braucht Deutschland "Betuwerouten"? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 21.09.2010, 08:56 (vor 5701 Tagen) @ ICE-T-Fan

Hallo ICE-T-Fan,

Eisenbahnlärm ist nicht minder schädigen wie LKW- oder Flugzeuglärm.
Daher würde ich abseits von NBS jeglichen Güterverkehr innerhalb der Nachtruhe verbieten, solange er mitten durch Siedlungen durchgeführt wird.

Dann wirst Du es bei uns schwer haben. Wenn ich denke was so alles zwischen 22:00-06:00 durch Eindhoven fährt...

(nochmal abgesehen von was so alles drin ist = Ammoniak, Flüssiggas, usw.)

Es ist doch nicht die Schuld der Städte, dass die DB Güterverkehr auf Gleisen mitten durch die Städte durchführt. Solch eine Regel würde zwangsweise sehr schnell zu einer hohen Anzahl Umgehungsstrecken führen, was nebenbei bemerkt auch Kapazitätsengpässe beseitigt.

In Italien ist man tatsächlich so vorangegangen. Tagsüber blitzen die Eurostar Italia über die Rennbahnen, nachts rollen Cargoschlangen.
Italien konnte das tun:

1. EU Subventionen
2. fehlende Wasserinfrastruktur
3. Bündlung mehrerer Lärmquellen, z.B. Mailand-Bologna = Autobahn + Rennbahn + Altstrecke + Gewerbegebiete

Deutschland ist kein Italien. Und auch in Italien ging es nicht ohne Proteste, z.B. NoTAV.

Bei uns wurde die Betuweroute gebaut. Sozusagen eine Rennbahn für Güterzüge: vmax 120 km/h, 5000 Tonnen pro Zug, 6 Minuten Folgezeit, ERTMS Level 2. Der komplette Rotterdam-Deutschlandverkehr auf eine Strecke. Schön, aber auch das ging nicht ohne Proteste.

Warum also nicht für LKWs und Güterzüge die gleichen Grundbedingungen schaffen?

Weil ein LKW die Fracht vor die Haustür abliefern muss, und ein Güterzug nicht.
(der sgn. Wagenladungverkehr wurde bei uns schon Ende 60er eingestellt, weil der LKW dafür besser geeignet war -> 80-90% aller Eisenbahnverladestellen in NL wurden "ausgemustert")

Nachts gehört für nicht dringlichen Verkehr eine Betriebsruhe, außer für ausgewählte Strecken, die genügend Lärmschutz bieten, sprich Neubaustrecken durch die Gegend.

Bevor man in Deutschland eine 3-4 stellige Kilometerzahl an "Betuwerouten" baut: wie wäre es mit:

1. leisere Güterwagen bauen?
2. Reaktivierung von stillgelegten Strecken?
3. Ausbau der Binnenschifffahrt? (bei uns gab es heute ein Artikel bezüglich einer Stadtumfahrung für Binnenschiffe)

Daher finde ich auch allgemein, dass es wünschenswert sein könnte den größten Teil des Güterverkehrs von den Altstrecken auf die Neubaustrecken zu verlagern. Das würde nebenbei bemerkt auch die Strecken im Wartungsaufwand entlasten und man hätte mehr Kapazität für mehr Regional- und Mittelfernverkehr.

Tagsüber wird das die Kapazität der Rennbahnen stark einschränken.
Nachts hat man das Problem, dass die Rennbahnen nicht für Cargo parametrisiert sind, und die Situation wird mit UL-S und BA-EF-HAL nicht besser.
In Italien wurden die Rennbahnen so parametrisiert, dass Cargo die auch befahren kann. Demzufolge musste man zwischen Bologna-Florenz eine "Hochleistungs-U-Bahn" bauen (73 km Tunnel von 78), wobei man bei den Tunneln sowohl Fahrgastevakuation als Brandschutzmaßnahmen berücksichtigen musste.

Deutschland fehlen für solche Projekte halt die Finanzmittel.


gruß,

Oscar (NL).

--
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Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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