Benötigt es überhaupt eine neue Rennbahn... (Allgemeines Forum)

Pfälzer, Donnerstag, 25.06.2020, 07:01 (vor 2111 Tagen) @ Oscar (NL)

...oder würde für die Verkehrsnachfrage entlang des Cascades-Corridors nicht ein Ausbau des bestehenden Angebots reichen?

Betrachtet man den Streckenabschnitt von Seattle nach Portland so fällt folgendes auf:
- Die Strecke ist mit Ausnahme der NBS um Tacoma (Point Defiance Bypass) vollständig zweigleisig ausgeführt
- Es sind keine größeren Steigungen zu überwinden
- Die Anzahl der ebenerdigen Bahnübergänge hält sich für US-amerikanische Verhältnisse einigermaßen in Grenzen

Insgesamt handelt es sich um einen guten Ausbauzustand, der europäischen Verhältnissen nahe kommt. Zudem ist die Strecke Abschnittsweise sehr gerade, von Tukwilla ausgehend befindet sich in südlicher Richtung für 25 Kilometer keine einzige Kurve. Nur der Abschnitt zwischen Centralia und Kelso-Longview sowie die Anbindung der Bypass-Strecke an die Bestandsstrecke weisen auch kleinere Radien auf. (Deshalb kam es auf der Bypass-Strecke 2017 zu dem Unfall).

Ein Ausbau der Leit- und Sicherungstechnik und damit eine Klassifizierung der Strecke als Class 6 (max. 110 MPH) würde grob die folgenden Fahrzeiten ermöglichen:

Seattle 0:00
Tukwilla 0:10
Tacoma Dome 0:30
Olympia-Lacey 0:55
Centralia 1:10
Kelso-Longview 1:45
Vancouver, WA 2:15
Portland 2:30

2,5 Stunden für 300 Kilometer ist zwar nicht einmal annähernd HGV-Niveau, aber immerhin rund eine Stunde schneller als aktuell. Natürlich bräuchte es aber auch geeignetes Fahrzeugmaterial mit entsprechender Beschleunigung und VMax, um das zu schaffen (z. B. Siemens Charger im Sandwich um die Talgo-Garnituren). Außerdem wäre es hilfreich, wenn an allen Unterwegshalten an beiden Richtungsgleisen Bahnsteigkanten vorhanden wären.

Zusätzlich zu einer Beschleunigung wäre eine Erweiterung des Fahrtenangebotes
von den derzeitigen drei Fahrten sinnvoll. Je nachdem, ob es die Nachfrage rechtfertigt, könnte das Angebot bis auf einen Zweistundentakt ausgebaut werden.

Am Ende wäre ein solches Konzept um Welten günstiger als ein Neubau nach HGV-Standard, der bis zur nächsten Krise noch nicht stehen würde. Allerdings kann ich auch die Nachteile verstehen, die durch eine "Light"-Lösung entstehen: Längere Fahrzeiten, Mischverkehr mit dem umfangreichen GV und dadurch weniger Trassen.

Es bleibt spannend ob sich die Verantwortlichen in den USA wirklich auf das "Abenteuer" HGV einlassen oder ob es am Ende doch eher auf kleinere Verbesserungen im Bestand hinaus läuft - wenn die schönen Worte nicht ohnehin sag- und klanglos im Nichts verhallen.

Grüße aus dem sonnigen Süden.


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