Auf Sand gebaut... (Allgemeines Forum)

Sese, Donnerstag, 23.09.2010, 20:57 (vor 5717 Tagen) @ fjk

Aber die PM hört sich schon so an, dass die S-Bahnen damit nachgerüstet werden müßten. Ich finde, nachrüsten kann man nur etwas, was vorher nicht da war. Oder geht es vielleicht um Steuerwagen? Ich hab mal "irgendwo" gelesen, dass bei den Silberlingsteuerwagen ursprünglich/teilweise keine Sandstreuer waren und die dann eben nachgerüstet wurden. Das wären dann ja keine Tfz (und der Sand dann wohl vornehmlich zum Bremsen da, aber das sit ja auch wichtiger) und die Dinger auch nicht von Vorneherein Pflicht - ist das die Erklärung, oder funktionieren die jetzt verbauten einfach nur nicht?

Ich denke, dass es ganz konkret um die Baureihen 423 - 426 gehen, die ja jedes Jahr im Herbst wiederholt durch ungünstig lange Bremswege auffallen die schonmal dazu führen können, dass das ein oder andere Haltzeigende um ein paar Hundert Meter überfahren wird.
Und ja, diese Triebwagen haben und hatten immer schon eine Sandstreueinrichtung, nur dass aus welchen Gründen auch immer das Sanden hier auch nicht viel gebracht hat. In der letzten Zeit hat man Versuche gemacht mit Sandstreueinrichtungen, die den Sand ganz gezielt zwischen Rad und Schiene schießen (oder so ähnlich) und damit eine deutlich bessere Wirkung haben. Das soll wohl nachgerüstet werden. Der Königsweg, nämlich der Einbau einer Mg ist so ohne weiteres wohl nicht möglich gewesen oder zu teuer oder was auch immer.

Ich hab ja auch nichts gegen den Sand, suchte nur nach einer Erklärung, warum man ein so einfaches und bewährtes Mittel einfach weglässt, zumal genug Erfahrungen (z.B. Silberlinge, s.o.) vorliegen, dass das keine gute Idee ist. Und die dachte ich in einer ABS/ASR-Elektronik gefunden zu haben.

Nene, Sand gab und gibt es schon immer und ist auch unverzichtbar.

Aber einer "Gleisfreimeldung durch Hinsehen" oder wie das heißt, kann keines der beiden Systeme Sand in die Augen streuen.

Gleisfreimeldung durch Hinsehen ist um ein Vielfaches unsicherer als z. B. durch Achszähler. Was, wenn der Fdl im großen Bahnhof aus versehen ein falsches Gleis sieht, vielleicht Nebel ist und er zu faul ist vor die Tür zu gehen? Was wenn er sich bei der Zugschlussbeobachtung darauf verlässt, dass der Zug alles dabei hat - die letzten 5 Jahre war der Zug ja auch immer vollständig?

Natürlich sollte man sich entsprechende Systeme gerne als Hilfsmittel zu Nutze machen. Aber das auf die Spitze zu treiben und Stellwerker in irgendwelche fensterlosen Bunker zu sperren, nach Südostasien outzusourcen oder ganz durch Rechner zu ersetzen, da kommen mir persönlich ungute Gefühle hoch.

Wenn das ganze System fail-safe ist, zuverlässig ist und hilft, enorme Personalkosten zu sparen, dann sehe ich nicht was dagegen spricht, ein ESTW zu errichten und die Strecke von der BZ aus zu steuern.

Interessant aber auch, dass durch Verbesserung eines Systems (Bremse) ein anderes (automatische Laufflächenreinigung) gar nicht mehr und ein weiteres, zu dem Zeitpunkt sicher noch aktuelles (Gleisfreimeldung), nur noch schlecht funktioniert.

Die Gleisfreimeldung mit Gleisstromkreisen funktioniert nach wie vor ganz hervorragend, von schlecht funktionieren kann nicht die Rede sein. Man hat nur anhand eines Unfalls in Recklinghausen festgestellt, dass es in sehr seltenen Ausnahmesituationen dazu kommen kann, dass das Gleis fälschlicherweise als frei angezeigt wird - hier hat man aber m. W. umgehend die Regelung erlassen, dass ein Triebfahrzeugführer eines scheibengebremsten Triebfahrzeugs nach einer durch Sandung unterstützen Schnellbremsung umgehend den Fahrdienstleiter über seinen Standort informieren muss (legt mich jetzt nicht auf den Wortlaut fest).

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Grüße,
Sese


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