Fieser Vinter beim verrückten Finnen-Volk – 2/2 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Mittwoch, 15.03.2023, 21:16 (vor 438 Tagen)

Hallo liebes Forum,

willkommen zurück in den Breitengraden, deren Winter bereits den Wikingern ihre gefürchtete Aggressivität einbrachten. Was bisher geschah…

Am Ende des ersten Kapitels hatte ich ja schon angekündigt, dass es nun nach Nordfinnland gehen würde. Ich fahre bekanntlich wenn möglich unterschiedliche Strecken. Da ich die direkte Strecke aus Nordfinnland zurück bereits auf dem Rückweg fahren würden, suchte ich für die Hinfahrt nach einer anderen Möglichkeit und fand diese in der Strecke durchs Landesinnere. Eigentlich gibt es in Finnland (mit seiner großen Nord-Süd-Ausdehnung) überhaupt nur zwei wirklich durchgehende Nord-Süd-Strecken.^^
Aber der Reihe nach: Am 30. Dezember startete ich vormittags um zwanzig nach elf in Helsinki. Als Wagen hat VR auf den Fernverbindungen anscheinend nur einen einzigen Typ Dostos – oder halt die Pendolinos.^^ Die Fahrt führte zunächst über die nördlichste Rennbahn der Welt, die im Planbetrieb mit mehr als 200 km/h befahren wird. Die üblichen Loks und auch die Dostos sind „nur“ für 200 km/h ausgelegt, doch die Pendolinos (inkl. Russenrennen) fahren tatsächlich die Streckenhöchstgeschwindigkeit von 220 km/h aus. Die Stinktierrennstrecke gleich daneben war heute tatsächlich geräumt, es war pro Richtung ein schwarzes Band und nicht nur vier ganz schmale Streifen.^^ Ankunft in Lahti (hinter der Rennbahn) war mit gleich mal mit – 4.^^ Von Lahti führte die Fahrt noch etwas weiter Richtung Westen (teilweise 200 km/h) bis Kouvola, 1½ h hinter Helsinki. Bis hierhin kannte ich die Strecke schon von meiner Fahrt vier Jahre zuvor in der Russenrenne. In Kouvola waren zum Kopfmachen 18 min Zeit trotz Steuerwagens.
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221 – 222 Von Helsinki auf in den Norden!
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223 Ausfahrt aus Helsinki
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224 Fahrtverlauf
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225 – 227 Geschwindigkeitsbeweis. Die Anzeigen sowie die automatischen Ansagen sind grundsätzlich dreisprachig (FI, SW, EN, selbst im Zug Tampere – Pori, der in keiner einzigen offiziell zweisprachigen Gemeinde hielt war alles auch auf Schwedisch), ebenfalls alle Ansagen am Bahnsteig. Such das mal bei einer anderen Bahn (außer in Estland, aber deren Sprache ist halt noch exotischer :D). Einzig die langen Ansagen vom Personal in den Zügen sind einsprachig Finnisch. (Sogar die englische Variante der Anzeige konnte Wortspiele: „Thank you for choo choo choosing the environmentally friendly option!” :D)
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228 – 230 Die nördlichste Rennbahn der Welt, die tatsächlich mit planmäßig mehr als 200 km/h befahren wird, führt hauptsächlich entlang der Stinktierrennstrecke
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231 Mittlerweile haben wir die Rennbahn verlassen
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232 Einfahrt nach Lahti
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233 Nicht so einladend^^
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234 „Hei Suomi! Warum hast du wirklich all deinen Orten so dermaßen komische Namen gegeben!?“ – „Ach, das war nur so ne …!“
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235 – 237 Weiter ostwärts
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238 Kopfmachen mit 18 min Aufenthalt in Kouvola
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239 Schweizerin und Russenloks
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240 Joulupukki ist besoffen…
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241 Die gezeigte Strecke kommt aus Lahti/Helsinki, wir zweigen ab Richtung Norden
Von Kouvola führte die Fahrt also nordwärts. Die Strecke ist eingleisig (zweigleisig ist in ganz Finnland nur Helsinki – kurz hinter Espoo, Helsinki – Tampere, die Umgehung von Helsinki d. h. Riihimäki – Lahti, Helsinki – kurz vor der russischen Grenze, Kouvola – Kotka und sonst nur kürzere Abschnitte). Trotz der eher sekundären Bedeutung ist die Strecke gut ausgebaut, mein Zug ratterte fast durchgehend mit 140 km/h durch die Landschaft. Hier gibt's tatsächlich mehrere Tunnel. Sonst die ganz klassische skandinavische Landschaft: Wald, gelegentlich unterbrochen von Seen. Alles andere war äußerst selten.^^
In meiner Nähe saß seit Helsinki ein Seuchenleugner ohne Maultäschle, der nun auch noch hässlich rumschniefte. Gut ⅓ der Finnen waren ohne Maultäschle unterwegs, da sagte auch niemand was. Immerhin sah man fast niemanden, die seine Seuchenmaske falsch trug.^^ Ich trug oft sogar draußen Maultäschle, einfach weil die Temperaturen für Nicht-Finnen kalt waren.^^ (Dann eine OP-Maske unter der FFP2, damit die nicht so schnell vergammelt.^^) In Finnland gab es keine gesetzliche Pflicht für Maultäschle in bestimmten Situationen wie Innenräumen, nur eine dringende Empfehlung. Die Bahn, die Öffis und s. i. w. alle Geschäfte haben von sich aus eine Maskenpflicht eingeführt, die aber in der Praxis nicht umgesetzt wurde – einerseits aus mangelnder Einsicht, andererseits fehlte eben die gesetzliche Grundlage.
Am Umsteigeknoten Pieksämäki (Richtung Westen letztlich nach Tampere, Richtung Osten nach Joensuu) wurde ich aus der Nähe des Schniefenden vertrieben. VR (die finnische Bahn) kombiniert bei den Reservierungen leider die Nachteile beider Welten: Bei allen Mobil- oder Online-Tickets in Fernzügen bekommt man eine Inklusivreservierung (andere Zugkategorien gibt’s kaum, mit den wenigen Regionalzügen – nur im Süden – bin ich nicht gefahren, sonst gibt es nur noch die Ess-Bahn Helsinki^^), es gibt zwar keine Reservierungspflicht, Reservierungsanzeigen gibt es aber auch nicht. Ich war recht stolz, als ich verstand, dass die Familie den ganzen 4er reserviert hatte – nur antworten konnte ich halt nichts.^^ Das hinderte die Kinder aber nicht daran, meinen eigentlich reservierten Platz zwei Reihen weiter zusätzlich in Beschlag zu nehmen – wieder konnte ich halt nix sagen.^^ Ich setzte mich zwei Reihen weiter und hoffte, dass nicht noch jemand aufkreuzte – funktionierte.^^ Warum werden in der DB-Reiseauskunft eigentlich manche Bahnhöfe in Finnland zweisprachig angezeigt, aber die meisten nicht (obwohl sie auch in offiziell zweisprachigen Gemeinden liegen)?
2½ h hinter Kouvola waren 4 min Aufenthalt in Kuopio (120.000 EW, müsste nach Verlassen des Großraums Helsinki die größte Stadt auf dem Laufweg sein, gleichauf mit Lahti), da konnte man sich kurz die Beine vertreten. Natürlich war es schon wieder dunkel, im Norden sind die Tage ja noch kürzer. An der abzweigenden Strecke von Iisalmi nach Ylievieska war ein Zugpaar wegen eines Defekts durch einen Bus ersetzt worden. Der Bus brauchte natürlich erheblich länger. Und unser Gegenzug hat tatsächlich eine Dreiviertelstunde auf die Anschlussreisenden aus dem Bus gewartet. :-O Bis wir da waren, hatte sich das Problem zum Glück erledigt.^^ Der Zug schlängelte sich nun, immer noch mit meist 140 km/h, im Slalom zwischen tausenden Seen hindurch. Leider sah man davon halt nichts, weil dunkel.^^ 2 h hinter Kouvola gab es nochmal eine kurze Pause in Kajaani (mit 37.000 Einwohnern ebenfalls nicht ganz klein für die Region^^). In Kuopio & Kajaani gab es reichlich Fahrgastwechsel, daher die Standzeiten, aber keine Zugkreuzungen (die waren ohne großen Aufenthalt geplant) und auch keine Umsteigemöglichkeiten. Hinter Kouvola waren Pieksämäki & Iisalmi wirklich die einzigen Umsteigebahnhöfe.^^
Kurz hinter Kajaani (schon weiter nördlich als Umeå) drehte die Strecke Richtung West-Nordwest. Ausgerechnet am letzten Zwischenhalt waren planmäßig 12 min Aufenthalt. Warum, weiß ich bis heute nicht. :D Es war kurz hinter der letzten Zugkreuzung. :-s Kurz vor 20 Uhr, nach gut 8½ h Fahrt wurde schließlich Oulu erreicht. Der Zug war wirklich an jedem Halt pünktlich gewesen. =)
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242 Nicht so förderlich für die Maskendisziplin (Schild war im Hotel)
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243 Ein See lädt zum Baden ein
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244 Ein seltener Anblick: Häuser
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245 – 246 Noch ein See, umgeben von Wald
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247 Ein hübsches Bahnhofsgebäude
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248 Jetzt haben sogar schon Züge Die Seuche :-O
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249 See semifreddo
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250 14:45 Uhr in Pieksämäki wird es schon wieder schummrig.
Irgendwer: „Es ist völlig unmöglich, einen Ortsnamen zu bilden, dessen einzige Vokale Ä und Y sind!“ – Finnland: Jyväskylä…
(„Zug nach Jyväskylä“ heißt dann „juna Jyväskylään“…).
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251 Nochn See
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252 – 254 Der letzte See für heute, den man noch mit genug Licht fotografieren konnte: Suontienselkä–Paasvesi
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255 Das Bahnhofsgebäude von Suonenjoki
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256 15:30 Uhr in Kuopio
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257 Noch ein Bahnhofsgebäude
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258 „Das funktioniert wie eine Zugtoilette in Finnland!“ – Samu Haber
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259 Nochmal Pause in Kajaani
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260 Welche Hose trägt die Kuh? Die MuHos!
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261 Wie funktioniert hier eigentlich die Deklination, wenn das Wort gar nicht auf einen Vokal endet? Ich dachte immer, alle finnischen Wörter müssten auf Vokale enden. :-s
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262 Hier sind 12 min Aufenthalt, …
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263 …obwohl das Signal doch die ganze Zeit grün zeigt.
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264 Angekommen in Oulu
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265 Da fährt er wieder weg
Ich weiß auch nicht genau, was mich dazu geritten hat, aber aus irgendeinem Grund beschloss ich, dem Treiben am Bahnhof von Oulu noch etwas zuzuschauen. (Ob ich mir die Stadt um 15 Uhr anschaute oder um 23 Uhr war doch egal – war ja eh dunkel -.-) Bei minus 5 Grad und reichlich Schneefall wartete ich am Bahnsteig, hoffend, dass gleich irgendwas Krasses passieren würde.^^ Und ich wurde nicht enttäuscht: Auf Gleis 3 stand der Hauptsaison-Zusatzzug aus Rovaniemi nach Helsinki mit seinem alten Wagenmaterial. Er konnte nicht weiterfahren, da aus Richtung Süden der IC aus Helsinki noch nicht ran war (Strecke ist eingleisig). Auf Gleis 2 stand der IC nach Rovaniemi, der auf den Anschluss aus Süden wartete. In Lauerstellung hinter dem Bahnhof war schon der „normale“ (ganzjährige) Nachtzug aus Rovaniemi nach Helsinki, Gleis 1 ist für den aber zu kurz. Gleis 4 oder höher gab es nur ohne Bahnsteig. Was also tun?^^ Irgendwann hörte man eine Diesellok über die bahnsteiglosen Gleise rollen. Jene Diesellok machte sich dann ans hintere Ende vom Zusatzzug, der irgendwann wieder Richtung Norden ausrollte. :-O Kurz darauf traf er, nunmehr wieder von seiner alten Russenlok gezogen, am bahnsteiglosen Gleis 4 ein. Kurz darauf konnte der normale Nachtzug auf Gleis 3 einfahren.^^ Irgendwann traf mit 40 min Verspätung der IC aus Helsinki ein. Ich hatte nicht geschaut, warum der so arg verspätet war, aber zeitlich kam es hin, wenn er in Ylivieska auf den Bus aus Iisalmi gewartet hatte.^^ Erst setzte sich der Zusatzzug gen Süden in Bewegung (mit nunmehr einer Dreiviertelstunde Verspätung), kurz darauf der IC weiter nordwärts nach Rovaniemi (der zwar auch schon aus Helsinki gekommen war, aber wegen des Wartens hier auf den Anschluss vom schnelleren Zug mit weniger Zwischenhalten nun auch eine halbe Stunde Verspätung hatte). Der normale Nachtzug hatte hier eh eine halbe Stunde Aufenthalt, für den war es nicht so dramatisch.^^
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266 Der IC nach Rovaniemi wartet auf Kundschaft, doch die ist noch unterwegs
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267 Alter Hochsaison-Zusatzzug
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268 – 270 Plötzlich wird er zurückgezogen
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271 – 274 Da kommt er wieder, diesmal auf dem bahnsteiglosen Gleis

Anschließend brachte ich meine Sachen in meine Unterkunft. Im Prinzip direkt ggü. vom Bhf./Busbhf. (bei Dunkelheit trotzdem nicht so einfach zu finden) hatte jemand quasi eine Wohnung gemietet und vermietete die einzelnen Zimmer unabhängig voneinander an Touristen.^^ Bad & Küche wurden geteilt; ich war aber allein.^^ Der Preis war mit 52 € unfassbar gut, gerade im Vergleich zu den Scandic Hotels sonst (Sonderkonditionen hin oder her). :D
