Wie viele Bahnstrecken gibt es in Luxemburg? [LU][BE][FR] (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Donnerstag, 07.01.2021, 17:36 (vor 15 Tagen) @ Krümelmonster

Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich sehr früh losfahren. Für heute Morgen hatte ich nämlich die Strecke nach Wiltz eingeplant. Die CFL veröffentlicht immer sehr vorbildlich Anfang des Jahres eine Übersicht für das komplette Jahr, auf welchen Strecken wann Bauarbeiten stattfinden (bei der DB konnte man damals froh sein, wenn das schon 2 Wochen vorher stattfand; im Jahr, dessen Name nicht genannt werden darf, erlebte ich mehrmals, dass Züge erst während der Fahrt von diesen hinterhältigen Bauarbeiten überrascht wurden). In jener Übersicht stand zwar, dass die Nordstrecke Ettelbruck – Troisvierges zur Zeit meines Besuchs gesperrt sei, aber zu Kautenbach – Wiltz stand nichts. Gut, dann würde ich halt mit dem SEV nach von Ettelbruck nach Kautenbach fahren. Erst sehr kurzfristig wurde bei mobiliteit.lu angegeben, dass auch auf der Stichstrecke Kautenbach – Wiltz SEV sein würde, ganz ohne Bauarbeiten. Meine Reaktion könnt ihr euch ungefähr so hier vorstellen: Darüber freute ich mich Garnich. Da hatte ich extra ein Wochenende rausgesucht, an dem ich Zeit hatte und an dem auf keiner der relevanten Strecken Bauarbeiten geplant waren (gar nicht so einfach). Dann plante ich die ganze Tour genau so, dass ich danach alle Bahnstrecken Luxemburgs befahren haben würde – auch das ist nicht ohne, da etliche Strecke am Wochenende nur äußerst selten oder gar nicht befahren werden. ;-) Und dann grätscht mir die CFL mit grundlosem SEV dazwischen…
Stattdessen fuhr ich in der Früh gleich nach Arlon in Belgien. Ein Ticket ab Luxemburg-Stadt dorthin kostet normalerweise 10,80 € für eine einfache Fahrt – bei 23 min Fahrtzeit nonstop (an Tagen, die nicht Sonntag heißen, geht es komischerweise 2 min schneller). Allerdings gibt es (wohl nur bei der CFL am Schalter erhältlich) eine Tagesrückfahrt ab einem beliebigen luxemburgischen Bahnhof nach Arlon und zurück für 13 €. Hinzu beeilte sich der Zug im Großherzogtum auf der einzigen Strecke mit Linksbetrieb sehr, überquerte die Grenze gleich 4 min vor Plan, doch in Belgien folgte Schleicherei, sodass Arlon mit + 3 erreicht wurde – eine min später und es wäre eine Verdopplung der Fahrzeit auf belgischem Territorium gewesen. :D Dabei hatten die Belgier sonntags extra schon 2 min Fahrzeit drauf geschlagen.^^
Ich nutzte die knappe Stunde, um die hübsche Kleinstadt mit 30.000 EW zu erkunden. Am Ende wunderte ich mich sehr, hier sonntagmorgens einen geöffneten Supermarkt zu finden, aber freute mich und leerte seine Keks-Abteilung. B-)
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56 – 57 Belgier-Bahn
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58 Der Bahnhof von Arlon
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59 Die Kirche Saint-Martin
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60 Am Place Léopold stehen linkerhand der Palais Provincial und rechts der alte Justizpalast, der heute als Kunstzentrum dient
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61 Unspektakulär geht’s zurück
Nach kurzem Umstieg in der Hauptstadt fuhr ich wieder in den Südwesten Luxemburgs nach Pétange. Dafür wählte ich die RB über Esch – mit 51 min wurde das meine längste Fahrt jemals in Luxemburg. :D Ich aß ein Babyschaf in einem portugiesischen Restaurant und fragte, ob ich meine Tasche mit den Keksen dort lassen könnte. Da der Kellner/Betreiber nicht verstand, warum ich meine Tasche bei ihm lassen wollte, er selbst kein Deutsch sprach, und da mein Französisch nicht überzeugend genug war, holte er extra seinen Sohn (ca. 10 Jahre), der eine luxemburgische Schule besuchte und offensichtlich auf Muttersprachler-Niveau Deutsch konnte.
Ohne Tasche machte ich mich sodann kurz nach eins auf zu den Museumsbahnen im äußersten Südosten von Luxemburg (Link zur Übersichtskarte). Es sind übrigens die einzigen Strecken im Großherzogtum, die planmäßig mit Dieselzügen befahren werden. Oder mit Dampf. ;-) Züge fahren hier nur im Sommer an Sonntagnachmittagen (oder auch an manchen Feiertagen nachmittags), was meine Planung noch etwas anspruchsvoller machte. ;-) Ich begann in Pétange (in der eben verlinkten Karte ganz im Nordosten & beschriftet mit „Train 1900“) mit einem Uerdinger Schienenbus auf der schwarz-grau gestrichelten Strecke bis Fond-de-Gras. 30 min brauchte er für die 6 km – auch wenn davon 10 min Halt zur Zugkreuzung sind, ist das immer noch nicht schnell.^^ Allerdings startete der Uerdinger mit + 6 und hatte immer noch massig Luft. :D Das Ticket kostete 10 € und galt für die Strecken nördlich von Fond-de-Gras (ich nahm alle Strecken mit, da waren es 68 ct/km^^). In Fond-de-Gras waren 20 min Pause, dann nutzte ich die Gelegenheit, noch die Strecke nach Bois-de-Rodange mitzunehmen (ebenfalls schwarz-grau gestrichelt; braun gestrichelt z. B. nördlich davon bedeutet, dass die Strecke nicht mehr existiert). Die Fahrzeit betrug für 1,4 km je 5 min, genauso lang war der Aufenthalt dort.^^
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62 Der Bahnhof von Pétange von weitem
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63 Museumsbahnhof in Pétange
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64 Altes Zeug
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65 Zuglaufschild
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66 Gestühl
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67 Opas Steuerinstrumente
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68 Die Weichen werden noch manuell gestellt, danach wird laut „OK!“ gerufen
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69 Einfahrt des Gegenzuges
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70 Da dampft er ab
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71 In Fond-de-Gras angekommen
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72 – 73 Altes Spielzeug
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74 Stellwerk & Fahrkartenschalter
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75 Das Gleisende in Bois-de-Rodange
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76 Der Uerdinger ebendort
Nun hatte ich eine gute halbe Stunde Pause in Fond-de-Gras. Ich folgte der Ausschilderung zur nächsten Museumsbahn. Dabei lief ich allerdings ohne es zu merken bis zum Bahnhof Fond-de-Gras Giedel (in der Übersichtskarte nicht beschriftet, kurz östlich von Fond-de-Gras in der Spitzkehre). Die nächste Museumsbahn startet normalerweise dort, einmal pro Betriebstag fährt sie aber auch hinunter zum „normalen“ Bahnhof Fond-de-Gras. Leider verpasste ich diese Gelegenheit, ca. 400 m neue Strecke zu machen, aber ganz ehrlich, das ist ok, damit komme ich klar. :D Für die zweite Museumsbahn (grob die Strecken südlich von Fond-de-Gras) ist das Ticket mit 7 € zwar günstiger, aber relativ gesehen waren die Fahrten mit 71 ct/km sogar noch einen Ticken teurer. :D In planmäßig 10-minütiger, tatsächlich nur halb so langer Fahrt mit einem Dampf-Löckchen ging es nun auf der gelben Strecke weiter nach Doihl, wo alle ins elektrische Urviech umstiegen. Ein Schild wies eindringlich auf die Gefahr hin: „Pinkeln verboten! 500 Volt!“ :D Das E-Urviech war nötig, da man mit dem Dampf-Löckchen schlecht durch den Bergwerksstollen fahren kann. ;-) Das Eurviech brachte uns in planm. 15-minütiger Fahrt ab durch den Berg (Ankunft sogar mit – 6 :D) in den letzten, hintersten Winkel des Großherzogtums: nach Lausauvage unmittelbar an der französischen Grenze.
Weiter sollte es wieder mit einem Diesel-Teil gehen (Batiruhr 10 müsste diese Art heißen). Bevor jenes loslegen konnte, musste es allerdings noch warten, bis das Eurviech nicht mehr den Weg blockierte, sondern zurück in seinen Berg verschwand. (Auch eine Stunde später stand das Eurviech im Weg, das ist offenbar planmäßig so. :D) Das Diesel-Teil startete deshalb mit + 6 und cruiste entlang der Grenze zum Land des Schnurrbarts von Lausauvage 5 min weit Richtung Süden bis Lausauvage-Église. Plötzlich stoppte es mitten im Wald. Ganz hinten sitzend wurde ich schon etwas unruhig, bis das Personal durchging und erklärte, hier sei der Endbahnhof, man könne entweder aussteigen und zur Kirche gehen oder eben zurückfahren. :D Ich wählte natürlich zweiteres, fuhr zurück nach Lasauvage und gleich 15 min weiter durch französisches Territorium zum Bergbaustädtchen Saulnes. Von hier ging es dann wieder zurück bis Lasauvage (Ankunft wieder mit – 6 :D). Nun war es schon wieder Zeit, mit dem Eurviech in den Berg zu fahren. Auf der Rückfahrt durchquerte das Eurviech den Berg nicht einfach nonstop, sondern hielt an und es gab es eine 20-minütige Führung durch den Bergwerksstollen. Dabei wurden die Besucher nach Sprachen gruppiert, wobei Luxemburgisch die größte Gruppe war und ausgerechnet Deutsch die kleinste.
