[EST] [FI] Unterwassertunnel: Neue Regierung, neues Glück? (Allgemeines Forum)

SPFVG, Mittwoch, 17.02.2021, 15:15 (vor 15 Tagen) @ Chrispy

Lol, was ist das denn für ne witzige Einbahnstraßendenke? Die Russen dürften selbstverständlich mit zahlen, ist doch logisch.


Lies meinen Abschnitt noch einmal, Stichwort: "mitfinanzieren".

Du schriebst:
"Du willst also mit dem EU-Geld lieber den Russen eine SFS Kaliningrad - St. Petersburg mitfinanzieren."

Solltest Du damit auch den umgekehrten Fall gemeint haben, dass die Russen auch für den EU-Teil zahlen, ist alles in Ordnung. Drück Dich dann das nächste Mal aber bitte etwas deutlicher aus.

Schon mal was von Transitzügen durch die DDR nach West-Berlin gehört? Wenn man sowas auf dem Höhepunkt des kalten Krieges fertig brachte, sollte das heutzutage auch kein Problem sein - wenn man denn wollte.


Ja, kenn' ich. Kennst du die Berliner Luftbrücke und die Gründe ihrer Existenz? Denkst du, die BRD hätte die Transitzüge über DDR-Gebiet fahren lassen, wenn man West-Berlin über eigenes Territorium hätte erreichen können? Wohl eher nicht.

Wieso nicht, wenns kürzer und schneller geht? Heutzutage geht das auch ganz entspannt, da sind keine Systemunterschiede mehr. Schau Dir den relaxten Transit der Russen durch Litauen an. Jeder bekommt bei der Zugfahrt nen Stempel in den Transitschein, Visa braucht es nicht, fertig. Wo ist das Problem?

Aber die Verhältnisse bei Kaliningrad sind ja gerade umgekehrt. Warum also einen Transitzug über eine Exklave fahrenlassen?

Weil es kürzer ist und das Verkehrsaufkommen nach Zentraleuropa höher wäre.

Umgekehrt könnte man das gleiche für Reisende Kaliningrad - RUS anbieten - wenn es ds nicht schon gäbe.


Das bedarf jedoch eher einer Ost-West Strecke durch Litauen und Wiessrussland und nicht einer Nord-Süd Strecke durch die Baltischen Staaten.

Du weisst wo St.Petersburg liegt? Zur Erinnerung, ich schrieb:
"Wenn mans richtig machen würde, müsste man sich mit Russland zusammensetzen und das ganze Projekt mit einer SFS Kaliningrad-St.Petersburg kombinieren."

Ist aber nicht so einheitlich wie es scheint: Finnland hat 1524 mm - und das Baltikum 1520 mm Spurweite. Ist zwar kompatibel, aber Fahrdynamisch ungünstig.

Es geht und die finnischen Pendolinos fahren dies- und jenseits der Grenze sogar bogenschnell. So schlecht können die Gleise gar nicht sein. In jedem Fall besser als Normalspur.

Das Ziel ist eine Anbindung an Westeuropa und spurwechsel sind eben das grösste denkbare technische hindernis für Schienenverkehre. Die baltischen Staaten haben zudem eher ein spärliches Bahnnetz, welches relativ Günstig auf Normalspur umgestellt werden könnte.

Richtig, "könnte", macht man aber nicht. Anstatt eines Spurwechsels an der Grenze Litauen/Russland - Polen hat man stattdessen jetzt 100e Spurwechseln in Estland, Lettland, Litauen. Sehr tolle Idee.

Natürlich hat Verkehrsplanung mit Politik zu tun. Man hat mit dem europäischen Wirtschaftsraum die grösste Freihandelszone der Welt geschaffen. Ein politischer Entscheid, der die Voraussetzung für den Ausbau vieler Handelswege stellt, siehe TEN-Korridore inklusive Rail Baltica. Die Basistunnel in der Schweiz z.B. wurden nur aufgrund der politisch gewollten Verlagerung des Lastwagenverkehrs auf die Schiene gebaut. Auch Deutschland plant politisch, wie die diversen VDE projekte oder der Deutschlandtakt zeigen. Die Politik gibt sogar Verkehre vor: TEE 2.0 und neue Nachtzugverbindungen.

