Die Realität, das vorweg, ist deutlich besser. (Allgemeines Forum)

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Donnerstag, 06.01.2022, 18:39 (vor 18 Tagen) @ Henrik

Seit Jahren wird über die Pünktlichkeit gemeckert. Und ja manchmal ist es sehr ärgerlich, vor allem wenn dadurch ganze Reiseketten zerstört werden.


Der Anschlussgrad Fernverkehr/Fernverkehr liegt bei 85%.

Ich fände das akzeptabel.

Aber so häufig wie oft zitiert trifft es jeden doch gar nicht.
Klar findet man an größeren Bahnhöfen immer verspätete Züge, aber wenn man mal ehrlich nur die eigenen Fahrten ansieht ist es bei den meisten doch längst nicht so viel.


Thematisiert wird in der Öffentlichkeit nebst Bahn-Kritiker-Foren wie diesen hier nur die Verspätungen der Züge des Fernverkehrs.
Das ist für den einzelnen überhaupt nicht relevant.

Hängt davon ab, Fernverkehr übernimmt ja durchaus auch Aufgaben in Regionen. Gibt Gründe, warum die Trennung Regional-/Fernverkehr stellenweise aufgeweicht wurde. Bei kürzeren Relationen spielen solche Verspätungen eher eine Rolle als auf langen Relationen.

Als jemand, der häufig und gern reist, kann ich aber aus Erfahrung sagen, dass man einen Anschlussverlust oder einen längeren Aufenthalt am Bahnhof wegen einer Verspätung (oder beides gleichzeitig) eher annehmen wird, wenn man am Bahnhof eine gewisse Aufenthaltsqualität findet, die es erträglich macht.

Also meinetwegen WLAN und Sitzgelegenheiten in klimatisierten Räumlichkeiten.

Wie der Vorredner schon treffend formulierte, ist das reine PR.. Image - mehr nicht.
Und eben die Vergütung durch Boni von verantwortlichen Bahnmanagern richtet sich danach.

Wobei klar sein muss, dass man immer schauen sollte, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit nach den eigenen Möglichkeiten zu maximieren. Es ist ja nicht so, als ob das gar nicht versucht wird.

Die Reisenden selbst kommen natürlich mit einer erheblich höheren Wahrscheinlichkeit pünktlich an ihren Zielen an.

Deswegen wäre es eigentlich interessant, zu wissen, wie die Reisendenpünktlichkeit aussieht.

Klar gibt es auch deutliche regionale Unterschiede. So wird ein Pendler Dortmund - Essen deutlich öfter von Verspätungen geplagt sein, als einer von Meiningen nach Sonneberg. Dafür ist auf erstgenannter Strecke aber auch ein Vielfaches an Ausweichmöglichkeiten innerhalb kürzester Zeit vorhanden.


beides nun wahrlich nicht so recht klassische Relationen des Fernverkehrs.. ;)

Aber nicht völlig abwegig! In Österreich ist es ganz normal, dass man von Linz nach Wels den Fernverkehr nimmt. Irgendwo las ich, dass auch die Schüler den Railjet zwischen Attnang-Puchheim und Vöcklabruck nehmen.

Und dann gibt es Landstriche, wo die Bedienung nur vom Fernverkehr erfolgt - etwa am Arlberg.

letztere auf keinen Fall, erster kann man auch mit ICE zurücklegen, joa. Dort liegt die Pünktlichkeit eher deutlich höher.

Wenn ich mir die Reisezeiten in der Ruhrregion anschaue, ist der einzige Grund, nicht den Fernverkehr dort zu nehmen, der erhöhte Fahrpreis. Eine Einbindung des Fernverkehrs in die Verkehrsverbünde brächte definitiv Vorteile und würde die Attraktivität wesentlich steigern.

Keine Ahnung, warum man unbedingt den Fernverkehr nicht tarifintegriert laufen lassen will zum selben Preis wie den Regionalverkehr. Gefühlt ist diese Struktur das Werk irgendwelcher Dogmatiker, die einfach nicht outside the box denken können oder wollen.

Nun war ab Essen auch noch eine Strecke längere Zeit gesperrt - das mag die Pünktlichkeit noch einmal mehr gesteigert haben.. zu den zusätzlichen Steigerungen dieses Jahres noch drauf.

Ich persönlich erlebe eigentlich relativ selten größere Verspätungen. Manchmal ärgern sie mich extrem, aber sowas kommt in höchstens 5-10% der Fahrten vor.


Den gewaltig hohen Wert nehm ich Dir nicht ab.
Meintest Du Promille? 0,5-1%

Das wäre der Wert, den ich immer kriege, wann auch immer ich in Deutschland eine Reise mache.

Und hey, die DB Netz AG kriegt es auch hin, meinen Railjet zwischen Freilassing und Kiefersfelden pünktlich über die Bühne laufen zu lassen und angeblich hat er ja so eine niedrige Priorität etc.

Die allermeisten sind absolut pünktlich egal mit welchen EVUs.


