CN: HGV ist für Normalchinesen, Ultra-HGV eine Prestigesache (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 15.04.2011, 14:23 (vor 5470 Tagen) @ Henrik

Oscar (NL):

In diesem Beitrag wird übrigens auch erwähnt, dass Zhao Yang Normalchinese sich die Fahrkarten der ultraschnellen Züge (300-350 km/h) nicht leisten kann und stattdessen mit einem "schnellen" Zug (200-250 km/h) fährt

Alphorn (CH):

Laut dieser Meldung reduziert China das Maximaltempo seiner HGV-Züge von 350 auf 300.
Aber wieso kaufen die jetzt noch Zefiros mit 380 km/h?

China ist aufgrund des Umfangs des Landes ein ideales Probegebiet für Ultra-HGV und das Land möchte das gerne zeigen. Das Land hat zunächst wieder fast 300 Milliarden Euros für die Bahn freigemacht.
(als absolute Zahl beeindruckend, aber pro Einwohner durfte CH wohl mehr investieren)

In China ist fast der komplette Weltmarkt des HGV vertreten.
CRH1 ist ein Bombardier/Sifang Produkt; Zefiro380 ist eine Variante davon, sowie der Zefiro250 Nachtzug.
CRH2 ist ein auf Shinkansentechnologie basiertes Kawasaki/Sifang Produkt.
CRH3 ist der Siemens/Tangshan Velaro CN.
CRH5 ist eine Variante auf Alstom Pendolino.
CRH6 ist eine rein chinesische Entwicklung (obwohl der Zug wie ein "ET440 auf Doping" aussieht)
Hinzu kommt noch die berührungsfreie Bahn in Shanghai.

Zum Zefiro380: Bombardier möchte damit wohl zeigen, dass man auch bei 380 km/h noch "energiesparend" unterwegs sein kann. Ein Überblick aller Energiesparmaßnahmen findet man hier.
Nur meine Gedanke dazu: wie energiesparend ist man denn, wenn man das ganze in einem "normalen" 200-250 km/h Zug einbaut?

Die Rechtfertigung von sehr hohen Geschwindigkeiten sehe ich nur dort, wo auf einer Teilstrecke eine ITF-Kantenzeit erreicht werden muss. Als Dauergeschwindigkeit sind Tempi oberhalb von 300 km/h, vielleicht sogar oberhalb von 250 km/h fragwürdig.

Weiß ich nicht. Ist eine Frage von Wirtschaftlichkeit vs. Umweltbelastung.
Mit 380 km/h vmax durfte man Beijing-Shanghai auf 3-4 Stunden zurückbringen. Genau die Fahrzeit, wo die Bahn in Vergleich zum Flieger die bessere Alternative wird.
Ob 380 km/h mit der Bahn auch umweltfreundlicher ist als mit dem Flieger, bin ich mir nicht sicher. Laut Bombardier soll das möglich sein, aber Bombardier ist ein Zughersteller (sogar der Zefiro-Hersteller) und daher keine unabhängige Infoquelle.

Henrik:

Wobei in dem stern-Artikel nicht erklärt wird, von was für TGV-Zügen in China sie sprechen....

Journalisten sind nicht notwendigerweise Bahnfans.
TGV durfte hier als allgemeiner Hochgeschwindigkeitszug interpretiert werden.
Genauso wie wir alle "iPod" sagen, aber "MP3-Spieler" meinen.

Alstom fährt doch eine Total-Pleite nach der anderen ein, kommt in China mit Zügen für Geschwindigkeiten über 250 km/h gar nicht zum Zuge.

Ob das eine Pleite ist, weiß ich nicht. Kann es sein, das Alstom bewußt dafür gewählt hat, (noch) nicht in CN zu investieren? Ich stelle mich vor, Alstom kommt erst ins Rennen, wenn Beijing-Shanghai so stark nachgefragt wird, dass Doppelstockzüge nötig sind.

Ansonsten kann ich Deine Gedanken verstehen. Wer als Zughersteller etwas in HGV zu bedeuten haben möchte, soll in China dabei sein; aktuell ist China das ultimative HGV-Podest.

Ein zwanghafte krampfhafter ITF ist im HGV natürlich total fehl am Platze, unnütz und vor allem kontraproduktiv.

Beim 380 km/h Ultra-HGV stimme ich Dir zu. Das sind Punkt-Punkt-Verbindungen: von A nach B hält man nicht in C, denn die Reisende in A und B haben für ihre Fahrt nach C eigene Züge. Genauso wie bei Paris-Lyon-Marseille durfte es auch auf Beijing-Wuhan-Guangzhou aussehen.

Aber China investiert auch in "regionalen HGV"; die letzte Baureihe (CRH6) ist gerade dafür entwickelt worden. Sozusagen der chinesische ICx. Und da kann ein ITF Sinn machen (keine definitive Stellungnahme, dafür kenne ich China nicht ausreichend).
So geht's in Frankreich ja auch. Die TGVs nach Paris bleiben ihren Punkt-Punkt-Charakter erhalten, dafür sollten aber die RegionalExpresse und Corail-Züge nach "cadencement" ausgelegt werden und bessere Anschlüsse TGV<->Regio bieten.
Wieso soll das in China nicht möglich sein?

Es kann natürlich sein, dass vor allem in den Küstenprovinzen aufgrund der dichten Besiedlung ICs in 15- oder 10-Minutentakt benötigt sind, genauso wie in Japan oder bei uns in NL. Dann braucht man keinen ITF mehr.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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