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Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 13.01.2024, 15:33 (vor 816 Tagen) @ Altmann

Hoi,

Die RJ sind für kurvenreiche steile Strecken ungeeignet. Dank hoher Achslast und Schubbetrieb ruinieren sie Gleise und Drehgestelle.

Das bezweifle ich ernsthaft. In der Schweiz haben wir ja ähnliche Bedingungen mit Pendelzügen auf Gebirgsstrecken. Da werden weder Drehgestelle noch Gleise ruiniert, der Verschleiss ist nicht anders als bei anderen Zügen.

Der railjet ist sehr geeignet für Österreich. Ein 250 km/h schneller Triebzug wäre teurer gewesen und die zwingende Notwendigkeit für 250 km/h sehe ich in Österreich auch nicht direkt. Also konnte man in einem Bereich bleiben, wo günstigere lokbespannte Züge möglich waren. Ein Steuerwagen am anderen Zugsende ist zudem für effiziente Rollmaterialumläufe und kurze Fahrtrichtungswechsel ein definitives Plus. Wegen der Druckertüchtigung der Wagen war es dann eben ein Abwägungsentscheid zwischen fest verbundenen Wagenübergängen oder unterhaltsintensiven Wagenübergängen im Falle von Einzelwagen.

Daher ist die Lebensdauer der RJ auch viel geringer als ursprünglich gedacht. Die Dinger sind hinüber ... Siemens selbst sagt "Die ÖBB wollten HGV-Züge haben, die haben wir geliefert ..." (soll heißen: Hättet Ihr von uns Züge für kurvige Bergstrecken gewollt, hättet Ihr das vorher sagen müssen).

Das halte ich für genauso wenig stichhaltig. Wir hatten mit den IC2000-Doppelstockwagen ähnliche Probleme, als sie ab Ende der 90er geliefert wurden. Der Verschleiss auf kurvigen Strecken war deutlich erhöht, weil FIAT-SIG (heute Alstom) die Drehgestelle für die Neubaustrecken von Bahn 2000 ausgelegt hatte. Das Problem wurde erkannt und die Drehgestelle wurden modifiziert. Seit über 20 Jahren fahren sie nun auch problemlos auf den kurvigsten Bergstrecken ohne höheren Verschleiss (vorausgesetzt das Lichtraumprofil passt für Doppelstockwagen).

Es ist nicht ersichtlich, warum bei den railjet solche Modifikationen nicht möglich sein sollten bzw. wahrscheinlich wurde das bereits gemacht und das Problem existiert wie bei den IC2000 längst nicht mehr.

Bezüglich «die Dinger sind durch», sie werden ja auch intensiv genutzt. Genauso wie bei den IC2000 wäre nun einfach ein umfassendes Refit erforderlich. Die IC2000 werden so für weitere 20 Einsatzjahre als IC2020 bis in die 2040er-Jahre fit gemacht. Das Problem der ÖBB ist nun einfach, dass dafür Fahrzeuge aus dem Betrieb genommen werden müssen. Hier ist natürlich zum einen die Politik Schuld, dass das Klimaticket eingeführt wurde, bevor die ÖBB entsprechendes Rollmaterial in Betrieb nehmen konnten. Zum anderen ist es aber auch von den ÖBB nicht sehr schlau z.B. bei den railjet 2 nur acht Kompositionen für acht Brenner-Umläufe geordert zu haben. Da besteht also von Beginn an Null Reserve, das wird den ÖBB noch auf die Füsse fallen.

Mit den railjet-KISS beginnen die ÖBB nun zu reagieren, da wurden statt ursprünglich angefragt 10 bis 12 Triebzüge auch direkt 14 bestellt und Stadler stellt diese parallel in separater Produktion her, womit die cityjet-KISS dann weiterhin ohne Unterbruch in zweiwöchiger Kadenz ausgeliefert werden können. Auf der anderen Seite wurde die Ausschreibung der KISS noch vor dem Klimaticket gestartet und nun ist es so, dass die ÖBB bereits sagen, dass die mögliche Maximalmenge des KISS-Vertrags bereits nicht mehr ausreichen wird.
Der Vertrag umfasst ja 186 KISS, wobei fünf davon fix als CAT-Fünfteiler reserviert sind (drei abgerufen, zwei bleiben dem CAT als Option); bei den 181 restlichen KISS ist die jeweilige Menge an Vier- und Sechsteilern ebenfalls im Vertrag geregelt, mit den 14 railjet-KISS und den 20 cityjet-KISS-Sechsteilern sind bereits 34 Sechsteiler abgerufen. Die genauen Maximalmengen an Vier- und Sechsteilern hab ich gerade nicht griffbereit, könnte aber bei Zeiten nachschauen. Vierteilige railjet-KISS wären übrigens ebenso möglich.

Bei den einstöckigen E-Triebzügen konnten die ÖBB mit der Neuausschreibung direkt eine grössere maximale Vertragsmenge festlegen und auf das Klimaticket reagieren. Von den railjet 2 könnten die ÖBB ebenfalls noch weitere abrufen. Ob es für Doppelstöcker noch ein zusätzliche Ausschreibung geben wird, wird man dann sehen. Erstmal werden die ÖBB wohl noch alle 181 möglichen KISS abrufen.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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