Ebent.
Und wenn der durchschnittliche jeden-Tag-2x200km-Pendler ein einziges Mal innerhalb von 2 Wochen auch nur 7 min später zuhause bei seiner Frau ankommt, dann fällt das ganz gewiss noch nicht einmal auf.

Manche warten einfach nur darauf, mal so richtig grantig sein zu können. Da ist die Bahn vielleicht der Katalysator für ganz andere Probleme.

Und mit jedem anderen Verkehrsmittel wäre er deutlich unzuverlässiger unterwegs.

Blaschke wird da sicher energisch was gegen sagen, weil Autofahren auf der Autobahn ja auch so toll ist und so. Weil es ja auch super ist, für eine WC-Pause erstmal die nächste Raststätte aufsuchen zu müssen. Weil man ja im Stau wenigstens für sich alleine rumgammeln kann und seine Zeit im Gefährt verschwenden kann. Im Auto kann man aber auch nur schlecht im Eifer des Gefechts einen Tweet absetzen oder in einer Kommentarspalte sich echauffieren. Man kommt zu Hause an und da hat sich das Gemüt schon beruhigt... und wenn nicht, dann sollte man mal zum doc. Ist nicht gesund, sich ständig über jeden Nonsense zu echauffieren.

Ich fahre recht selten selbst Auto, noch seltener ganz alleine. Ich mach das der Fahrpraxis wegen. Damit kann ich auch Erfahrung aus der Perspektive sammeln.

1. Alleine fahren ist furchtbar. Da ist einfach nichts los. Höchstens Musik für bisserl Stimmung. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das jeden Tag irgendwie angenehm sein soll. Weil:

du musst ständig auf der Hut sein vor Gefahren, mal nähert sich ein Fußgänger jenseits jeder Möglichkeit zum Bremsen gefährlich nahe zu mir, mal macht ein anderer Verkehrsteilnehmer einen Fehler, auf den du reagieren musst, gleichzeitig musst du Geschwindigkeitsbeschränkungen beachten, Verkehrszeichen rechtzeitig beachten, da wird man durchaus gefordert. Das kann man meistern, aber meiner Meinung nach ist das stressig. Es lastet eine sehr hohe Verantwortung auf einen.

Ein Beifahrer hilft wirklich sehr. Meinetwegen, um dir zu sagen, wo du abbiegen musst, aber auch weil du im besten Fall 2 weitere Augen hast für das Geschehen, weil du jemanden hast, mit dem du bisserl reden kannst...

2. Du bist innerhalb des Verkehrsmittels unflexibel.

In einem Zug kannst du mal eben das Handy rausholen und chatten, egal ob man fährt oder steht. Im Auto ist das während des Fahrens nicht nur verboten, sondern auch verdammt gefährlich.

Wie willst du während der Fahrt als Fahrer was trinken? Oder gar essen? Und was überhaupt? Im Fernverkehr kriegst du eine Auswahl warmer Mahlzeiten für längere Reisen und kannst diese in einem gepflegten Ambiente mit richtigem Besteck verzehren. Dieses Level erreichst du im Auto nimmer. Da muss man sich Zeit nehmen und in die Rastatation.

Du hast mal eben ein Bedürftnis? Im Auto kann es ziemlich arg werden, bis man die nächste Möglichkeit hat. Und das geht wieder auf die Reisezeit drauf. Das vergessen natürlich die Autofans schnell. Sie sehen die Zeit auf Google Maps oder ihrem Navigator und vergessen die notwendigen Pausen.

Im Zug bei längeren Distanzen an sich kein Problem, oft haben Züge sogar mehr als ein WC, also auch genug Redundanz.

Du willst dich nach einiger Zeit mal bewegen? Beim Auto musst du wieder parken und rausgehen.

Im Zug kannst du zur Not mal kurz dir die Beine vertreten. Jederzeit. Da kann man auch gerne mal seine Balance-Fähigkeiten üben. :D

Auch toll: wenn ich im Zug oder Bus an einem Ort ankomme, muss ich mir nicht Gedanken machen, wo und wie ich parke. Als Fahranfänger sind meine Parkkünste uhh... spannend.

Freilich, hin und wieder kann eine Autofahrt schon nett sein. Allerdings eher nicht zum Pendeln. Sondern meinetwegen für einen RoadTrip, vielleicht weil es grade sich so ergibt, dass das Sinn ergibt...

Und das tut man dann auch nicht alleine ;)

Ich finde es spannend, wie andere eine ganz andere Sicht auf diese Materie haben und damit leichter klarkommen, es als selbstverständlich nehmen und vielleicht sogar es genießen.

Mir geht es jetzt um längere Distanzen. Kann sein, dass es auf Kurzstrecken, wo das ÖV-Angebot einfach gar nicht passt, anders ist. Aber wie oft sind es tatsächlich solche Relationen, wo das Auto wirklich de facto alternativlos ist, die die Straßen verstopfen? Hand auf's Herz.

--
Reisehäppchen für zwischendurch gefällig?
[image]
(Bildquelle: ČD)


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