Sammelantwort (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Freitag, 06.12.2013, 03:58 (vor 4492 Tagen) @ Re 8/12

Hoi,

Heisst das, dass ein paar Bahnsteige aber doch schon heute schon heute die 401,2 Meter langen Doppeltwindexx aufnehmen könnten?

Ja, das heisst es. Letztlich will man aber +/- 10 m Haltetoleranz um Halte flüssiger abwickeln zu können, weshalb man die Perrons 20 Meter länger als die Züge haben will, was die 420 m ergibt. Und dann soll man auch an der ersten und letzten Türe mit demselben Komfort, sprich 55 cm hohe Perrons, ein- und aussteigen können wie an allen anderen Türen.

Ich finde diese Beträge schon auffällig hoch und frage mich, ob es wirklich nicht anders ginge. Schauen wir die Liste nochmal im Detail durch:

Ich könnte mir vorstellen, dass die lange Bauzeit und die ständige Aufrechterhaltung der Schienenverkehrs einen grossen Einfluss auf die Kosten hat.

- Drei mindestens 400 m lange Abstellgleise im Ostkopf des Bhf Lausanne für 36 Mio CHF,

Na ja ... meinetwegen.

Das wird teilweise aus dem HGV-A-Topf finanziert, da man mindestens eines dieser langen Abstellgleise für die TGV brauchen wird (hier wird man TGV-Doppelgarnituren ohne Trennung abstellen können).

- Ausbau Bhf Lausanne für 660 Mio CHF,

Das scheint mir im Vergleich zu anderen Projekten eindeutig um eine volle Grössenordnung überteuert. Vergleicht man mit dem Zürcher DML, so zeigt sich, dass für diesen Preis einen komplett neuen viergleisigen Tiefbahnhof bauen könnte.

Das ist exakt derselbe Betrag wie für den Bhf Löwenstrasse. Der Umfang von den Bauarbeiten ist ähnlich hoch (eine Unterführung verbreitert, eine neu erstellt; vier Gleise unterirdisch dürften den acht Gleisen oben ganz gut entsprechen, oben bleibt ja kein Stein auf dem anderen).
Zusätzlich kommt in Lausanne noch der Erwerb der Grundstücke und die Arrangements mit den dortigen Mietern hinzu. Das allein aoll schon an die 30 Mio CHF kosten, Grundstücke mitten in der Stadt sind eben sehr teuer.

Ebenso aufschlussreich scheint mir der von dir angeführte Vergleich mit St. Gallen. Ich nehme an, dass es in SG um ähnliche Probleme geht, in etwas kleineren (aber dennoch vergleichbaren) Dimensionen.

In St. Gallen wird nur eine Unterführung von sieben auf 13 Meter verbreitert, die andere Unterführung bleibt in den jetzigen Dimensionen. Eine dritte Unterführung ist nicht geplant. Zusätzlich wird St. Gallen nur zwei bis drei lange Perronkanten erhalten, die anderen vier sind kürzer, Gleis 7 ist gar nur 170 m lang. Es wird auch keine Perron-Verbreiterungen geben. Vom Ausbau-Volumen ist Lausanne also schon deutlich grösser und aufwändiger.
Für künftige Ausbauten im Bahnhof St. Gallen würde man auch ein paar Häuser nordöstlich des Bahnhofs abreissen müssen und da geht man dann auch von höheren Geldbeträgen aus.

In St. Gallen zahlt der Bund recht wenig. Von den 150 Mio CHF sind 56 Mio CHF SBB-eigene Mittel (Divisionen Immobilien und Infrastruktur), mit knapp 45 Mio CHF öffnet die Stadt St. Gallen ihr Portemonnaie auch noch recht weit. Der Rest kommt vom Kanton St. Gallen und was im Rahmen der Appenzeller Durchmesserlinie im Bahnhof St. Gallen an Kosten anfällt wird von den Geldgebern jenes Projekts entsprechend dem vereinbarten Kostenteiler bezahlt.
Der Bund zahlt bei einigen Einzelprojekten einen kleinen Beitrag im Rahmen der Agglomerationsprogramme. Aber unter den Schweizer Eisenbahngrossprojekten des Bundes wird man den Bahnhof St. Gallen nicht finden.

Vollends fragwürdig erscheint die Investition, wenn man weiss, dass die SBB trotzdem schon heute auf die längerfristige Realisierung eines Tiefbahnhofs hinarbeiten, vgl.

Die jetzigen Ausbauten wären ja dann nicht nutzlos. Einen künftigen Tiefbahnhof wird man dann an die insgesamt drei Unterführungen anschliessen können, die es 2025 geben wird.

- Viertes Gleis Lausanne - Renens für 260 Mio CHF,
- Überwerfung zwischen Prilly-Malley und Renens für 125 Mio CHF,

385 Mio für ein zusätzliches Gleis über kanpp 4,5 km, inkl. 1 Überwerfung - bin ich denn der einzige, der sowas unverhältnismässig findet?

Ja, hier frage ich mich auch, wo das soviel kostet. Die Überwerfung Hürlistein wurde mit 77 Mio CHF budgetiert und hat jetzt offenbar nur 63 Mio CHF gekostet.

-> 4ème voie, Lausanne - Renens. 119 KB
-> Saut-de-mouton, Lausanne - Renens. 89 KB

- Ausbau Bhf Renens für 150 Mio CHF.

Auch dies ein stolzer Betrag für eine S-Bahn-Haltestelle (gleichviel wie für den Knotenbahnhof St. Gallen).

Eine S-Bahn-Haltestelle mit mehr 420 m langen Perronkanten als St. Gallen dannzumal haben wird. Im Fernverkehr halten in Renens nur die halbstündlichen RE (Annemasse - Eaux-Vives - Lancy-Pont-Rouge ab 2018 -) Genève - Coppet - Nyon - Gland - Rolle - Allaman - Morges - Renens - Lausanne (- Palézieux - Romont stündlich) / (- Vevey stündlich) (- Montreux - Aigle - Bex - St-Maurice ab 2019) und die sind derzeit maximal 200 m lang.

Aber die Visualisierung ist trotzdem recht beeindruckend: Modernisation des accès aux trains à Renens. 164 KB


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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