Thalys als Beispiel eines ausgezeichneten Krisenmanagements (Allgemeines Forum)

Steffen, Freitag, 15.10.2010, 23:27 (vor 5694 Tagen) @ Thalyseo

Hast Du Zahlen, ab wann der Thalys wieder nach Köln und Amsterdam fuhr? Ich meine mich zu Erinnern, dass mehrere Tage nix fuhr! Aber bei einem so extrem komplizierten Betrieb eines zutiefst verschlungenen Netzes, wie Thalys es betreibt, dauert es natürlich ein paar Tage, bis man einen Zug, der - von Köln kommend und in Brüssel strandet - zurück nach Köln schicken kann.


Naja, das musste ja dann auch mit der SNCB geklärt werden und die hatten sicherlich andere Probleme. Da habe ich schon Verständnis.

Oh - Du bist aber ein leicht zu steuernder Kunde ;)))

Eine simple vorzeitige Wende in eine bereits gebuchte Trasse sollte eigentlich Tagesgeschäft sein und nicht sämtliche Gremien der SNCB, B-Rail, Infrabel, Elektrabel und Sonstigebel beanspruchen. Dafür braucht man vielleicht drei Stunden, aber keine drei Tage (lt. Deinen Erinnerungen) - ok, was ich inzwischen über die wallonische Arbeitsweise gelernt habe, ist das sogar noch sehr schnell, aber pssssst.

Ich kann mich auch erinnern, als wegen einem Streik in Belgien der EC Köln-Paris über Luxemburg umgeleitet wurde. Der fuhr dann, von Betriebshalten abgesehen, nonstop, fiel aber eben nicht aus. (das war dann wohl 1996)


Okay, aber dahinter standen die nationalen Bahnunternehmen. Das hätte dann wiederum mit der CFL koordiniert werden müssen, die dann wiederum in die Payroll von Thalys aufgenommen werden müssten. Thalys hat zudem keine Zulassung in Luxemburg?

Den Umweg über Luxemburg erwarte ich ja gar nicht (Zulassung? Nicht dass ich wüsste...). Es genügt, Paris - Namur (Anschluss Brüssel, Strecke vom Unglück nicht betroffen) - Lüttich (oder Angleur, um den Richtungswechsel zu sparen?) - Aachen - Köln zu fahren.

Das wäre toll gewesen, aber auch so viel erwarte ich nicht, da das deutlich aufwendiger gewesen wäre (längere Fahrzeit, evtl. fehlende Streckenkunde, ...). Aber Brüssel-Köln, das ist machbar.

Denkbar wäre jedoch gewesen, denn Luxemburg-TGV vorübergehend bis Trier fahren zu lassen, so dass man auch mit den Eifelzügen direkten Anschluss von/nach Köln hat; Aachen ist ab Trier mit einem Direktbus und Lüttich bereits ab Luxemburg zu erreichen ist.

Ja. Das ist ein Kleinbus mit 20 Plätzen, der vier mal die Woche mit einer Fahrzeit von 3 Stunden von Trier nach Aachen und zurück fährt. Das war also bestimmt kein ernsthafter Vorschlag, oder? ^^

Selbstverständlich müssen sich die Fahrten rechnen - im Normalbetrieb. Wenn bei einer Ausnahmesituation aber die Fahrgäste einfach stehen gelassen werden erkennt man, was das Unternehmen von seinen Geldgebern hält...


Das finde ich jetzt etwas ungerecht, denn Thalys hat ja alle Tickets - sogar die des Tarifs "Smoove" kostenfrei erstattet und musste große Umsatzeinbußen hinnehmen.

Ich bin beeindruckt :) (siehe auch die Antwort von Sascha)

Thalys war damit genauso ein "Verlierer" der Situation wie seine Kunden.

Ja. Das nennt sich Betriebsrisiko, damit muss man rechnen.

Und dennoch zeigte man sich so kulant, alle Tickets - ausnahmslos - zu erstatten, obwohl das Unternehmen keine Verantwortung für die Vorfälle trägt. Das finde ich sehr kulant und kundenorientiert, denn man hätte sich auch auf "höhere Gewalt" berufen können. Dann hätten auch die Kunden einen Großteil des Schadens tragen müssen.

Das war ein sehr lokal begrenztes, spontan auftretendes Problem (Streckensperrung). Höhere Gewalt würde ich das nicht nennen.

Meines Erachtens hat sich Thalys (sehr positiv) profiliert durch dieses ausgezeichnete Krisenmanagement!

Ja, mit solchen Worten versucht man in der PR immer, alles schön zu reden!

Passend dazu fällt mir die PR-Aussage nach dem Unfall im AKW Huy heute Morgen (3 schwerer verletzte Arbeiter) einer AKW-Sprecherin ein: "zu keinem Zeitpunkt Gefahr für Anwohner, Mitarbeiter oder die Umwelt bestanden"

Entweder man glaubt es - oder besser nicht.

--
[image]


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum