Kap. 1/5: Im Bogen ans Schwarze Meer [DE][PL] (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Dienstag, 07.04.2020, 19:14 (vor 120 Tagen)

Hallo liebes Forum,

Anfang September 2018 unternahm ich meine bislang längste Bahnreise.
Wie schon ein Jahr zuvor ging es wieder Richtung Osteuropa und Balkan, diesmal aber freilich mit anderen Stationen.

Hier erstmal die Route im Ganzen:
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Auch wenn es nicht so aussieht, tatsächlich wurden nur die erste und letzte Etappe der Tour auf kreativer Streckenführung zurückgelegt. ;-)


Das ganze Spektakel begann am 31.08.2018 mit dem ICE 1504 von Minga nach Kein Flughafen. Der Wagen war tatsächlich ohne technische Mängel, selbst das WC funktionierte. Problemlos ging es über die RbTW (Rennbahn Thüringer Wald). Bis Leipzig war der Zug stets pünktlich, erst in LuWi gab es zum ersten Mal eine Abfahrt mit + 1. Dafür war er eine Minute zu früh am Südkreuz, was sogar noch reichte, um eine S-Bahn früher zu erwischen. Ich fuhr zur Wohnung meiner Mutter, die selber am Vortag in den Urlaub geflogen war, und übernachtete dort.
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1 Ab geht er!

