Bahn&Bus vs. Auto, Bus vs. Bahn (Aktueller Betrieb)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 08.06.2011, 09:34 (vor 5510 Tagen) @ Anoj 1

Hallo Anoj 1,


habe diesen Beitrag überschaut, daher kann ich ihn erst heute antworten.

Ein Dienstleister muss während seiner Arbeit mobil sein (Kunden besuchen usw.), da ist ein Auto besser geeignet als die Bahn.

Wie kannst du das als Bahn-Fan einfach so hinnehmen?

Praxiserfahrung.

Ich habe einiger Zeit in Rotterdam bei einem Dienstleister gearbeitet, der auf einem Gewerbegebiet angesiedelt war. Die nächste Bushaltestelle war 500 m weiter, der Bus fuhr nur halbstündlich.
Für mich OK, denn der Übergang Bahn<->Bus war gut.

Meine Kollegen wußten bei Arbeitsbeginn teilweise nicht, welche Kunden sie heute wieder besuchen mußten. Nicht selten waren die Kunden dort angesiedelt, wo die Bahn nicht kommt: Ridderkerk, Hellevoetsluis, Brielle, Krimpen a.d. Lek, Alblasserdam.
Kommt noch dazu, dass dem Kunden Reisezeitkosten verrechnet wurden.
Wenn Du ein Geschäft betreiben würdest, und als Kunde eines Dienstleisters die Wahl hast zwischen Unternehmen A, das Dir 45 Minuten Reisezeit (Busfahrt mit mehrfachem Umsteigen) vorrechnet, und Unternehmen B mit 15 Minuten Reisezeit (Fahrt mit Kleinwagen), was würdest Du hinsichtlich Geschäftsbilanz tun...?

Dies ist ein weiterer Punkt, der beweist, dass Politik und EVU die Bahn attraktiver machen müssen.

Man beachtet die Komparativ: "attraktiver", also nicht "attraktiv" oder "am attraktivsten".

1. Auch mit einer Dichtheit wie in CH wird die Bahn nicht bei mir vor die Haustür kommen. Man muss also nicht nur in die Bahn investieren, sondern auch in Bus, Regiotaxi usw.
2. Noch wichtiger ist Investition in "Öko-Mobilitätsprogramme". Bus & Bahn sowie E-Mobil, E-Moped und E-Rad sind nur die Hilfsmittel, "umweltbewußt unterwegs sein wenn man unterwegs sein muß" ist ein Ziel.

Dass der Wagenladungtransport in CH dennoch funktioniert, hat auch mit Umweltdenken und Landschaft zu tun.

Warum haben nicht auch andere Staaten ein derartiges "Umweltdenken"?

Es ist schon sehr hilfreich, wenn man die Alpen als "Hintergarten" hat.
Zudem war Bahnfahren in der Schweiz damals sehr umständig, weil die für die Dampfloks benötigte Kohle importiert werden mußten.
Als ab etwa 1900 die elektrische Traktion sich entwickelte, konnte CH sofort umstellen, denn Bahnstrom war mit Wasserkraft (der Alpen sei Dank) relativ leicht anzufertigen.

Zu Österreich: Du kritisierst wahrscheinlich den Rückzug von Nebenstrecken. Auch wenn ich das als Bahnfan nicht gerne sehe, kann ich es als pragmatischer Niederländer verstehen. Manchmal ist ein Bus das bessere Verkehrsmittel, und bei guter Auslastung durfte ein Bus genauso umweltfreundlich wie die Bahn sein.

Das mag sein, aber das touristische Potential der Bahnstrecken wird leider immer vergessen.

Da muss man, frei nach LonelyPlanet, Unterschied machen zwischen "getting there" und "getting around".

Die Anreise wird wohl nicht den Unterschied Bus vs. Bahn machen. Wenn ich Wintersporturlaub habe, reise ich zwar mit der Bahn, aber:
a. dass mein Zug wohl ein ICE International ist der mit 300 über K-F jagt, ist nur für mich als ICE-Fan interessant.
b. dass mein Zug wohl ein IC ist der gemütlich mit 100 am Rhein entlanggondelt, ist nur für mich als Bahnromantiker interessant.
c. als pragmatischer Niederländer zählt die entspannte Anreise.

Das touristische Aspekt wird wichtiger, wenn man vor Ort ist.
Einerseits betrifft das autolose Mobilität vor Ort, andererseits Bahnfahren ums Bahnfahren (Glacier Express, Goldenpass, Dampfbahnen, Zahnradbahnen).
Aber wenn auch wichtiger, dennoch nicht allesentscheidend: die Grimselpass- und Großglocknerstrecken sind ja auch beliebt, werden aber mit Bussen gefahren.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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