Bahnsteighöhe 76cm - eine schlechte Wahl? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 11.03.2010, 09:21 (vor 5992 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hallo Alphorn,

Ich halte die deutsche Wahl von 76cm für einen Fehler, besonders im Hinblick auf die Behindertentauglichkeit und schnellen Fahrgastwechsel.

Diese Wahl wurde gemacht in einer Zeit, in der es noch keine Dostos gab und keiner sich mit behindertengerechtes Reisen beschäftigte.
Als das änderte kamen, mußte man überlegen: Fahrzeugmaterial anpassen oder die Bahnsteige einer vierstelligen Zahl an Bahnhöfen anpassen.
Leider ist Deutschland keine Schweiz, wo ja bekanntlich viel mehr in die Bahn investiert wird, also hatte man in DE die Bahnsteighöhe beibehalten.

Eine ähnliche Redenation gab es in UK in den 20ern. Sollte man 20.000 Meilen an Bahnstrecken elektrifizieren? Nein, zu teuer. Man setzte auf Diesel Power: jede Lok ihr eigenes Kraftwerk.

76cm erlauben momentan meines Wissens (richtig?) bei keinem deutschen Fernverkehrszug einen stufenfreien Eintritt, wenn auch theoretisch in Zukunft machbar. Aber mit Doppelstöckern wird der stufenfreie Eintritt auch in Zukunft nicht hinzukriegen sein.

Wieso sollen in Deutschland FV-Doppelstockzüge verkehren?

Von Umständen wie auf Paris-Lyon (wo manchmal Duplexe in Dotra nicht mehr ausreichen) ist man in Deutschland noch meilenweit entfernt. So kann man immer noch zahlreiche ICEs als Doppeltraktion fahren lassen und ist auf den Rennbahnen noch reichlich Platz. Auf K-F verkehren etwa 6 zweistündliche Linien, während es Platz für mindestens 12-14 gibt.

55cm erlauben heute schon stufenfreien Eintritt bei diversen Nahverkehrszügen (fast alle Hersteller können mit 55cm Fussbodenhöhe liefern) und ist vor allem die einzige realistische Bahnsteighöhe, welche einen stufenfreien Eintritt bei Doppelstockzügen erlaubt.

Nur wenn man im Unterstock einsteigt.

Unsere Bahnsteige sind s.i.w. 90cm hoch. Aber unsere IC-Dostos haben Mittelstockeinstieg, wie etwa die deutschen RE160-Dostos.

Ich bin mir zudem sicher, dass der Anteil von Doppelstöckern steigen wird, weil sie durch ihr geringes Gewicht pro Sitzplatz Energie sparen. Ein ICE-3 schleppt pro Sitzplatz 970kg mit, ein TGV Duplex dagegen nur 700 kg (und im Nahverkehr der Stadler Dosto gerade mal 560 kg).

In CH, FR und NL schon, in DE nur im Nahverkehr.

Bei uns sind die Abstände relativ klein. In unseren Zügen fahren vor allem Pendler; Langstreckentourismus gibt es bei uns nicht. Kapzität kommt bei uns an erster Stelle.
Auf Dauer wird es auch auf Relationen wie Den Haag-Groningen oder Amsterdam-Enschede (jetzt noch mit ICM) lohnend, mit IC-Dostos zu fahren. Die neue Generation IC-Züge in NL wird wohl ein Doppelstockzug sein (am besten 220-230 km/h und Zweisystem, damit 200 km/h auf der HSL-Zuid, Amsterdam-Utrecht und die Hanzelinie möglich wird).

In CH und FR hat man den Vorteil, im Unterstock einsteigen zu können. Man braucht also für zumindest einen Stockwerk keine Treppen zu steigen. Zudem bietet Frankreich viele direkten TGV-Verbindungen: Jean Normalfranzose braucht nicht von Bahn auf Bahn umzusteigen (ja, nur etwa RER/RATP in Paris).

Deutsche Fernreisende haben aber manchmal viel Gepäck dabei. Versuche mal, mit 2 Koffern die Treppe eines Dostos hochzustolpern. Daher wäre ein Dosto-ICE nur machbar wenn zumindest die Bahnsteige aller deutschen Fernbahnhöfe auf 55cm getrimmt werden. Wer soll das bezahlen? DB wohl nicht, weil sie das Geld für die Beseitigung anderer Probleme (Lafas, mangelnde Radsätze, S 21) benötigt.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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