Eisenbahn komplexer als Straßenverkehr (Allgemeines Forum)

guru61, Arolfingen, Freitag, 06.11.2015, 07:55 (vor 3834 Tagen) @ Colaholiker

Und das, was du über das Bremsen sagst, beweist, dass du noch nie ein Bremsventil in der Hand hattest.
Ich rate dir mal, zu einem Gespräch mit einem Führer in Goldau, nachdem er bei Sturm und Laubfall im Herbst einen Zug das 50%o Gefälle hinuntergeführt hat.


Könntest Du mal bitte konkret werden? Was, wieso, warum, wie..?
In der Tat habe ich noch kein echtes Vollbahnfahrzeug aus normaler Fahrt gebremst. (nur mal auf Aufforderung des Tf am Rollen gehindert, aber das ist ne andere Geschichte.) Aber nach einer Fahrt im ICE1-Simulator (ich rede von der Full-Motion-Anlage der DB in Fulda, nicht von Zusi/MSTS oder anderem Spielzeug) von Hannover nach Göttingen habe ich den Zug in Göttingen ziemlich genau an der passenden H-Tafel zum Stehen gebracht. Ich traue dieser Anlage einen gewissen Realitätsgrad zu.
Bei Fahrzeugen nach BO Strab (die allerdings nicht druckluftgebremst sind) habe ich bisher auch immer die Stellen getroffen, wo ich anhalten wollte. ;-)

Nach Angabe des seinerzeitigen Betriebsleiters, wird auf der Südostbahn jeden Herbst, die "arme Sau des Herbstes" gekrönt.
Die Bahn führt auf ihrem Gefälle von 50%o längere Zeit im und am Laubwald entlang. Jeweils, vor allem nach einem schönen Herbst, kommt der Tag, wo es stürmt und regnet. An diesem Tag kommt dann der Grossteil des Laubes runter. Wenn das nachtsüber passiert, dann hat der erste Zug talwärts massive Probleme mit dem Gleiten. Wenn du da als Führer normal reinfährst, ist dir im Steinerberg der Signalfall sicher. Und, wie es der Betriebsleiter der vorher Lokführer war, es formulierte: Dann kannst du alles, was in dem schönen Reglemet über die Bedienung der Bremsen gesagt wird vergessen. Wenn du schlittelst, musst du die Bremsen lösen auch wenn du damit die Höchstgeschwindigkeit überschreitest. Den Schlitten bringst du sonst nie zum halten."

Faktisch machen sies so, dass der bergwärtsfahrende Zug jweils sandet, was das Zeug hält, und der talwärtsfahrende halt mit Schrittempo in das Gefälle einfährt. Heute mit dem Schienenhobel mag das Anhalten nicht mehr so das Problem sein, aber der wirkt nur bei einer Schnellbremsung.

Bedenke: Bei einem Simulator kann nur das abgebildet sein, was auch jemand programmiert hat.
Ich kann dir aus eigener Erfahrung (für Eisenbahner: jede dieser Fahrten wurde unter Aufsicht eines OLf im Rahmen der Heizerprüfung oder den periodischen Nachschulungen durchgeführt) sagen, dass das Anhalten in natura sich doch ziemlich vom Simulator unterscheidet.

Gruss Guru


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