Jo, aber halbwegs sinnvoll sollte es halt trotzdem sein. Ein Basistunnel durch die Alpen hat seine Vorteile, aber eine Normalspurbasisstrecke durch Breitspurländer?

Nö, eben deshalb mit Transitzügen durch. Über Kaliningrad ist nunmal die kürzeste Strecke. Anhalten muss man deshalb nicht. Halten würden dagegen die Züge Kaliningrad-St.Petersburg.


Wollte man lediglich die preussischen Stammlande wieder mit dem Rest von Preussen verbinden, dann ist die geplante Strecke vielleicht ein Umweg. Nur hat sich die politische Lage seit 1918 verändert. Zudem existiert ausserhalb von Preussen auch noch (Zentral-) Europa.

Du meinst Polen, Slowakei, Ungarn? Klar gibts das, aber wie sind da die wirtschaftlichen Zusammenhänge? Rentiert sich da eine neue Strecke?

Äh ja, nach Warschau ist es ein Umweg über Kaliningrad. Aber die Frage ist, wie viel Verkehr will nach Warschau und Ostpolen und wie viel nach Deutschland und Zentraleuropa.


In Litauen geben ca. 10% der Bevölkerung Polnisch als Muttersprache an, also kulturell sind die Länder daher ja schon mehr verbunden als das Baltikum und Deutschland.

Öhm ja, es gibt ne pol. Minderheit in Litauen, aber es gibt deutlich mehr Arbeitsmigranten in West-Zentraleuropa als in Polen. 2019 waren das gerade mal 158 Litauer, die in Polen ihr Glück suchten. In Deutschland, Benelux und Dänemark waren es dagegen 5000. Die können sich mit ihren Löhnen auch eher teure Zugtickets leisten, als der Durchschnitts-Litauer.

Desweiteren nehmen Personenverkehre generell mit steigender Distanz ab und für Güterverkehre sind Umwege im bereich von 100 km meist nicht relevant. Und ja, grösser ist der Umweg nicht, denn sonst würde man die Städte Kaunas und damit Vilnius (noch mehr) von der NBS abhängen (siehe Link oben). Die Pläne für Rail Baltica beinhaltet eine 870 km lange NBS zwische Warschau und Tallinn (ev. Helsinki ca. 980 km). Wieviele Personen meinst du würden eine ca. 1500 km Bahnreise Berlin - Tallinn auf sich nehmen?

So viele, die auch Berlin- Rom fahren ;) 1500 sind übrigens übertrieben, es sind 1250-1400km. Je nachdem ob nun über Kaliningrad oder Warschau.
Hauptvorteil läge natürlich auf Seiten der Litauer, die näher an Berlin und dem restl. Westeuropa ranrücken würden. Vilnius läge ideal in der Weiterführung für eine Direktanbindung. Nach Vilnius wäre es nach Berlin ca. 850 km. Was ca. der Strecke Lille-Marseille entspräche. Die schafft ein TGV in 5 Stunden. Gehen wir mal von 6 Stunden aus, da die Strecke sicher nicht so gut ausgebaut werden würde, dann wäre das immer noch ganz ordentlich für die Entfernung. Frag mal die Litauer, was sie von 6 Stunden Vilnius - Berlin hielten ...

Da gibt es wohl mehr Potential auf der Relation Berlin - Warschau.

Klar gibts da noch mehr, v.a. auch allein deshalb, da es 20x so viele Polen als Litauer gibt. Aber hier gehts um die Rail Baltica und nicht um die Rail Polonia ;)

Züge mit langen Laufwegen werden halt meist nur auf Teilstrecken genutzt und somit ergibt eine Anbidung über Warschau schon mehr Sinn als direkt nach Preussen um 1914.

Nö, da ziehst Du wieder falsche Schlüsse. Nur weil Warschau näher ist, müssen die Litauer Dir deshalb nicht den Fahrkartenschalter einrennen. Wie besagt, Polen ist für litausche Gastarbeiter uninteressant.

Na wenn das so wenig ist, dann macht es ja auch nichts aus, wenn man über Kaliningrad nach Warschau führe. :)


Kaunas-Kaliningrad-Warschau, mensch warum hab ich nicht dran gedacht! ;)

Allerdings, da kann man sich wundern, schließlich warst Du derjenige der meinte, Umwege spielten keine Rolle ;)


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