Russenerlebnisse, Kap. 3: Widrige Russenrückreise (T2) (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Dienstag, 31.03.2020, 19:28 (vor 2248 Tagen) @ Krümelmonster

Morgens wachte ich auf und fühlte mich irgendwie unwohl. So wie am Vorabend im Gorki-Park, bloß schlimmer. Mit meinem Programm blieb mir allerdings nichts anderes übrig, als erstmal in den Zug nach Kiew zu steigen – alle anderen Züge waren angeblich ausgebucht. Der koreanische Triebwagen schafft die über 450 km in die Hauptstadt in gut 4,5 h. Zu Beginn der Fahrt fühlte ich mich immer schlechter. Als irgendwann mein Bauch grummelte, meinte ich hastig zum Typen neben mir: „Извините! Ich muss hier raus!“. Er schaute mich entsprechend verwundert an, ich hastete zum WC und stürzte mich auf das mit dem grünen Licht. Später lernte ich: grün = besetzt, rot = kaputt, farblos = frei. Kann man sich auch nicht ausdenken. :D Da ich beim grünen Licht eben erfolglos war, blieb mir nichts anderes übrig, als den Bereich direkt neben der Zug-Tür zu dekorieren. (Falls jemand Restaurant-Tipps für Charkow braucht: Ich kenne nur einen Schuppen, den ich nicht empfehlen kann! ;-) ) An dieser Stelle möchte ich nochmal die phänomenale Hilfsbereitschaft des Zugpersonals hervorheben! Sie kümmerten sich äußerst fürsorglich um mich, versorgten mich mit Wasser & Kohletabletten und stellten sicher, dass es mir langsam besser ging, auch wenn sie kaum besser Englisch sprachen als ich Russisch. Eine eigene Putzfrau im Zug (liebe DB, schau her, das ist mal ein Premiumprodukt!) konnte die gröbsten Spuren beseitigen. Zurück am Platz ließ der Sitzabstand leider sehr zu wünschen übrig, zumindest wenn man groß ist, sich nicht gut fühlt und eigentlich schlafen will. Die 2-3-Bestuhlung machte die Sache nicht besser. Auf den Bildschirmen über dem Gang wurden kurze Filme (Infotainment oder für Kinder) abwechselnd mit Werbespots gezeigt. Oben in der Mitte die aktuelle Geschwindigkeit, rechts daneben die Außentemperatur, ganz rechts Datum & Uhrzeit. Die erste Ansage kam immer bereits ca. 10 min vor dem Halt, etwas ausführlicher auf Ukrainisch, die wichtigsten Infos auch auf Englisch. Alle Ansagen vom Zub, nicht automatisch. Müßig zu erwähnen, dass es keine russischen Ansagen gab.^^ In der Ukraine gibt es keine klare Sprachgrenze wie in Belgien oder der Schweiz, sondern je weiter man Richtung Osten oder Richtung Schwarzes Meer kommt und je größer die jeweilige Stadt ist, desto höher ist der Anteil an Russischsprachigen. Der Osten ist komplett russischsprachig. Der erste Zwischenhalt erfolgte erst nach anderthalb Stunden in Poltawa (ab dort Richtung Westen beginnt langsam der Übergang von russischer zu ukrainischer Sprache), der nächste eine knappe Stunde später in Mirhorod, von dort sprintete der Zug fast 2 h nonstop bis Darnytsja (Kiew-Ost), schließlich noch 14 min bis Kiew. Die Geschwindigkeit war sehr unterschiedlich: An schnelle Strecken mit über 120 km/h schlossen sich manchmal Bahnhofsdurchfahrten mit 40 km/h an. Also der Zug war eigentlich fast permanent am Beschleunigen oder Abbremsen – unschön, wenn man eh Probleme mit dem Magen hat...^^ Die Bildschirme bestätigten, dass die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h durchaus über längere Abschnitte gehalten wurde. Die Ankunft in Darnytsja war mit + 4 :-O, in Kiew mit + 2.
