Mit der Eisenbahn durch die Westschweiz (1) (Reiseberichte)

Frank Augsburg, Ansbach, Samstag, 19.11.2011, 23:35 (vor 5233 Tagen)

Liebe Forumsgemeinde,

(ich hoffe das klappt mit den Links... ja, klappt!)

Die Älteren unter Euch werden sich erinnern: Vor einiger Zeit verabschiedete ich mich nach manchem Beitrag mit den Worten „Viele Grüße aus Crissier/ CH“. Das hatte einen ganz einfachen Hintergrund: Vom 12. September 2010 bis 30. April 2011 hatte ich die Gelegenheit, arbeitsmäßig mal wieder auf Wanderschaft zu gehen und der Weg führte mich nach Crissier, ca. 7 km westlich von Lausanne gelegen. Die „Materiel industriel S.A.“ hat hier ihren Hauptsitz – frei übersetzt: Maschinen AG. Vielen wird das nichts sagen. Wenn man aber aus dem Eigennamen je die ersten beiden Buchstaben nimmt und das „S.A.“ dransetzt, wird daraus MATISA – und das ist nun wirklich kein beliebiges Kürzel mehr.
Bei MATISA war ich in der HOMOLOGATION (Zulassung) tätig. Über die Qualität meiner Arbeit kann ich nichts sagen, das müssten andere tun.
Von Beginn an waren zwei Dinge klar:
Trotz ich schon mehrmals in der Schweiz war (einmal davon fast 3 Wochen am Stück im Urlaub) – dieser Teil war für mich Terra incognita, unbekanntes Land. Das galt es zu erkunden. Und:
Die Entfernung Ansbach – Lausanne mit gut 700 km war für wöchentliche Heimfahrten nicht geeignet. Darum hatte ich es so eingerichtet, alle 3 Wochen mal in der Heimat vorbeizuschauen und die verbleibenden zwei Wochenenden dazwischen für Ausflüge zu nutzen.

Daraus resultierte beinahe zwangsläufig der Kauf eines Halbtax- Abos für ein Jahr (was ich jetzt wieder verlängert habe), was die Franken- Zahlen an den Fahrkarten- Automaten fast einladend machte.
Soviel zur Einführung, gehen wir nun auf Reisen.

1. MATISA

Verglichen mit den fast übermächtigen Plasser & Theurer in Linz ist MATISA fast ein Leichtgewicht. Aber eines, das seine Chance nutzt und mit ingenieurtechnischer Innovation Nischen besetzt. Die beiden hauptsächlichen bestehen im Gleisumbauzug P95 (manchmal auch P100 genannt) und Weichentransportwagen, zu letztern gleich mehr.
Am Hauptsitz in Crissier sind über 500 Mitarbeiter beschäftigt – in Fertigung, Konstruktion, Berechnung, Zulassung, Prüfung und Verwaltung. Niederlassungen gibt es in Deutschland, Frankreich, UK, Italien, Brasilien und Japan.
Zu den Kunden von MATISA zählen allein in Deutschland die Straßen- Bau- AG (STRABAG), SCHWEERBAU, SPITZKE und EIFFAGE- RAIL.
Mal so ganz nebenbei: Derzeit gibt es Literatur über alles – über die ICE, die TGV, Güterwagen, Reisezugwagen, Lokomotiven… Aber über die Fahrzeuge, die den Fahrweg instand halten, sind Informationen eher rar. Eine Einladung an alle Interessierten, hier mal tätig zu werden. Allein der Gleisumbauzug ist ein kleines technisches Wunderwerk! Plasser bietet mit dem Verlegezug etwas ähnliches an.
Ansonsten: Bei MATISA wird französisch gesprochen, denn Crissier liegt in der französisch- sprachigen Schweiz, mit 60 km weit weg vom „Röschti- Pfad“, der Grenze zum deutschsprachigen Teil, z.B. in Fribourg.
Entsprechend entspannt geht es in Lausanne zu, völlig unaufgeregt und offenherzig. Im Gegensatz zu Frankreich, das nicht weit weg ist, hilft man hier dem Auswärtigen gerne weiter, auch in Deutsch, etwas rudimentäres Entgegenkommen in Französisch vorausgesetzt.
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Das Hauptgebäude von MATISA. Ganz oben im 5. Stock hat die Homologation ihren Sitz, die Direktion „thront“ im Erdgeschoß...
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Ein Schienen- Schleifzug mal von oben gesehen...

