2. Signale allgemein (Allgemeines Forum)

Knochendochen, Samstag, 14.09.2024, 00:39 (vor 738 Tagen) @ Knochendochen
bearbeitet von Knochendochen, Samstag, 14.09.2024, 00:44

Im zweiten Beitrag möchte ich auf Signale im Eisenbahnbetrieb eingehen. Zuerst wieder die Frage: Was sind Signale? Hierauf liefert die Richtlinie 301 der DB, das Signalbuch, in 301.0002 1 eine Antwort:
Ein Signal ist ein sichtbares oder hörbares Zeichen mit einer festgelegten
Information zur Gewährleistung des sicheren Bewegens von Eisenbahnfahrzeugen.

Jedes Signalbild, also die erkennbaren Formen, Farben und Zahlen oder hörbaren Geräusche, besitzt eine Signalbedeutung, also eine Information, die durch dieses Signal übermittelt wird. Das äußere oder akustische Erscheinungsbild des Signalbildes wird durch die Signalbeschreibung beschrieben (z.B. ein grünes Licht oder ein weißes Blinklicht). Bezeichnet wird das Signal durch den Signalbegriff, das ist die Kurzbezeichnung des Signal (z.B. Hp1), welche manchmal noch durch eine Langebezeichnung ergänzt ist. (301.0002 1)

Ein kurzes Beispiel: Das Signal Zs 1 (Signalbegriff) – Ersatzsignal (Langebezeichnung des Signalbegriffs) hat folgendes Signalbild: https://o.quizlet.com/blSaUCK3QK4ptcZGNbhUBg.gif . Beschrieben werden kann dieses Signalbild durch folgende Signalbeschreibung: Drei weiße Lichter in Form eines A oder ein weißes Blinklicht. (301.0301 (2)). Die Signalbedeutung würde lauten: Am Signal Hp 0 oder am gestörten Lichthauptsignal ohne schriftlichen Befehl vorbeifahren. (gleiche Quelle). Im Signalbuch sind meistens neben Signalbegriff, Signalbild, Signalbeschreibung und Signalbedeutung noch weitere ergänzende, relevante Informationen zu einem Signal angegeben. Im Beispiel des Zs 1 wäre das: Das Ersatzsignal gilt auch, wenn es erlischt, bevor die Spitze des Zuges am Signal vorbeigefahren ist.

Signale sind für dein Eisenbahnbetrieb unentbehrlich, denn sie sind die Kommunikationsmittel im Eisenbahnbetrieb. Mit Signalen werden Zustimmungen, Aufträge und Informationen übermittelt und alle Beteiligten wissen sofort unmissverständlich, was gemeint ist. Man stelle sich mal vor, es gäbe keine Signale und die ganze Kommunikation müsste mündlich stattfinden. Nicht nur wäre das extrem unsicher, sondern würde den Betriebsablauf auch stark verlangsamen. Der Fahrdienstleiter könnte z.B. der Abfahrt eines Zuges aus einem Bahnhof nicht einfach durch Fahrtstellung des Ausfahrsignals zustimmen, sondern müsste erst den Tf anrufen und ihm mündlich die Zustimmung geben. Dabei wird es zu Verwechslungen (z.B. falschem Zug wird die Zustimmung gegeben) und Missverständnissen kommen und in der Folge natürlich zu Unfällen. Und die Verfahrensweise, welche Missverständnisse ausschließt und in der Praxis zur Anwendung kommt, wenn Signale oder sonstige technische Einrichtungen nicht so funktionieren, wie sie sollen - der schriftliche Befehl – würde noch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Man sieht also: Ohne Signale geht bei der Eisenbahn nix!

Welche verschiedenen Arten von Signalen gibt es denn? Da gibt es viele, sich auch gegenseitig überschneidende Unterscheidungskriterien. Als erstes wäre sicherlich die Unterscheidung in Formsignale und Lichtsignale zu nennen. Formsignale funktionieren ohne Lichtpunkte, die Information wird also z.B. über eine „stromlose“ Blechtafel oder eine Anordnung von Signalflügeln (bei Formhauptsignalen) übermittelt. Bei Lichtsignalen existieren, ein oder mehrere Lichtpunkte, durch deren Farbe und/oder Anordnung die Information übermittelt wird. Die übermittelten Signalbedeutungen sind aber dieselben.

