Was dies für den Fernverkehr Wien - Salzburg bedeutet (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Donnerstag, 22.12.2022, 15:26 (vor 1267 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Donnerstag, 22.12.2022, 15:29

Beide Bestellungen bringen einen Paradigmenwechsel auf der Weststrecke. Das Ministerium setzt hier in gewisser Weise ein Machtwort, da es nun verbindlich festlegt, wie der Grundtakt zwischen beiden im Wettbewerb stehenden Bahnen zu laufen hat. Das entzerrt die Situation im Knoten Amstetten, wo die Railjets derzeit in St. Valentin beiseite gebracht werden, um die WESTbahn vorzulassen.

Dies wird nicht mehr passieren, da die Railjets mehrere Halte gestrichen bekommen. Diese erfüllen weiterhin die Bedienung des Knotens Tullnerfeld, die Knoten Amstetten, St. Valentin, Attnang-Puchheim, Vöcklabruck und Neumarkt am Wallersee hingegen werden mit Ausnahmen am Tagesrand der WESTbahn zugeschlagen.

Das bedeutet zunächst, dass die ÖBB diesen Knoten nicht wie wie bis jetzt durch einen "langsamen" Railjet Wien - Salzburg anbinden. Wobei dieser ohnehin nahe der Lage der WESTbahn-Züge lag, wodurch Fahrgäste letztlich nicht so viel verlieren. Will man in der Taktlage nach Wien Meidling oder Wien Hbf, ist eben ein weiterer Umstieg notwendig. Das könnte tariflich nachteilhaft sein. Anderseits handelt es sich um eine bestellte Leistung, da könnte man eigentlich schon eine Tarifintegration, wie auch immer, erwarten, auch wenn es sich um einen Nettovertrag handelt, das wirtschaftliche Risiko also beim Betreiber liegt.

Im Gegenzug erhält Wels eine stündliche schnelle Verbindung nach Wien. Das ist etwas, was man schon lange sich erhofft hat. Immerhin auch ein gewisser Ersatz für den entfallenen Halt dort bei den ICEs nach Deutschland.

Gleichzeitig gibt es nun über den Stundentakt zwischen Salzburg und Innsbruck hinaus eine weitere zweistündlich verkehrende Verbindung auf dieser Relation, um eine halbe Stunde versetzt und mit Bedienung touristisch nicht unbedeutender Orte wie Hall in Tirol oder Schwaz. Auf diese Weise entstehen völlig neue ziemlich spannende Direktverbindungen entlang der Linie.

Auch entsteht auf diese Weise ein Halbknoten in Salzburg. Durch diese Entzerrung wird ein klar geregeltes Angebot möglich, auf dem man noch mehr bauen kann. Salzburg und Linz haben damit auch eine zeitlich besser verteilte Anbindung an Wien.

In Linz wären die Abfahrten nach Salzburg voraussichtlich (Änderungen im Vergleich zu bisher in blau hervorgehoben):
:16 RJ
:30 WEST
:45 RJX
:56 WEST

In Richtung Wien dann:
:06 WEST
:17 RJX
(:28 ICE)
:32 WEST
:46 RJ

Und im Falle von Salzburg Hbf - Wien sieht es dann so aus:
:08 RJX
:12 WEST
:30 RJ
:52 WEST

Wobei die 3 Züge aus Tschechien zwischen Linz und Salzburg für Taktabweichungen sorgen werden bei der RJ-Verbindung.
Die WESTbahn fährt schon jetzt bereits zwischen Salzburg und Innsbruck. Die bisherigen Taktlagen sind jedoch nicht mehr sinnvoll, daher wird dort vermutlich eine andere Taktlage zu finden sein.

Tatsache ist, dass Fahrgäste sich ab 2024 auf sehr tiefgreifende Änderungen auf der Westachse gefasst machen dürfen. In den Verträgen steht auch nicht drin, ob die ÖBB gedenken, ihre D-Züge auch jenseits der HVZ anzubieten, womit Amstetten dann doch weiterhin eine Direktverbindung an Wien Hbf hätte (sofern man nicht die lustige Idee hat, die ICEs dafür zu missbrauchen :P)

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum