EC München - Zürich, wo ist eigentlich das Problem? (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Mittwoch, 06.09.2023, 18:45 (vor 964 Tagen) @ Holger2
bearbeitet von Twindexx, Mittwoch, 06.09.2023, 18:49

Hoi,

Wenn ich es richtig verstanden habe, werden die Belastungsspitzen am frühen Nachmittag erreicht - das betrifft aber dann vermutlich nur den Schweizer Teil der Strecke (?). Das macht ja auch Sinn, weil nachmittags der Berufsverkehr mit den Rückfahrern im Fernverkehr zusammentrifft, während morgens der Berufsverkehr vor den Fernpendlern in Zürich ankommt.

Nein, das betrifft eher nicht den Schweizer Teil. Der abendliche Pendlerverkehr Zürich-St. Gallen findet ja hauptsächlich in EC 197 um 17.33 Uhr ab Zürich HB statt und dort wird dieser mit der Doppeltraktion vom internationalen Publikum getrennt. Da gibts von Seiten des Pendlerverkehrs keine Überlast. Die Überlasten in EC 197 sind dann alle ab St. Gallen nach München zu verzeichnen, wenn nur noch eine Einheit verfügbar ist.
Die Überlasten bei EC 197 treten alle an Freitagen auf, insbesondere hier wird EC 195 eine Entlastung bewirken (zumindest an normalen Freitagen, an den Feiertagswochenenden sind dann einfach nochmal mehr Leute unterwegs). Wenn ich mir den 17. Mai 2023 anschaue, der Tag vor Auffahrt, wo EC 195 schon fuhr, da waren grenzüberschreitend EC 99, 195 und 199 überlastet; EC 97, 191, 193 und 197 waren zwar nicht überlastet, aber alle mit über 80% Auslastung über die Grenze hinaus unterwegs.

Eigentlich nur in EC 190 zwischen St. Gallen und Zürich HB trifft internationales Publikum mit Berufspendlern zusammen (wobei das deutlich weniger sind als in EC 197, es arbeiten eben schon deutlich mehr Leute in Zürich als in St. Gallen).
Wenn ich aber schaue, an welchen Tagen EC 190 Überlast hat, dann sind das in erster Linie Sonntage (bzw. Pfingstmontag) und da gibts eher keine Berufspendler. Diese Überlasten werden hier bereits ab München gemessen und 75% der Fahhrgäste fahren München-Zürich durch.

Es ist also schon ein Problem auf der internationalen Relation und tatsächlich weniger innerhalb der Schweiz.

Rein theoretisch wäre es sogar möglich, in Deutschland einen Stundentakt einzuführen. Die Begegnung wäre dann in Wangen, die Abfahrt wäre in Lindau dann 4 Minuten früher / später.

Nein, wäre nicht möglich. Die Fahrzeit Wangen-Memmingen liegt leicht über 30 Minuten, weshalb das Kreuzungsraster nicht aufginge. Zudem fahren die stündlichen Regionalzüge in zwei asymmetrischen Zweistundentakten, womit ein EC in der anderen Stunde wegen der Einspur Kisslegg-Leutkirch nicht durchkäme.

Für einen Stundentakt des EC in heutiger Fahrlage müssen daher zwingend Doppelspurabschnitte im Bereich Ratzenried (EC-Eigenkreuzung), also von Wangen ausgehend bis auf halbem Weg nach Kisslegg, und zwischen Kisslegg und Leutkirch gebaut werden (Kreuzung EC/RE).

Es ist aber auch fraglich, inwieweit Deutschland ein Interesse an einem weiteren Ausbau hat: Die Strecke führt durch das sehr gering besiedelte Oberallgäu, wo die Nachfrage an Zugverkehr sowieso gering ist. Ein weiterer Doppelspurausbau oder Verlängerung von Bahnsteigen für einzelne Zugspaare dürfte an der Wirtschaftlichkeit scheitern.

Es geht ja nicht um die Anbindung vom Oberallgäu, sondern um die internationale Verbindung zwischen zwei bedeutenden europäischen Wirtschaftszentren. 75% der Fahrgäste in den EC auf deutschem Boden fahren nach Zürich.

In anderen ähnlich strukturierten Gegenden mutiert dann der EC zur RB und bedient alle Unterwegshalte, um den Grundbedarf zu decken. So hält der EC Frankfurt - Zagreb ab Salzburg noch in Golling - Abtenau, Bischofshofen, St. Johann i.P., Schwarzach-St. Veit, Dorfgastein, Bad Gastein, Hofgastein, Mallnitz - Obervellach und Spittal. Für die 99% durchreisenden Fahrgäste freilich eine Zumutung, aber eben anderswo absolut Standard. Ähnliche Beispiele gibt es auch im Schwarzwald.

Das sind jedoch keine passenden Beispiele. Im Schwarzwald fährt der IC insbesondere auch, um genau diese Orte zu bedienen, da kommt der Zug nicht bereits mit 75% der Nachfrage vom Ausland her.

Auf der Tauernstrecke fehlt offenbar die Nachfrage, um Regionalzüge und Fernzüge separat zu führen und ähnlich wie am Arlberg gibt es genau ein Basisprodukt und das ist der stündliche Fernzug, der dann auch die Aufgaben des Regionalverkehrs übernimmt.

Der EC Zürich-München hingegen lebt dagegen hauptsächlich von den am Stück durchfahrenden Fahrgästen ab München nach Zürich und füllt sich damit eben auch. Beim EC gehts gar nicht darum, Lindau, Memmingen oder Buchloe anzubinden, man nimmt die Halte einfach mit, weil sie eben noch passen. Ist wie beim ICE-Sprinter München-Berlin, der lebt auch nicht davon, dass er Erfurt und Halle bedient (da kommen ja jetzt sogar Verbdindungen Nürnberg-Berlin nonstop).


Grüsse aus der Ostschweiz

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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