August 1988 und April 1991 (Allgemeines Forum)

ThomasK, Montag, 01.04.2019, 10:23 (vor 2582 Tagen) @ panozug

Meine erste ICE-Fahrt fand im August 1988 zwischen Hamburg und Bremen auf der Internationalen Verkehrssaustellung Hamburg statt. Zum Einsatz kam der ICE Experimental, der Prototyp des ICE 1. Damals baute die Bundesbahn noch Prototypen und testete diese ausgiebig selbst, bevor man Serienfahrzeuge in Auftrag gab. Auch die E 120 wurde als Serienfahrzeug erst nach dem Bau von 5 Prototypen, die gründlich getestet wurden, in Auftrag gegeben.

Heute, im Zeitalter der Idioten, meint man ja, auf Prototypen und Bundesbahnzentralämter verzichten zu können und fliegt dann gründlich auf die Schnauze, weil die Kinderkrankheiten nicht oder viel zu spät erkannt werden.

Bei der IVA 1988 fuhr der ICE zwischen Hamburg und Bremen 250 km/h. Die Deutsche Bundesbahn hatte den Fahrplan so aufgestellt, dass der ICE mit 250 km/h eine fliegende Überholung mit dem regulären IC durchführte, der mit der E 103 bei der Überholung durch den ICE dann 200 km/h fuhr.

Ich erinnerte mich noch daran, wie der Mitarbeiter der Deutschen Bundesbahn sagte, dass man die bestehende Strecke zwischen Hamburg und Bremen teilweise auch mit 250 km/h befahren könne und man dabei sei, in den nächsten 10 Jahren, also bis 1998, regelmäßig zwischen Hamburg und Bremen mit 250 km/h zu fahren, wenngleich nicht mit der E 103, sondern mit dem ICE.

Es kam alles anderes. Die Wiedervereinigung führte dazu, dass die Gelder für die Leit- und Sicherungstechnik gekürzt wurden, Hamburg - Bremen mit Vmax = 250 km/h auf den bestehenden Gleisen wurde gestrichen und mit der völlig unfähigen Tussy Merkel wird es Vmax = 250 km/h zwischen Hamburg und Bremen nie geben. Zum Glück muss die Unfähige bald abdanken.

Meine zweite ICE-Fahrt war dann im April 1991 mit dem ICE 1. Es war eine Sonderfahrt Hamburg - Hannover - Fulda - Frankfurt - Mannheim - Stuttgart - Ulm und zurück. Um an dieser Fahrt teilzunehmen, brauchte man zwar keine Fahrkarte, jedoch eine Sondererlaubnis der Bundesbahn. Nur ganz wenige Eingeweihte wussten von der Fahrt und holten sich eine Sondererlaubnis beim BZA. Beim Einstieg wollte aber niemand de Sondererlaubnis sehen.

Ich fuhr am Tag vorher mit einem regulären Zug nach Hamburg-Altona. Frühmorgens ging es dann los. Im gesamten ICE 1, der mit 13 Mittelwagen fuhr, befanden sich ca. 100 Personen. Es fanden keine Fahrkartenkontrollen statt. Einen Zugbegleiter gab es zwar auch, aber der saß fast die ganze Zeit beim Triebfahrzeugführer, sodass die Fahrgäste sich selbst überlassen waren, was aber bei den ganzen Eisenbahnfreaks überhaupt kein Problem war, da die sowieso alles schon wussten. Beim Endpunkt in Ulm wurde gefragt, wer wieder nach Hamburg zurückfahren will. Ich sah davon ab und fuhr von Ulm mit dem regulären IC nach München zurück.

Am Wochenende 01./02.06.1991 selbst fuhr ich gar nicht mit dem ICE, sondern blieb in München.

Ein Grund war die U-Bahneröffnung in München Forstenrieder Alle - Fürstenried West.

Ich bin einer der ganz, ganz, Wenigen - außer mir haben das nur noch ca. 2 Leute geschafft - die auf ALLEN bisherigen U-Bahneröffnungen in München mit dabei waren. Meine allererste Eröffnung erlebte ich als 7-Jähriger Junge am 19.10.1971 Kieferngarten - Goetheplatz. Bei der letzten U-Bahneröffnung nach Moosach 2010 war ich selbstverständlich auch wieder mit dabei. Die nächste U-Bahneröffnung, die die 29. Eröffnung sein wird, wird vsl. Ende 2027 in Pasing sein. Mein Ziel ist es, während meines gesamten Lebens die komplette Errichtung der U-Bahn München von der allerersten Strecke bis zum vsl. Endausbau, der ca. 2040 erreicht wird, mitzuerleben. Wahrscheinlich wird es auf ca. 36 U-Bahneröffnungen bis 2040 hinauslaufen. 28 U-Bahneröffnungen haben wir schon geschafft, sodass vsl. noch 8 kommen werden. Frühestens einen Tag nach der letzten Eröffnung kann ich dann in die Grube fliegen, das wäre ok. :)

Nun, am 01./02.06.1991 hatte wegen der Eröffnung nach Fürstenried West, die die 13. im U-Bahnnetz München war, somit die U-Bahn München Vorfahrt vor dem ICE. Die gesamte Münchner ÖPNV-Szene, zu der ich logischerweise gehöre, traf sich dann am U-Bahnhof Fürstenried West, wobei gleichzeitig massive Kritik an der Einstellung der Straßenbahn laut wurde. Leider konnten wir uns in der autobekloppten Zeit damals nicht durchsetzen die Straßenbahn wenigstens zwischen Harras und Ratzinger Platz beizubehalten. Etliche Male diskutierte ich mit den Stadträten und versuchte ihnen klarzumachen, dass die Straßenbahn an der Boschetsrieder Straße oben fuhr, die U-Bahn jedoch unten (Thalkirchen), sodass der Betrieb bis Ratzinger Platz bei behalten werden muss, doch es war leider nichts zu machen. Auch etliche Eingaben beim Referat für Stadtplanung und Bauordnung blieben ohne Erfolg.

Am 02.06.1991 fand zudem auf dem Gelände der Bundesbahndirektion München an der Richelstraße eine große ICE-Ausstellung statt. Es wurden zahlreiche Filme gezeigt und auf Schautafeln der Fahrplan erklärt.

So kam es, dass ich ausgerechnet beim offiziellen Start des ICE-Systems als Fahrgast nicht mit dabei war. Da ich allerdings schon die zwei vorherigen Fahrten im August 1988 mit 250 km/h und im April 1991 mit 250 km/h mitgemacht habe, war der Teilnahmeverlust am 01./02.06.1991 zu verschmerzen.


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