Trends beim Auto/Flieger, Wagenladungtransport, CH (Aktueller Betrieb)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 01.06.2011, 16:38 (vor 5519 Tagen) @ Anoj 1

Hallo!

Denkst du, dass in Zukunft mehr Personen mit dem Auto bzw. dem Flugzeug unterwegs sind als heute? Ich nicht!

Ich bin mir da nicht so sicher.
Zuerst muss man den Unterschied zwischen absolut (Zahl der Autofahrer / Flieger) und relativ (Prozentzahl Autofahrer / Flieger zur gesamten Beförderungsnachfrage) machen; zudem ist "Zukunft" ein relatives Begriff.

Ich stelle fest:

1. Die Bevölkerung nimmt zumindest bei uns nach wie vor zu, also auch das Anteil "fahrberechtigt".
2. Ich weiß nicht wie es in Österreich vorangeht, aber bei uns in NL stellen Unternehmen eher ein "company car" zur Verfügung als eine "corporate Bahncard".
3. Bei uns ist der Trend eher "aus der Stadt weg" als "in die Stadt rein". Mietpreise pro Quadratmeter sind in der Innenstadt sehr hoch; dies betrifft sowohl Wohnblocks als Büroblocks als Gewerbegebiete. Dasselbe gilt für Parkgebühren.
4. Arbeitstrend verschiebt bei uns von Produktion zu Dienstleistung. Ein Dienstleister muss während seiner Arbeit mobil sein (Kunden besuchen usw.), da ist ein Auto besser geeignet als die Bahn.
5. Urlaubstrend verschiebt sich vom Land auf Verkehrsmittel. Damals bedachte man zuerst, wohin man reisen möchte und erst danach wie, heute guckt man zuerst wohin man billig fliegen kann und bastelt man eine Reise daraus.

Ein Vorteil hat die Bahn allerdings: sie kann klimaneutral und ohne Mineralquellen funktionieren. Beim Elektroauto hat man immer noch die schadhaften Speicherbatterien. Dieses Argument wird sich in der "Zukunft" stärker gelten lassen. Wieviel Zeit es braucht, bis dieses Argument entscheidend ist, das weiß ich nicht.

Die Sparte Nahgüterverkehr hat der LKW schon großenteils übernommen.

Ja, leider! Regierungen und EVU sollten dafür sorgen dass auch hier - wo möglich - der Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird.

In den 60ern gab es bei uns in NL 600 Verladestellen Straße<->Bahn! Mehrere Unternehmen/Gewerbegebiete hatten Bahnanschluß und wurden mit Cargozügen bevorratet. Es wurden sogar einzelne Güterwagen hin- und herverschoben (Wagenladungtransport).
Jetzt haben die LKWs den Wagenladungtransport übernommen. Ein LKW kann ja die Güter direkt vor die Tür abliefern; Verladung von Zug auf LKW ist nicht mehr nötig, und von 600 Veradestellen sind nur noch 50-60 übrig, ausnahmslos von großen Unternehmen die große Cargomengen von großen Abständen erhalten.

Dass der Wagenladungtransport in CH dennoch funktioniert, hat auch mit Umweltdenken und Landschaft zu tun. Das COOP-Geschäft in Bergün (Albulastrecke) wurde zumindest 2005 noch per Zug bevorratet; die Cargowagen wurden mit einem RhB-Personenzug mitgenommen; Elektromobile transportierten die Rollcontainer ins Geschäft.
Bei uns wäre das wegen der intensiven Straßenverkehr undenkbar. Ich bedauere es, dass die Initiative "Cargo-Tram" in Amsterdam fehlgeschlagen hatte.

Das Problem in der Schweiz ist, dass - auch auf der NEAT - dem PV sehr viele Trassen zur Verfügung gestellt werden müssen. Daher gibt es für den GV kaum Kapazitäten. Das ist evtl. die Hoffnung für den BBT.

Die NEAT wurden s.i.w. erstens für den Güterverkehr geschaffen; der Personenverkehr war eher ein Bonus. Ziel war/ist, Transit-LKWs von den Autobahnen zu entfernen. Zudem können die Cargos mit den NEAT doppelt so schnell fahren wie über die Passstrecken

Meiner Meinung nach ist die Bahn (nicht nur die DB) in Deutschland auf einem guten Weg das Verkehrsmittel der Zukunft zu werden. Es fließt viel mehr Geld in den NV als in Österreich. Natürlich muss noch mehr in die Bahn investiert werden; das ist aber nachhaltiger als in eine neue Autobahn.

Ich spüre in Deutschland zwei bahnwidrige Hauptgedanken:

1. "...würde gerne Bahn fahren, aber der Nahverkehr ist mir zu langsam, mit dem Auto bin ich schneller unterwegs"
2. "...würde gerne Bahn fahren, aber der Fernverkehr ist mir zu teuer, mit dem Auto bin ich zwar langsamer, aber billiger unterwegs"

Andererseits treffe ich auch Leute mit der Meinung "ich brauche in meinem Leben das Auto, aber wenn es passt, fahre ich Bus und Bahn".
Und ich kenne auch Leute die sagen "vorher fuhr ich komplett Mercedes, aber heute fahre ich mit meinem Volkswagen zum Bahnhof und fahre ab dort Bahn".

Zu Österreich: Du kritisierst wahrscheinlich den Rückzug von Nebenstrecken. Auch wenn ich das als Bahnfan nicht gerne sehe, kann ich es als pragmatischer Niederländer verstehen. Manchmal ist ein Bus das bessere Verkehrsmittel, und bei guter Auslastung durfte ein Bus genauso umweltfreundlich als die Bahn sein.
Andererseits: in AT werden doch auch S-Bahnsysteme und Regio-Tramnetze entwickelt, z.B. Innsbruck?

Ja, die Gesellschaft hat einen Einfluss. In den letzten Jahren habe ich Deutschland bei weitem nicht so "autoverrückt" erlebt, wie mir das meine Eltern immer erzählt haben. Das Auto ist kein Statussymbol wie vor Jahrzehnten.

In NL wird es wohl eher ein anderes Statussymbol werden.
"Hey Jungs, ratet mal was ich jetzt gekauft habe! Ein Elektro-Auto!"

Was ich noch vergessen war: die Schweizer fahren offenbar nicht nur sehr viel Bahn, sondern auch wohl sehr viel Auto. In CH sehe ich recht viele Autos, die für große jährliche Kilometerzahlen gebaut worden sind.

Andererseits vermisst Österreich die Einwohnerzahlen die einen echten HGV rechtfertigen: Linz, Salzburg und Innsbruck sind nunmal kein Lyon, Marseille und Montpellier.

Für mich muss die Bahn der Zukunft keine HGV-Bahn sein.

Das hatte ich auch mit "Blickpunkt ÖBB" geschrieben.
Als pragmatischer Niederländer wage ich zu bezweifeln, ob railjet das richtige für AT ist.
Die guten alten bekannten IC-Wagenzüge schaffen ja auch 200 km/h und wenn man die auf (Halb-)stundentakt erweitert, wird es doch auch schon attraktiver, Bahn zu fahren. Und gab es nicht mal einen Ansatz zum ITF?


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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