der Hafenbahnhof von Turku pünktlich erreicht. Ich zählte 10 Aussteiger, wobei ich dann in einem Schlafwagen-Abteil noch Leute gesehen habe, während der Zug wieder zurückgefahren ist. :-s Bahnsteig & Gehwege waren von einer spiegelglatten Eisschicht überzogen, darüber lag Schnee. :-/
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406 Ausstieg am Morgen
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407 – 408 Angekommen am Hafen von Turku
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409 – 411 Da rollt er weg
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412 Pendolino separat
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413 Streckennetz
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414 Schwedenschiffe

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)


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