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J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 01.04.2024, 21:05 (vor 23 Tagen) @ Holger2
bearbeitet von J-C, Montag, 01.04.2024, 21:09

Hallo,

Um mal ganz in Kürze zu antworten: Nein, das ist keine große Leistung, dass die Fernzüge auf der Tauernstrecke in 15 Jahren an zwei Dorfbahnhöfen weniger halten werden. Das ist ganz schwach.

Die Züge werden also immer noch in Golling-Abtenau, Bischofshofen, St. Johann, Schwarzach - St. Veit, Bad Gastein, Mallnitz und Spittal halten. Es geht hier immerhin um eine wichtige Transitstrecke von Bayern nach Slowenien, Kärnten und Norditalien.

Wenn das so eine wichtige Transitroute wäre, wieso hat es nur einen einzigen Direktzug München - Zagreb gegeben, bevor man diesen in Villach aus triftigen Gründen gebrochen hat? Die Strecke nach Slowenien ist definitiv nur ein Bruchteil dessen, was die Strecke über den Brenner leistet. Sie ist sicherlich eine Transitroute, aber du spielst deren Bedeutung wesentlich höher als dass es die Realität dann abbildet. In Wahrheit sind Binnenverkehre hier wesentlich bedeutender. Die gnazen Halte, die du so nennst, die haben eben ihre Klientele, die haben eben Leute, die was drauf geben, dass man recht leicht und unkompliziert an diese Orte hinkommt. Man kann diese Halte aufgeben, aber dann wird es eben einen Widerstand geben, selbst wenn das durch einen Regionalverkehr ersetzt wird. Und das berechtigt. Im Gegensatz zu Deutschland bietet Österreich eben keinen Überdrüberpremiumsuperduperflypreisangebot, das man tunlichst vom Regionalverkehr abgrenzen muss, sondern versteht den Fernverkehr als Mittel zum Zweck. Und ein Fernverkehr ohne die ganzen Halte, das kannst du locker mit 3 Zugpaaren mit 2 Wagen abdecken. Da kommt einfach nicht viel bei rum. Halte wie Bischofshofen und Schwarzach sind eben im Inneralpinen Verkehr als Zu- und Ablauf bereits nicht unbedeutend. Ohne die Halte würden einige Verbindungen wesentlich unattraktiver werden. Dabei hat man das gar nicht nötig.

Aber es ist eben einfacher, jedem Bauernhof einen 30-Minutentakt zu versprechen, als wirklich an der Verkehrswende zu arbeiten. Statt 5 Minuten hätte man die Strecke um 30 Minuten beschleunigen können - alleine durch Auslassen der Zwischenhalte.

Man verspricht keinen Halbstundentakt für jeden Bauernhof. Ich schätze, du hast dir nichtmal angeschaut, was für Orte diese Halte so sind, was für Verbindungen von dort ausgehen etc.


Es ist ja fast paradox: Gleichzeitig fordert Österreich seine Diretissima, damit Österreich möglichst ohne Zwischenhalt mit München und dem Rest der Welt verbunden wird. Was ist eigentlich plötzlich so schlimm daran, wenn der Österreicher auf dem Weg nach München noch in Freilassing, Teisendorf, Traunstein, Bergen, Übersee, Pruen, Bad Endorf und Rosenheim halten muss. Aber das ganze Projekt ist so gut abgesprochen, dass es in Deutschland nicht einmal im erweiterten Bedarf steht :).

Du stellst Vergleiche an, die einfach komplett weltfremd sind. Welchen Stellenwert hat Wien - München, welchen Stellenwert hat *schlägt nach* München - Ljubljana/Zagreb/Udine? Selbst bei einer Diretissima wird das nicht sonderlich attraktiver. Will man nach Venedig zum Beispiel, wird man über den Brenner besser bedient sein. Aber das hatten wir schon.