Eine weitere sinnvolle Unterteilung wäre die Unterteilung in Haupt- und Vorsignale. Züge fahren, wie im letzten Beitrag schon erwähnt, nicht auf Sicht. Dies ist aufgrund des Rad-Schiene-Systems (Metall auf Metall) und der hohen Masse von Zügen nicht möglich. Stattdessen hat sich bei der Eisenbahn das Fahren im Raumabstand etabliert. (Früher gab es auch mal andere Ansätze, z.B. das Fahren im Zeitabstand, was sich aber aus naheliegenden Gründen nicht durchgesetzt hat: die Sicherheit war nicht hoch genug.) Das bedeutet, dass es Zugfolgeabschnitte (408.0101A01) gibt, in die ein Zug nur einfahren darf, wenn sie frei von Fahrzeugen sind. Das gesamte Eisenbahnnetz ist in Zugfolgeabschnitte unterteilt. Zugfolgeabschnitte werden abgegrenzt durch Hauptsignale. Durch Fahrtstellung eines Hauptsignals ist sichergestellt, dass der folgende Zugfolgeabschnitt frei ist. Würden wir auf Sicht fahren, würden Hauptsignale völlig ausreichen (wie im Straßenverkehr). Da dies aber nunmal nicht der Fall ist, brauchen wir Vorsignale, die im Bremswegabstand vor den Hauptsignalen stehen und die Stellung des zugehörigen Hauptsignals ankündigen. So kann der Tf rechtzeitig reagieren, sodass er sich entsprechend der Signalbedeutung des Hauptsignals verhalten kann, wenn er an ihm vorbeifährt. Auf Hauptbahnen beträgt der Bremswegabstand in der Regel 1.000 Meter.

Weiterhin könnte man Signale unterteilen in Signale für Züge und Signale für Rangierfahrten. Sperrsignale dienen dem Rangierbetrieb. Mit ihnen kann die Zustimmung erteilt werden, in den folgenden Gleisabschnitt hineinzurangieren. Sperrsignale können, wie Hauptsignale oder Vorsignale, als Formsignale oder Lichtsignale ausgeführt sein. Sperrsignale befinden sich oft als Zwergsignale direkt über dem Schotter, dann werden sie auch als Schotterzwerge bezeichnet, und manchmal aus Platzgründen hochstehend auf einem Signalmast. Die betriebliche Bedeutung bleibt aber gleich. Die Sperrsignale können folgende Signalbegriffe zeigen: Hp 0 – Halt (ein oder zwei rote Lichter nebeneinander) und Sh 1 – Fahrverbot aufgehoben bzw. Ra 12 – Rangierfahrt erlaubt im Osten (zwei weiße Lichter nach rechts steigend oder Ein nach rechts steigender schwarzer Streifen auf runder weißer Scheibe bei Formsignalen). Richtig, obwohl die Wiedervereinigung schon über 30 Jahre her ist, gibt es immer noch einige Unterschiede zwischen dem Bereich der ehemaligen Bundesbahn und dem Bereich der ehemaligen Reichsbahn. Bei Formsperrsignalen gibt es kein Hp 0, sondern stattdessen Sh 0 - Halt! Fahrverbot (Ein waagerechter schwarzer Streifen in runder weißer Scheibe auf schwarzem
Grund.) (301.0601; 301.0002 (1) g)

Die eben genannten Sperrsignale sind „leblose“ Signale, d.h. sie werden von nicht von Menschen gegeben (in gewisser Weise natürlich schon, weil der Fdl beziehungsweise Weichenwärter (Ww) diese Signale bedient, aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine). Daneben gibt es für den Rangierdienst noch eine Reihe von weiteren Signalen, die direkt durch Menschen gegeben werden, durch Töne aus einer Pfeife oder durch bestimmte Armbewegungen – ein weiteres Unterscheidungskriterium für Signale. Ein Vertreter ist zum Beispiel das Signal Ra 5 mit der Signalbedeutung Rangierhalt. Es signalisiert dem Tf der Rangierfahrt, dass er anhalten soll. Gegeben wird es durch drei kurze Töne schnell hintereinander mit einer Mundpfeife und einer kreisförmigen Bewegung des Arms. (301.0701)

Eine weitere Unterscheidung, die man treffen könnte, ist die Unterscheidung in fest installierte Signale, wie Hauptsignale, Vorsignale, Sperrsignale oder Langsamfahrsignale, und bewegliche Signale. Ein Vertreter davon ist das Zugschlusssignal (Zg 2), welches den Zugschluss kennzeichnet (bei Triebzüge meistens einfach zwei rote Lichter, bei Güterzügen zwei Schilder mit sich an der Spitze berührenden roten Dreiecken), oder das Spitzensignal (Zg 1), welches die Zugspitze kennzeichnet. (301.1101)

Es gibt bestimmt noch weitere Unterscheidungskriterien, aber das waren für mich erstmal die wichtigsten. Es sei auch noch erwähnt, dass das keine offiziellen Unterteilungen sind. Ich habe sie nur gewählt, weil ich es so für sinnvoll erachtet habe.

Auf großen Bahnhöfen mit riesigen Gleisvorfeldern und vielen Schotterzwergen, insbesondere wenn diese mitten zwischen zwei Gleisen stehen, kommt vielleicht die Frage auf, zu welchem Gleis denn jetzt dies und jenes Signal gehört. Dafür gibt es eine einfache Regel: Die Signale stehen in der Regel immer rechts von dem Gleis, zu dem sie gehören. Wenn auf der freien Strecke das Gegengleis genutzt wird, stehen die Signale links von dem Gleis, zu dem sie gehören. (301.0002 2 (3))

Das war es erstmal allgemein zu Signalen, in den nächsten Beiträgen werde ich dann genauer auf einzelne Signale bzw. Gruppen von Signalen eingehen, z.B. auf das H/V-System oder Ks-System.

Signalträchtige Grüße
Knochendochen


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