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77 Heute stirbt der GartenzaunSchwabe in mir. Und zwar qualvoll… ;-)
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78 Dampf-Löckchen
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79 Eurviech
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80 Viel zu ziehen hat es ja nicht
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81 Das Eurviech blockiert das Diesel-Teil
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82 – 83 Der „Bahnhof“ Lasauvage-Église :D
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84 – 85 Das Diesel-Teil setzt um
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86 Hier nach Ankunft in Saulnes
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87 Bergbauarchitektur in Saulnes
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88 „Durchgang für Fußgänger verboten an Sonn- und Feiertagen vom 01.05. – 30.09.“. Noch interessanter finde ich ja das Schild rechts darüber :D
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89 Diesel-Teil zurück in Lasauvage
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90 Ende der Oberleitung (für das Eurviech) kurz südlich vom Bahnhof
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91 Das Eurviech kriecht wieder aus seinem Berg
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92 Damit die Leute den Bergwerksstollen anschauen können, hält es mitten im Tunnel. Wie der Gotthard, nur nicht so krass. ;-)
Nach Ankunft am Nordportal des Tunnels stiegen in Doihl wieder alle in den Dampfzug nach Lasauvage um. Interessanterweise konnte man entweder mit dem Dampflok der südlichen Museumsbahn (gelbe Strecke in der Übersichtskarte) fahren oder mit dem Dampfzug des nördlichen Betreibers auf der parallelen schwarz-grau gestrichelten Strecke weiter unten am Hang.^^ Ich wählte ersteres. Die Fahrt sollte planmäßig 15 min dauern (warum auch immer, für die Gegenrichtung waren ja nur 10 min angegeben^^), das wären dann 3,8 km/h – da ist man ja zu Fuß schneller. Tatsächlich brauchte das Dampf-Löckchen mit 4 min diesmal noch weniger als auf der Hinfahrt. :D
Eine Viertelstunde nach planmäßiger Ankunft verließ ich Fond-de-Gras mit dem Dampfzug des nördlichen Betreibers, dem auch der Uerdinger gehörte, und fuhr zurück nach Pétange, wo ich kurz nach sechs wieder eintraf. In den letzten 4:45 h hatte ich nicht weniger als 11 Fahrten absolviert, inkl. Zwischenhalten dauerten diese gut 3 h, allerdings wurden nicht einmal 25 km zurückgelegt (und selbst davon entfiel fast die Hälfte auf nur zwei Fahrten Pétange – Fond-de-Gras und zurück :D). Auf meine Statistik für Luxemburg und auch für gesamt 2019 hatte der Spaß jedenfalls deutliche Auswirkungen, v. a. bei der durchschnittlichen Fahrt-Dauer & km-Preis. :D Aber es war auch mal ein Erlebnis. :D
Wie schon eingangs gesagt, optimal sind die Bilder nicht, aber was Besseres hat in Zeiten der Seuche wohl niemand auf Lager. -.-
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93 Mit dem Dampf-Löckchen wieder zurück
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94 Nach getaner Arbeit
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95 Interessantes Betriebsverfahren: Die Dampflok schiebt, und vorne hält jemand die gelbe Flagge hoch, solange gefahren werden kann. Es handelt sich um eine reguläre Fahrt mit zahlenden Fahrgästen.^^
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96 Dampfend verlassen wir Fond-de-Gras
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97 ICE4 auf Luxemburgisch ;-)
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98 Nochmal die Kreuzungsstelle Fuusbesch
Zwar hatte ich [lux. Bahnhof] – Luxemburg-Stadt – Arlon – Luxemburg-Stadt – [lux. Bahnhof] gekauft, und [lux. Bahnhof] – Luxemburg-Stadt bislang noch nicht genutzt, aber ich bezweifle, dass es rechtens wäre, einen Teil der Hinfahrt nach gestempelter Rückfahrt zu absolvieren. Um den km-Preis nicht noch weiter steigen zu lassen, nahm ich deshalb zu meinem Übernachtungsort den Bus, nachdem ich meine Tasche im Restaurant abgeholt hatte. Das dauerte 30 min statt 17 (RE) bzw. 23 (RB), aber ich musste nicht erst wieder hoch zum Bahnhof latschen.^^ Ich stieg ein, wollte beim Fahrer ein Ticket kaufen, doch der meinte bloß, ich solle durchgehen. :D Schließlich erreichte ich die zweitgrößte Stadt des Landes, Esch an der Alzette (35.000 EW^^), wo ich in einem Einzelzimmer in der Jugendherberge direkt am Bahnhof übernachtete.
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99 Das Rathaus von Esch/Alzette
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100 – 101 Die futuristische Fußgängerbrücke (die Alliteration war diesmal gar nicht beabsichtigt :D) am dortigen Bahnhof

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Bzw in der Kekspackung. :)


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