Am nächsten Morgen fuhr ich zum Healthywell und von dort im RE5 hoch zu den Fischköppen. Binnen knapp sechs Wochen hatte ich nun alle deutschen Bundesländer befahren, mit Ausnahme von Doorwrestling und Thingsee-Onhold (Englisch for Runaways) war ich auch überall wenigstens umgestiegen und in diesen beiden hatte ich immerhin bei mehreren Fahrten gehalten. ;-) Meck-Pomm grüßte mit Nebel. Die betagte 112 zog den Zug zunächst mit 160 km/h die Rostocker Strecke hinauf, um in Neustrelitz abzubiegen und mit 100 Sachen quer durchs Nichts zu fahren. Meistens war Funkloch. Sprich nicht ein Balken und schlechter Empfang, sondern wirklich gar kein Balken. Unschön, wenn man versucht, den wohlerziehenden Eltern und entsprechenden Kindern gegenüber (der Junge hieß Fintley – sagt alles, oder?) mit Kopfhörern & Musik zu begegnen… -.- „Nächster Halt: Cammin“ – das sagt der Weihnachtsmann auch immer. Aber der schreibt das anders. ;-) Die Steckdosen waren ob meiner Anwesenheit mal wieder kaputt. Ebenso das WC, sowas kann ich offenbar auch gut.^^ Ab dem vorletzten Zwischenhalt begann der Zug ohne ersichtlichen Grund Verspätung aufzubauen, am Ende erreichte er nach dreistündiger Fahrt über 222 km Stralsund mit + 5.
Der direkte Regionalzug nach Usedom stand noch im gedruckten Fahrplan, ohne Einschränkung der Verkehrstage. Online war er nicht mehr zu finden. Also fragte ich an der Info, ob er fahren würde. "Nee, Bauarbeiten!" – "Gibt es einen anderen Zug?" – "Fahrnse halt Stunde später, mit Umsteigen!!!" Ich: "Kann ich nicht auch in der ursprünglichen Zeitlage den ICE nehmen?" – "NEIN!!!". Die DB Info, wie sie leibt und lebt. -.- Dann fragte ich eben beim ICE-Personal draußen. "Eigentlich müssten Sie ein neues Ticket kaufen und das im Nachhinein einreichen. Aber fragen Sie mal den Chef... " Der Chef hat's OK gegeben.^^ Im ICE waren beide WCs in meinem Wagen defekt – aber hey, die Steckdosen funktionierten. :D Nach weniger als einer Dreiviertelstunde mit 120 km/h verließ ich in Züssow den ICE, der als Ziel übrigens München hatte.^^ Ich stieg in das Stadler GTW und lief mit dem schweren Koffer durch den engen Gang. Kurz vor dem Türbereich kam mir eine ältere Dame mit kleiner Tasche entgegen. Sie drehte sich um und sagte zu ihrer Begleitung: "Geht nich weiter". Ich trocken: "Solange Sie mir den Rücken zudrehen und stehen bleiben vermutlich nicht". Manchmal hasse ich Menschen… Der DB-Automat verkaufte keine Verbundtickets für die UBB. Die KiNe hatte vor Abfahrt gemeint, Fahrkarten gibt's dann im Zug. Schade, dass ich an dem Tag ein sehr auffälliges T-Shirt trug. :D Erst nach mehr als einer Stunde Fahrzeit kam jemand durch (nicht einmal die KiNe selbst, die ich gefragt hatte). Ich habe trotzdem ein Ticket für die ganze Strecke gekauft – Karma und so. :-)
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2 Stralsund: Alt & Neu
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3 Zurück? Nein, nur umständlich :p
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4 Mit diesem Vehikel verließ ich Schland
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5 Reif für die Insel!
Auf Usedom gibt die Strecke nur 80 km/h her. Nach anderthalb Stunden erlebte ich in Swinemünde die vorletzte pünktliche Ankunft für eine ganze Weile.^^ In der Stadt gab es kaum Interessantes zu sehen. Der Stadtplatz ist ja ganz nett, aber sonst… Dass ich einen Koffer dabei hatte und Ankunfts- und Abfahrtsbahnhof nicht identisch waren, machte die Sache nicht besser.^^ Schließlich schipperte ich über den Fluss. Die Fähren fahren alle 20 min oder wenn sie voll sind. Tatsächlich musste ich ziemlich lange auf die Abfahrt meiner Fähre warten, nach uns kam dafür gleich die nächste. Die Überfahrt ist für Fußgänger kostenlos und dauert ca. 5 – 7 min.
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6 Grenzerfahrung
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7 Angekommen in Polen
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8 Stadtplatz in Swinemünde
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9 Überfahrt über die Swine
An der Ostseite der Fähre ist auch gleich der „polnische Bahnhof“. Halb sechs begann die Nachtzug-Fahrt mit dem Przemyślanin schräg einmal durch ganz Polen. Auch wenn Kołobrzeg – Przemyśl länger dauert (wahrscheinlich wegen langsamerer Strecke und/oder längerer Aufenthalte), ist Swinemünde – Przemyśl sicherlich die weiteste Strecke, die man innerhalb Polens umsteigefrei zurücklegen kann (nahezu 1.000 km). B-) 15,5 h sollte das Spektakel dauern. Die Abfahrt war pünktlich. Das Liegewagen-Abteil war ein echtes 4er-Abteil, kein falsches 6er. Bereits ab Swinemünde mit mir im Abteil war ein älteres Ehepaar. Ich versuchte mich mit ihnen zu unterhalten, was aber an der Sprachbarriere scheiterte: Sie fragten irgendwas, ich sagte, wie mein weiterer Plan ab Przemyśl ist, aber lt. ihrer Reaktion war das irgendwie nicht die Antwort auf ihre Frage.^^ Ich erfuhr, dass sie nachts um 3 in Katowice aussteigen wollten. -.- In Stettin stieg noch ein Herr um die 40 im BMW-T-Shirt zu, der die ganze Zeit kein Wort sprach. Ich weiß nicht mal, ob er Pole war.^^ Der Zug fuhr über Usedom und bald aufs polnische Festland, dort mit überwiegend 120 durch finstere Wälder ohne jeglichen Handy-Empfang gen Süden. Szczecin Dąbie – Szczecin Główny war eine durchaus ordentliche Stichstrecke. Exotischerweise fuhr der Zug ohne Fahrtrichtungswechsel in Szczecin Główny, und beim ersten Mal ohne Halt durch Dąbie. In Stettin war mit 21 min der längste Aufenthalt der Fahrt, bis kurz vor halb acht. Der Zug bestand aus 2 x Schlafwagen nur bis Krakau (Ankunft 5:20 Uhr, kann man also vergessen^^), 1 x 2. Klasse Großraum, Restauracja, 4 x 1. Klasse Abteil offiziell deklassiert, nochmal 1 x 2. Klasse Großraum, 1 x Liegewagen und 1 x Schlafwagen. Das sind ziemlich viele Sitzwagen und ziemlich wenige Wagen mit horizontaler Beförderung.^^ Die Sitzwagen waren alle gut voll, aber im Restauracja hockten nur fünf Leute, davon zwei Personal.^^ Bei WARS wird man nicht am Platz bedient, sondern bestellt selbst an der Theke. Es wurde Englisch gesprochen. Auf den Anzeigen im Großraumwagen und Restauracja stehen Zwischenhalte und Angaben wie Außentemperatur, aktuelle Geschwindigkeit und Entfernung bis zum nächsten Bahnhof, die Verspätung allerdings wird nicht angezeigt (in meinem Fall meist nur 5 – 10 min, aber Polen kann ja auch anders^^). Man konnte problemlos vom Liegewagen zum Restaurant gehen, bloß wenn man zurückwollte, musste man beim Liegewagen-Betreuer klingeln. Ab Stettin arbeitete sich der Zug mit meist 120 – 140 km/h zeitweise im Regen Richtung Südosten vor. Bei manchen Weichen dachte man, der Wagen fällt gleich auseinander, so heftig ruckelte es. Kurz nach zehn Uhr gab es einen 7-minütigen Aufenthalt am Inselbahnhof Posen, der wegen der geringen Verspätung etwas gekürzt wurde. Dann ging es weiter über Ostrów Wielkopolski bis Gliwice, ab dort Richtung Osten durchs polnische Ruhrgebiet.
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10 Da ist das Ding
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11 Bevor ich mich auf den Bahnsteig begebe, will noch wer durch, der stärker ist als ich
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12 Da kommt was zurück. Im Hintergrund lauert schon mein Zug.
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13 Ein schöner Rücken kann auch entzücken
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14 Der Gang
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15 Abfahrt in Swinemünde: Das Spektakel beginnt!
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16 Die Brücke aufs polnische Festland
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17 In den Weiten Polens
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18 Oderbrücke in Stettin
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19 Polnich Produzierte Personenbox
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20 Stink den ganzen Bahnhof voll
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21 Der letzte deutsche Zug für eine ganze Weile
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22 Zuglaufschild. Oder: Dieser Moment, wenn du auf der Tastatur einschläfst :-/
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23 Warum einfach, wenn’s auch umständlich geht? :p

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Meine Reiseberichte, die vor Mai 2020 veröffentlicht wurden, am besten in Firefox oder Edge öffnen - dort sollten keine Bilder auf der Seite liegen ;-)


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