Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 5/5 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Freitag, 19.02.2021, 10:07 (vor 14 Tagen)

Hallo liebes Forum,

das letzte Kapitel des Verfluchten Jahres ist noch fällig.
In Kapitel 4 hatten wir uns an der Ende der Welt in der äußersten Ostslowakei vorgearbeitet. In diesem Kapitel bleiben wir nur kurz in der Slowakei, es gehört aber zur selben Reise.
Nun steht der Bericht wirklich im Zeichen der vermaledeiten Seuche und der mit ihr verbundenen Einschränkungen und v. a. Unwägbarkeiten...

Ich wollte von der Ostslowakei nach Niedersachsen fahren.
Eine Reisewarnung galt zwar zum Zeitpunkt meiner Abfahrt nach wie vor nur für das Stadtgebiet Prag, aber die deutschen Warnungen wurden immer nachmittags oder abends rückwirkend für den ganzen Tag ausgesprochen. Ausnahmen zum Transit waren nicht festgelegt. Das bedeutete, selbst wenn ich dabei war, ein Gebiet auf dem schnellstmöglichen Weg zu verlassen, aber währenddessen eine Reisewarnung ausgesprochen würde, wäre ich quarantänepflichtig.
Meint jemand, es geht nicht komischer? Oh doch: Ausschlaggend, ob man quarantänepflichtig ist oder nicht, ist der Zeitpunkt der Einreise nach Deutschland, nicht etwa der Aufenthalt im jeweiligen Gebiet. Wenn also bis zu 10 Tage (damals sogar 14 Tage) nach meinem Aufenthalt dort, aber vor meiner Einreise nach Deutschland z. B. Ungarn zum Risikogebiet erklärt worden wäre, bin ich in Deutschland quarantänepflichtig, obwohl ich mich nie in einem Gebiet aufgehalten habe, das zur Zeit meines Aufenthaltes als Risikogebiet galt. Wenn aber weniger als 14 Tage nach meinem Aufenthalt dort und auch nach meiner Einreise nach Deutschland Ungarn zum Risikogebiet erklärt worden wäre, passiert nichts.
Beispiel:
Am 09.09. war ich in Ungarn. Am 15.09. bin ich nach Deutschland eingereist.
Wäre Ungarn am 14.09. oder 15.09. zum Risikogebiet erklärt worden, hätte ich in Deutschland in Quarantäne gemusst.
Wäre Ungarn am 16.09. zum Risikogebiet erklärt worden, hätte das keine Konsequenzen für mich gehabt.
Logisch, ne?
Meiner Meinung dient dies allein dazu, die Leute vom Reisen abzuhalten. Die Deutschen gelten ja als Reiseweltmeister, sie sind oft im Ausland unterwegs. Ich möchte nicht verallgemeinern, dass jeder Euro, der außerhalb von Deutschland ausgegeben wird, Deutschland schadet. Aber jeder Euro, der außerhalb von Deutschland ausgegeben wird, hat zumindest das Potenzial, Deutschland zu schaden. Auf jeden Fall wäre es aus deutscher Sicht besser, wenn jener Euro in Deutschland ausgegeben werden würde. ;-) Als Exportweltmeister mit dem zweitgrößten Außenhandelsüberschuss absolut (nach China) sind die Ausgaben deutscher Touristen im Ausland allerdings höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein...
Aufgrund der permanenten Gefahr, dass bald neue Gebiete zu Risikogebieten erklärt würden, musste ich also eine Route finden, die keine potenziell gefährlichen Gebiete enthielt, um keine Quarantäne in Hannover verbringen zu müssen... (Dass die Warnungen nicht regelmäßig ausgesprochen wurden, sondern immer an unterschiedlichen Tagen, machte die Sache nicht besser.)
In Prag waren die Zahlen ja bereits hoch. Ich fand auf die Schnelle mobil keine Möglichkeit, Zahlen für andere Kreise Tschechiens in Erfahrung zu bringen. Ich sah bloß, dass die 7-Tage-Inzidenz für gesamt Tschechien schon bei über 70 lag, bei 50 soll eigentlich eine Reisewarnung erfolgen. Also musste ich einen Weg finden, der nicht durch Tschechien führte.
Für Österreich indes lag die Inzidenz bei 45, allerdings entfiel der Hälfte der Fälle auf Wien, dessen Inzidenz schon seit einer Woche bei über 50 lag. Auch für Wien müsste also „jeden Moment“ eine Warnung ausgesprochen werden. Und eine Route aus der Slowakei nach Hannover zu finden, die weder durch Tschechien noch durch Wien führte, war wirklich nicht so leicht...

Abends um 10 trat ich die Rückreise aus der Slowakei an. Ich hatte geplant, im Schlafwagen-Einzelabteil nach Prag zu fahren, dort 4 h zu bleiben und anschließend das Land ohne Maskenpflicht auf dem schnellsten Weg zu verlassen. Prag hatte sich mittlerweile ohnehin erledigt. Meine Tickets wollte ich wenigstens teilweise nutzen. Deshalb sagte ich dem Schlafwagen-Betreuer Bescheid, ich würde nicht bis Prag durchfahren, sondern schon in Bratislava aussteigen. Er verstand gleich meine Beweggründe. Diesmal war es ein neuerer Wagen mit Klimaanlage. Steckdosen waren gut versteckt im Schrank über dem Waschbecken. Eigentlich waren sie nur für Rasierer gedacht. Ich probierte es nicht aus.^^ Wer sie nicht findet, kann sich beim Betreuer übrigens gegen 8 € Pfand eine Powerbank ausleihen. :D
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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Bzw in der Kekspackung. :)


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