Die Skandinavier sind schlau, haben richtigen Kompromiss (Allgemeines Forum)

ICETreffErfurt, Eisenach, Freitag, 24.06.2022, 14:10 (vor 49 Tagen) @ gnampf

Ich glaub, da würfelst und pauschalisierst du aber auch einiges. Welche Fahrzeiten attraktiv sind hängt unter anderem von der Konkurrenz durch andere Verkehrsmittel ab, wie auch z.B. der Distanz die die Reisenden zurück legen wollen.

In Deutschland legt der Eigentümer des Netzes fest, welche Ziel-Fahrzeiten erwünscht sind. Deswegen passen SFS KRM und VDE8 ja auch nicht in einen ITF. Dort wurde zugunsten der Kostenersparnis eine "krumme" Zielfahrzeit gewählt. Gut das man mit dem Deutschland-Takt davon wieder wegkommt und erstmal sich den möglichen Fahrplan ansieht bevor man die Infrastruktur plant.

Und DB Netz ist es ja völlig WUrst was die Fahrzeuge kosten. Aber warum sollen sie Strecken für Neigetechnik ertüchtigen oder auf 250+ ausbauen, wenn keiner dazu Bedarf anmeldet?

DB Fernverkehr hatte ja Bedarf angemeldet. Allerdings war da auch viel Politik mit im Spiel. Der Eigentümer (Deutscher Staat) wollte mit so wenigen Mitteln wie möglich einen so großen Fahrzeitgewinn wie möglich. Der Spruch "Technik statt Beton" kam ja nicht von ungefähr.

Das heißt nicht, dass die Neubauvorhaben in Deutschland für > 230 km/h falsch sind. Die VDE8 zeigt ja, dass man manchmal auch durch hohe Geschwindigkeiten viel erreichen kann. Aber zur Ehrlichkeit gehört dazu, dass man 4 Stunden Fahrzeit von Berlin nach München grundsätzlich auch ohne SFS für > 250 km/h erreichen könnte.

Nur mal als Beispiel die SFS NIM angeführt, wo der Fahrzeitgewinn von 300 gegenüber 230 km/h zwischen Ingolstadt und Nürnberg weniger ist als der Fahrzeitverlust zwischen Ingolstadt und München durch 160 statt 230 km/h. Wäre es von der Infrastruktur her möglich vom Ortsrand München bis Ingolstadt durchgehend 230 km/h zu fahren, wären die 300 km/h im nördlichen Abschnitt zum Erreichen der Kantenzeit von 55 Minuten für die Gesamtstrecke völlig überflüssig.

In Deutschland dienen die Hochgeschwindigkeitsstrecken primär der kapazitiven Erweiterung für mehr Zugfahrten und zur Kompensation der langen Fahrzeiten in den Knoten. Man fährt also erstmal langsam, dann ganz schnell und dann wieder langsam.
Energetisch und vom Unterhaltungsaufwand her optimaler und besser wäre aber durchgehend mittlere bis schnelle Geschwindigkeit.

Deswegen gibt es unter anderem in den skandinavischen Länder weniger HGV, weil man dort in den Knoten weniger Zeit als in Deutschland verliert und somit zum Ausgleich dann nicht quer durch das Land rasen muss. Natürlich ist mir klar, dass auch die großen Knoten in Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark Engpässe darstellen und man auch dort teilweise nur 60-80 km/h fahren kann. Aber besser als bei uns ist es allemal.


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