2. LAUSANNE

Wer hierher kommt, sollte einigermaßen gute Kondition mitbringen, denn die Stadt ist, an den Ufern des Lac Leman gelegen („Genfer See“ sagt man nur in Genf – oder: Genéve!) auf Hügeln gebaut. Wobei die „Hügel“ am deutschen Durchschnitt gemessen echte Berge darstellen.
Interessant sind die Metros und das O- Bus- Netz. Die Metros sind untereinander nicht kompatibel, eine ist sogar eine eigene Gesellschaft, und die O- Busse haben teilweise 60er- Jahre Charme, aber nicht mehr lange, der Fuhrpark wird „gnadenlos“ modernisiert!
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Am 12.09. war ich das erste Mal in Lausanne fühlte mich gleich heimisch – im Hafen von Ouchy.

Wem Lausanne zu Füßen liegen soll, muß die 156 Stufen auf den Aussichtsturm am Sauvabelin klettern.
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Die M1 von Renens gare nach Lausanne Flon im Bahnhof Renens.
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Die M2, an der Station Sallaz, am 03.10.2010. Es war Tag der deutschen Einheit, und Frank war mal wieder auf Fototour...
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Im Prinzip die M3, aber in Wahrheit eine eigene Bahnlinie: LEB (Lausanne – Echallens – Bercher) – hier in Bercher am 04. Dezember 2010.
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Den 10- Wagen- IC erkor ich schon früher zu meinem Lieblingszug! Einfach herrlich, diese Leine! Da muß man sich mal klarmachen: In Deutschland wird eben mit großem Brimborium der 5- Dosto- IC angekündigt, und die SBB fahren schon seit Jahren die doppelte Länge, und kriegen die Züge auch im Halbstundentakt voll! Wobei die IC Genf – St. Gallen „nur“ stündlich fahren, aber zur halben Stunde geht es genauso mit Umsteigen in Bern. Und das klappt...!
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6. November, Regen, Kälte... Ein Tag, den man a besten im Bett verbringt, oder im Olympischen Museum (das allerdings den zweimaligen Sieger im Marathon- Lauf Waldemar Czierpinski nicht kannte...!). Abends war es nicht wärmer, aber immer noch gut für einen Gang über den Bahnhof. Die Verbindung Lausanne – Paris wurde viermal am Tag angeboten, zum Fahrplanwechsel soll sich das Angebot erhöhen. Flugzeuge braucht es da keine mehr!
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Museumsstück, am Chauderon war mal eine Maschinenfabrik
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Kathedrale, Stadtzentrum, unterhalb gibt es eine herrliche Creperie...!
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Eine Woche nach dem verregneten Besuch im Olympischen Museum hatte es an die 20°C, und Frank gönnte sich einen Ausflug in die nähere Umgebung. Der ging erst mal los in Puidoux- Chexbres... (sprich: Puiduh Schäbrrrrcccchhhh)
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Nach einem Ausblick von La Tour de Gourze – gut eine Stunde zu laufen vom Bf. P.C....
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...ging es dann zurück oberhalb des Lac Leman durch die Weinberge, wo mir eine S1 aus Payerne begegnete, und später...
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... dieser IR nach Brig. Da war ich noch kurz vor Villette, und als ich Lutry erreichte, war es bereits finster. Zeit, eine Pizza essen zu gehen.


Soweit fürs erste, im nächsten Beitrag geht es um eine Weichenbaustelle „Schweizer Art“.

Beste Grüße aus Ansbach
Frank

--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."

(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)


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