Es zeigt sich der Irrsinn von Stuttgart 21 (Allgemeines Forum)

Alphorn (CH), Sonntag, 17.10.2010, 20:39 (vor 5692 Tagen) @ 218 466-1

Laut einem Bericht der "Schwäbischen Zeitung", kann der elektrische Betrieb auf der Strecke (München-)Geltendorf-Memmingen-Kißlegg-Lindau, nicht wie geplant im Dezember 2015 aufgenommen werden und verzögert sich auf unbestimmte Zeit.

Sag noch einer, das habe nichts mit Stuttgart 21 zu tun. Hier werden sehr sinnvolle Projekte mit wesentlich besserem Kosten/Nutzen-Verhältnis dem Kellerbahnhof geopfert.

Rechnung gefällig? Sogar die NBS Wendlingen-Ulm, welche ich für weniger sinnlos als die Tieflegung des Bahnhofs halte, kostet laut DB 2890 Mio EUR (unabhängige Schätzungen gehen deutlich höher). Sie spart 26 Minuten Fahrzeit. Kosten: 111 Mio EUR pro gesparte Minute.

Die soeben Eis gelegte Strecke Elektrifizierung und Neigetechnik-Ertüchtigung sollte gerade mal 205 Mio EUR kosten und zirka 50(!) Minuten Fahrzeit einsparen. Macht 4.1 Mio EUR pro gesparte Minute. 27 Mal effizienter.

Jetzt kann man sagen, dass auf Wendlingen-Ulm mehr Züge fahren werden. Stimmt nur bedingt: Von der Elektrifizierung profitieren auch Regional- und Güterverkehr direkt durch Fahrzeitverbesserungen (wenn auch nicht in gleichem Mass wie die Neigezüge), das ist bei Wendlingen-Ulm kaum der Fall, da diese Verkehre immer noch auf der Altstrecke fahren müssen.

Selbst wenn wir nur den Fernverkehr betrachten: Die Allgäustrecke würde von 0.5 Fernverkehrszügen pro Stunde befahren, Stuttgart-Ulm momentan von einem, die NBS wohl bestenfalls von zwei. Das heisst von Wendlingen-Ulm würden grob gerechnet vier mal mehr Passagiere profitieren - das rechtfertigt keinesfalls den 27 mal höheren Preis.

Nebenbei verfällt mit dieser Verzögerung die Vorfinanzierung von 50 Mio EUR, welche die Schweiz für die Elektrifizierung geleistet hätte. Das Ganze war ein fein aufeinander abgestimmtes Konzept mit Beschleunigungen in der Schweiz, Österreich und Deutschland sowie der Beschaffung von mehrsystemfähigen Neigezügen durch die SBB, welches auf der Strecke Zürich-München das Erreichen der Knotenzeit in beiden Bahnhöfen erlaubt hätte (3 Stunden 15 Minuten Gesamtfahrzeit). Ganz nebenbei wären noch drei ITF-Knoten unterwegs entstanden, wo man hervorragende Anschlüsse an den Regional- und Busverkehr hätte bieten können.

Es ist deprimierend.


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