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34 IC+
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35 – 36 Bilder von einem anderen IC+ in Kiew
Ich fühlte mich einfach nur mies und total schlapp, wollte aber noch herausfinden, ob ich abends für den internationalen Zug, der nicht mehr auf ukrainischem Gebiet hält, vorab am Gleis sein müsste (lt. Tripadvisor nämlich schon). Zunächst hatte kein Schalter geöffnet, die tatsächlichen Öffnungszeiten schienen relativ unabhängig von den angeschriebenen Pausenzeiten zu sein. Nachdem ich mein Gepäck abgegeben hatte, war ein Schalter geöffnet, und zu meinem Glück stand vor mir jemand mit einem deutschen Namen auf der Kreditkarte – erleichtert ließ ich ihn das Fragen übernehmen (er sprach erheblich besser Russisch^^) und erfuhr, dass ich 30 min vor Abfahrt da sein müsste. Ich war sehr froh, dass ich mich in Kiew auskannte und ein Hotel mit englischsprachigem Personal keine 10 min Fußweg vom Bahnhof wusste. Für ein Tageszimmer bis 18 Uhr zahlte ich den halben Preis, also glorreiche 13 €. :D Dort schlief ich mich erstmal aus.
Danach ging es mir zwar nicht gut, aber besser als vorher.^^ Ich fuhr mit der Breitspur-Tatra (das hatte beim letzten Mal nicht geklappt) und stellte fest, dass auch das Netz in Kiew in einem völlig desolaten Zustand ist. Ob des allgemeinen Chaos auf der Straße (ich vermute irgendwo einen Tram-Unfall) endete die Fahrt nach Ewigkeiten Stillstand plötzlich mitten auf einer Kreuzung, die Türen öffneten sich und alle stiegen aus. :D Da es noch nicht dunkel war, blieben die Fontänen am Maidan leider aus. Das Banner mit der Aufschrift „Freedom is our Religion“ war nun weg, der Wiederaufbau des Hauses dahinter (rechts auf Bild 39, mit ein paar Gerüsten) fast abgeschlossen.
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37 Tram Kiew
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38 – 39 Am Maidan
Ich war zwar trotzdem eine Stunde vorher am Bahnhof, aber bis ca. 20 min vor Abfahrt stand noch nicht mal das Gleis fest… -.- Bereits am Zugang zum Bahnsteig erfolgte eine Passkontrolle. Der Zug hatte sogar eigene Wagen für die Strecke. Für Premium-Züge gibt es sowas öfter mal, Kiew – Odessa habe ich auch schon gesehen. Die junge Provodniza trug zu meiner Verwunderung eine ukrainische Uniform, dabei wurde der Zug doch von der weißrussischen Bahn betrieben… :-s Sie war sogar um Freundlichkeit bemüht und konnte etwas Englisch. :-O Vor Einstieg gab es nochmal eine Passkontrolle (das ist normal, auch bei inländischen Strecken, zum Abgleich mit der bei Buchung angegebenen Passnummer), und die Provodniza kontrollierte auch gleich, ob ich ein weißrussisches Visum hatte. Im Gang lief laut russische Musik... War bestimmt Propaganda von Lukaschenko, Shazam kannte es zumindest nicht. Zur Abfahrtszeit passierte erstmal gar nichts, irgendwann kam noch der ukrainische Zoll durch. Er bat mich bloß, meinen Rucksack zu öffnen, und schaute dann, dass mein Notizblock leer war. Mein wirklich großer Koffer wurde hingegen überhaupt kontrolliert... :D Wegen der späten Gleisbekanntgabe und langen Zollkontrolle fuhr der Zug letztlich mit + 25 ab – und das im sonst so pünktlichen Breitspurland. Trotzdem war er lt. Google Zeitachse bereits mit – 2 in Tschernihiw, dort wurde auf Diesellok gewechselt. Da es mir immer noch nicht gut ging, konnte ich wenigstens durchschlafen.^^
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40 Kostenpflichtige (!) WCs am Hbf Kiew. Nicht dass ich mit etwas Besserem gerechnet hätte, die kostenfreien hatten bloß gerade Pause^^
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41 – 42 Auf geht’s in die letzte Diktatur Europas (Liechtenstein zählt nicht, zu klein :p) [Hier scherzte ich noch, das sollte mir bald vergehen]
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43 Bild vom Gang
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44 Der Fahrplan

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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