Aber es scheint bei den uns umgebenden Kleinstaaten ja üblich zu sein, in Deutschland schnellstmögliche Verbindungen zu fordern, während zuhause die Züge selbstverständlich an jeder Gießkanne halten dürfen. Da darf dann jeder Fernzug im nationalen Regiotakt mitschwimmen und wehe der Zug erreicht nach 600km den eigenen Kleinstaat auch nur 10 min zu spät. Hatten wir beim EC Amsterdam - Berlin ja auch gerade schon. Oder soll ich das einfach Nationalchauvinismus nennen?

Holger

Achso, wie oft halten die ICEs denn so zwischen Wien und Nürnberg? Welchen Halt willst du wegstreichen? Da ist der einzige Halt, den man vielleicht denkbar noch streichen könnte, St. Pölten und man bekäme keine schnellere Reisezeit zustande wegen der Trassenzwänge.

Und vielleicht um dir auf die Sprünge zu helfen, glaubst du, dass München - Salzburg - Villach - Ljubljana - Zagreb so bedeutend ist wie München - Salzburg - Linz - Wien - Budapest?

Soll ich dir noch erklären, was für Städte Wien und Budapest im Vergleich zu Ljubljana, Zagreb und vielleicht noch Udine bzw. Triest sind?

Vielleicht möchtest du dich auch nochmal mit dem Stand der Infrastruktur in Slowenien und Kroatien befassen. Man kann gewiss eine Superhypermegahochgeschwindigkeitsstrecke erstellen und die wird wunderschön an der Grenze enden, weil Slowenien erst grade bei der Bahn aufwacht.

Von den notorischen Bahnverspätungen, die die Attraktivität nicht unbedingt steigern, will ich gar nicht sprechen. Der Balkan ist nicht gerade für die Pünktlichkeit der Züge bekannt.

Wenn man das alles in Betracht zieht, wird vielleicht auffallen, dass die Strecke über den Tauern und die Neue Innkreisbahn komplett unterschiedliche Dinge sind, die man unterschiedlich zu bewerten hat. Man schreit ja nicht irgendwelche Forderungen herein, sondern ist eben gemeinsam im Gespräch, solche Dinge voranzubringen. Seitens Deutschland profitiert man ja eben auch dadurch, dass man nicht mehr von 2 stark ausgelasteten Korridoren nach Österreich abhängig wäre und dadurch künftig mehr Kapazitäten dort kriegt, wo man sie benötigt.

Die Tauernbahn wird ja ohnehin auf einen Stundentakt im Fernverkehr verdichtet werden. Damit wird man auch die Kapazitäten bringen können, die eben wie bereits ausgeführt, vor allem im Verkehr Deutschland - Österreich auftreten.

Natürlich finde auch ich die Anzahl an Verbindungen zwischen Villach und Italien einfach nur grauenhaft. Aber die Beweggründe habe ich ja auch angesprochen. Und nochmal, die Musik spielt dort mehr aus Richtung Wien, selbst wenn man die Tauernbahn super-duper ausbauen würde, würde sich daran nicht viel ändern, wenn sich denn was daran ändern täte.

Kurz gesagt, würde in Slowenien, in Kroatien und der Region Friaul-Julisch-Venetien in Italien generell die Bahn einen höheren Stellenwert auch im Personenverkehr haben, dann könnte die Tauernbahn vielleicht mehr Wert bieten, aber das wird so schnell nicht kommen. Ich meine, du hast sicher einen Bezug zu Slowenien, wenn dir das so sehr am Herzen läge. Dann wird dir sicher auch aufgefallen sein, dass der Fernverkehr noch viel schwächer ausgeprägt ist als in Österreich. Es hat seine Gründe, wieso dort Fernzüge mit FLIRT und KISS in Bestuhlung abgewickelt wird, wogegen ein ÖBB-Cityjet noch punkten kann...

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Reisehäppchen für zwischendurch gefällig?
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(Bildquelle: ČD)


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