Wer missbraucht wen? (Allgemeines Forum)

numi, Sonntag, 12.01.2020, 20:37 (vor 80 Tagen) @ Aphex Twin

Die Standardisierte Bewertung bei ÖV Maßnahmen berücksichtigt zahlreiche verschiedene Kostenfaktoren. Zum einen natürlich die Abschreibungs- und Betriebskosten der Infrastruktur sowie die Kosten des Betriebs (meist negativ). Durch ein Verkehrsmodell wird abgeschätzt, wie sich der Verkehr verlagern wird. Dadurch entstehen dann Reisezeitgewinne und durch eingesparte PKW-Km neben den eingesparten PKW-Betriebskosten natürlich auch Umweltvorteile sowie geringere Unfallkosten. Erlöse aus dem Fahrscheinverkauf spielen dabei keine rolle. Geringere Fahrpreise sind sogar positiv, da im Modell dann mehr Fahrgäste vom Auto auf den ÖV umsteigen.

Es gibt aber durchaus Folgekostenrechnungen um abschätzen zu können, ob man sich die Betriebskosten langfristig auch leisten kann. Für die Förderung (dafür wird die Bewertung meist verlangt), ist das aber nicht wichtig.


Was die Bewertung nicht berücksichtigt ist eigentlich genau das, um das es hier im Thread auch geht. Strukturelle Änderungen werden nicht eingerechnet. Es darf im Verkehrsmodell auch nicht angenommen werden, dass durch die geänderte ÖV Anbindung eine Änderung in der Siedlungsstruktur entsteht. Ziel davon ist, dass bei den Förderungen keine bestimmten Orte an Attraktivität gegenüber anderen gewinnen (auch wenn das bei ÖV Maßnahmen ja eigentlich immer der Fall ist). Man könnte somit schließlich fast jede ÖV-Maßnahme irgendwie rechtfertigen indem man einfach neue Nachfrage dazu erfindet.

In der Praxis ist aber natürlich auch gewissermaßen fragwürdig, da durch strukturelle Änderungen auch volkswirtschaftlicher Nutzen entstehen kann (wenn viele Leute in ein neues Wohngebiet mit guter ÖV Anbindung ziehen und den ÖV nutzen ist das besser, als wenn sie woanders mit dem Auto fahren).


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