Ich finde das unnötig scharf (Allgemeines Forum)

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 20.11.2018, 12:52 (vor 2708 Tagen) @ Destear

Das Bordpersonal greift häufig gar nicht ein, es scheint sich dafür oft nicht zu interessieren.

Da stimme ich Dir zu. Ich finde es allerdings nicht richtig, daß das Personal (nicht) so handelt.

Verbot in den AGB hin oder her (steht das dort drin?), es muss eben auch umgesetzt werden. Ein "Restaurant" kann eben vieles sein.

Ein Restaurant ist aber kein Büro.

Was die Durchsetzung von Regeln durch das Zugpersonal angeht, gibt es allerdings ohnehin einen gigantischen Spielraum. Von einem Zugchef, der renitente Bahnsteigraucher, die nicht im Raucherbereich stehen von der Weiterfahrt ausschließt und konsequent mit deren Gepäck an Bord weiter fährt, weil sie sich der Aufforderung, das Gepäck aus dem Zug zu holen, widersetzen, bis zu einem Zugchef, der Fahrgäste, die ihn bitten, geltende Regeln durchzusetzen, von der Fahrt ausschließt, weil "er der Zugchef ist, er die Regeln macht und der Papierkram ihn einen feuchten %&%$/& interessiert", habe ich da schon die komplette Bandbreite erlebt. Nicht, daß mir das gefallen würde.

Das mag es geben. Genau so gibt es viele Restaurants, die Geschäftskunden anziehen und gar nichts dagegen haben, wenn da jemand arbeitet.

Ich glaube, du kennst eine andere Art von Restaurant als ich. Ich stelle mir gerade vor, wie der Oberkellner bei meinem Stammkroaten in seiner bekannt-charmanten Art reagiert, wenn jemand einen Laptop auf den Tisch stellt. Der Gedanke hat was erheiterndes, solange man sich nicht vorstellt, derjenige mit dem Laptop zu sein.

Sogar sg. "Meetings" mit einigen Laptops sollen gelegentlich in Restaurants stattfinden und manch Restaurantbetreiber hat diesen Trend für sich erkannt und rechnet über die Dauer der Anwesenheit statt über den tatsächlichen Verzehr ab (ok, radikales Beispiel).

Daß es Restaurants gibt, die entsprechende Räumlichkeiten anbieten, stelle ich nicht in Abrede. Der "Besprechungsraum" aka Kolleg eines Restaurants, den man auch für Familien- oder Vereinsfeiern mieten kann ist aber etwas anderes als der "normale Teil" eines Restaurants.

Ich schaue gerade in ein Restaurant und kann dort auf Anhieb zwei Personen erkennen, die mit ihren Computern am Tisch sitzen. Die sind noch nicht rausgeflogen. Das Bild ist da meiner Meinung nach ganz wesentlich differenzierter, als du es hier darstellst. Es gibt da ziemlich große Unterschiede in der Herangehensweise und auch in der Klientel.

Wie gesagt, ich weiß nicht, was für eine Art von Restaurant Du da siehst, aber so etwas kenne ich höchstens vom McDonald's am Bahnhof, den ich nicht wirklich als Restaurant sondern eher als Wartesaal mit Verpflegung bezeichnen würde.

Die Besonderheit am Bordrestaurant ist ja dann, dass sehr viele verschiedene Personengruppen aufeinandertreffen, weil die alle ein Mobilitätsbedürfnis haben. Mir wäre es da lieber, wenn alle Bedürfnisse was vom Restaurantwagen haben könnten. Warum jetzt eine Personengruppe rigoros rausfliegen sollte, weil eine bestimmte Verhaltensweise nicht akzeptiert wird, verstehe ich nicht.

Weil sie Dinge tut, die in einem Restaurant nichts zu suchen haben. Ersetze "am Laptop arbeiten" durch "auf den Tisch k*cken". Und plötzlich stellt sich die Frage nicht mehr, warum für letzteres die Toilette der geeignetere Ort ist.
Weniger drastisch formuliert: Jemand, der mit Laptop da sitzt, belegt ohnehin meist schon zwei Plätze, weil drumherum Unterlagen ausgebreitet werden. Er müßte also schon mal den doppelten Umsatz erzielen, den jemand erzielt, der zum Essen kommt. Wenn jetzt der Laptopnutzer in seiner Großzügigkeit doch noch ein belegtes Brötchen bestellt, braucht er noch mehr Platz, bis hin zum kompletten Vierertisch.
Weiterhin steht ein normaler Mensch nach dem Essen, Nachtisch, eventuell noch nen Kaffee hinterher und Begleichen der Rechnung auf, begibt sich wieder auf seinen Platz im Zug und ermöglicht somit die weitere Generierung von Umsatz. Nehmen wir mal großzügig an, der normale Gast hält sich eine Stunde im Bordrestaurant auf und belegt einen Platz. Der Laptopklapperer belegt 2-4 Plätze und das über sagen wir mal drei Stunden. Macht in der summe sechs bis zwölf Speisegastäquivalente. Jetzt erzähl mir bitte nicht, daß ein Laptoptipper das sechs- bis zwölffache an Umsatz generiert.

So könnte man die Diskussion ja ins unendliche aufbrechen: Warum dürfen die, die nach fünf Bieren sich schon viel zu laut unterhalten und aus dem Restaurant eine Kneipe machen, sitzen bleiben, obwohl sie andere Mitreisende ja ggf. auch stören?

Da wünsche ich mir norwegische Verhältnisse. Da kriegen Wirte, die zulassen, daß Gäste zu viel Alkohol bekommen, einen auf den Deckel.

Puh, na ja. Ich finde das letztlich unnötig scharf diskutiert, die wirklich heftig zum Ausdruck gebrachte Aversion gegen diese Kundenklientel kann ich noch nicht so richtig nachvollziehen.

Wenn Dir solche Personen mehr als nur einmal das angenehme Frühstück auf den Weg in den Urlaub verhagelt haben, weil Du wegen ihnen keinen Platz im Bordrestaurant findest, verstehst Du es. Die Fahrzeit von Hannover nach Hamburg würde sich perfekt für das Frühstück eignen, mangels Zwischenhalten ist allerdings nicht damit zu rechnen, daß unterwegs was frei wird.

Davon abgesehen halte ich einen nicht unerheblichen Teil des geschäftlichen Tastengeklappers im Zug für Wichtigtuerei. (Achtung: nicht unerheblicher Teil != es trifft auf alle zu!) Wenn ich geschäftlich im Zug bin, steckt der Laptop in der zugehörigen Tasche und bleibt auch da. Die Arbeit wird vorher im Büro vorbereitet, der Rest passiert beim Kunden. Wenn ich im Zug mit meinem Netbook dasitze, ist das entweder privates Hobby oder Arbeit im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements. Geschäftliche Dokumente würde ich in so einer öffentlichen Umgebung ohnehin nicht öffnen wollen. Aber - und da stimmst Du mir sicherlich zu - mit Geschäftsgeheimnissen und Datenschutz hat es zumindest die Fraktion, bei der es Wichtigtuerei ist, ohnehin nicht besonders.

Schon viele interessante Dinge von Schlipsträgern mit Laptop im Zug mitbekommen habende Grüße
der Colaholiker

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