Oulu ist mit 200.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Finnlands (nach Helsinki, Espoo, Tampere & Vantaa). Umland gibt’s in Oulu so gut wie keins. :D Es ist der viertgrößte Ballungsraum des Landes (nach dem Großraum Helsinki-Espoo-Vantaa, Tampere & Turku). In der Nordhälfte Finnlands ist es die mit Abstand größte Stadt. Zudem ist Oulu auf 65 ° n. B. die nördlichste Großstadt der EU (selbst wenn Tromsø zur EU gehören würde, Oulu hat 2½ x so viele Einwohner wie Tromsø; weltweit liegen an größeren Städten wohl nur Murmansk und Norilsk noch weiter nördlich). Die Universitätsstadt ist IT-Hochburg und auch bekannt für die (zumindest in Nicht-Seuche-Jahren) jährliche Weltmeisterschaft im Luftgitarre Spielen.^^ (Dabei find ich jene Weltmeisterschaft weniger crazy als diese Gruppierung. :D) Als schön gilt die Stadt nicht, aber ohne einen Stadtrundgang wollte ich auch nicht weiterfahren. Ich zog mich also ordentlich warm an und ging nochmal raus, um die Stadt zu erkunden. Eigentlich war es für die Jahreszeit hier fast 20 Grad zu warm. :-O Die Erwärmung ist ja in den Regionen rund um die Arktis deutlich stärker zu spüren… Es war auf jeden Fall echt anstrengend, einerseits durch die zu warme Kleidung, andererseits durch die subjektive riesige Müdigkeit wegen der kurzen Tageslänge… Am Ende war ich echt fertig. Wenn ich morgen nicht noch einen Ortswechsel gehabt hätte, wäre ich jetzt womöglich zum Flughafen gefahren und hätte nach einem Flug irgendwo Richtung Süden gebettelt (egal, Hauptsache Tageslicht)… :-/
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275 Das Bahnhofsgebäude von der Stadtseite
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276 Altes Holzhaus
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277 Der Dom von Oulu
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278 – 279 Es schneit wieder
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280 Das Holzhaus in der Ecke rechts unten vom letzten Bild in Groß
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281 Die regionale Verwaltungsbehörde für Nordfinnland, davor ein Bus aus Nordlappland
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282 Bei der Form des Schnees dachte ich, da wäre eine Stufe auf die man sich draufstellen könnte :D
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283 Nochmal ein Holzhaus
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284 – 285 Das Kulturzentrum Valve kann man sogar als Nicht-Finne problemlos aussprechen^^
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286 – 288 Holz Holz Baby
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289 „Wie hart im Nehmen bist du?“ – Finnland: „Ja.“
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290 – 291 Blick Richtung Zentrum von Oulu
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292 Blick über die gefrorene Ostsee auf die Insel Pikisaari
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293 – 294 Die dunkle Seite der Ostsee mit der Insel Pikisaari
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295 Auf der Insel findet sich alte Bausubstanz
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296 Der Weihnachtsschmuck bleibt auch nach dem Fest dran, bis es irgendwann langsam wieder heller wird
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297 Komischer Leuchtturm
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298 Hier kommt die Vorliebe der Finnen für hässliche Bibliotheken (oder einfach Gebäude generell^^) wieder zum Vorschein
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299 Was zum Geier!?
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300 Pause gefällig?
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301 – 302 Am Marktplatz von Oulu
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303 Die alte Markthalle
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304 Ist es der Weihnachtsmann, oder versteckt sich da unter dem Schnee ein Affe? :D
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305 Winterdeko

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)


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